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Warum die Bayern so unsympathisch sind?

Am Postsportplatz in Wien-Hernals sind dieser Tage vier offensichtlich angeheiterte Männer an der Begrenzungsstange gehangen, jeder eine Bierflasche in der Hand, und haben den auf einer Art motorisierten Rollstuhl sitzenden Platzwart beim Rasenmähen angefeuert: „Gemma! Gib Gas, Schurl! Jetzt überholt dich keiner mehr. Zeig, was d’ kannst.“ Fasziniert von diesem grotesken Bild, in dem die Wirklichkeit Beckett spielte, habe ich zugesehen und mitgehört.

Das Quartett tangierte Außerirdische in Mexiko, den Irak, die bergab gehende österreichische Innenpolitik und endete stets und immer wieder in dem erleichterten Seufzer, dass, so schlecht und ungerecht die Welt auch immer sei, zumindest die Bayern nicht Meister geworden sind. Warum sind die Bayern so unbeliebt, dass man sie sogar auf österreichischen Krautackern satthat? Wie ist es möglich, dass Spieler oder Trainer, die einem immer sympathisch gewesen sind, praktisch von heute auf morgen, nämlich mit ihrem Wechsel zum FC Bayern München, als arrogante, geldgierige Fieslinge erscheinen? Selbst Andreas Herzog, Prinz Poldi oder Otto Rehhagel waren während ihrer Münchner Kurzgastspiele bärbeißige Unsympathler. Es scheint, als würde da eine zumindest temporär wirkende Barbayrisierung stattfinden, die auf bis dato unbeleckte Fußballer oder Trainer die ganze schleimige Ahnengalerie bayrischer Hochmütigkeitsfirnis leckt: Effenberg, Matthäus, Breitner, usw.

Nun ist die Sympathie ein launiges und fragiles Elfen-Wesen, das sich schnell davonmacht, wenn ihr was nicht passt, aber dass sie es bei den Mir-san-mir-san-mir-Bayern so gar nicht aushält, sollte die Verantwortlichen nachdenklich stimmen. Denn allein mit Neid und Minderwertigkeitsgefühl ist diese Antipathie nicht zu erklären. Jedenfalls hat der Bayern-Vorstand, der ja nicht dumm ist, nur unsympathisch, das Problem erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen.

Ganz der alten Regel folgend, wonach minus und minus wieder plus ergibt, werden nun nur noch unsympathische Spieler und Trainer gekauft, deren bloße Anwesenheit ausreicht, das an sich schon über alle Maßen unsympathische Rest-Ensemble zumindest für einen Moment noch zu überbieten und so in ungewohnt günstigem Licht dastehen zu lassen. Ja, so ist das mit den Lederhosen, wenn sie herunten sind, wird einem auch noch in den FC getreten. Oder, um es nobler auszudrücken: Schaun ma mal. Die vier Besoffenen am Postsportplatz in Wien-Hernals jedenfalls haben ihnen viel zu danken, wie auch umgekehrt, denn was sie die Bayern hassen, müssen andere sie wieder lieben. So ist das mit der Zuneigung, reichlich kompliziert.

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echt kompliziert · von jack candy · 16.09.2009 16:22 Uhr

So sehr ich es auch begrüße, dass "Kulturmenschen" sich auch für Fußball interessieren, hier muss ich Franzobel zumindest teilweise widersprechen.
Auch mir sind die Bayern unsympathisch (allerdings nicht so sehr wie Red Bull Salzburg), ohne dass ich genau weiß, wieso.
Vielleicht, weil sie zu oft gewinnen (das hingegen wäre mir beim FC Liverpool oder dem 1.FC Köln egal, diese Vereine mag ich nämlich)oder weil sie nie (oder nur sehr selten) mehr tun als unbedingt notwendig und viel zu selten schönen Fußball zeigen.
Dabei sind die Bayern wahrscheinlich der am besten geführte Verein in Europa, sie engagieren sich karitativ sehr stark, ohne das an die große Glocke zu hängen, und sie kümmern sich um ihre Leute, wenn die Probleme haben.
Aber: Franzobels Theorie vom antizyklischen Einkauf trifft keineswegs immer zu, Mario Gomez z.B. ist durchaus sympathisch. Arjen Robben und Philipp Lahm sind auch keine Widerlinge.
Wirklich kompliziert, die Sache mit den Bayern.

 

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