OÖN: Bist du einer, der Berge besteigt?*
Kleinmann: Nur in meinen Gedanken. Weil mir das Runtergehen so weh tut (eine Knieoperation hat er schon hinter sich, Anm.). Aber Skifahren ist für mich der schönste Sport – mit Fußball und Volleyball. Ich fahre so oft Ski, wie es nur geht.
OÖN: Und was ist mit Österreichs Volleyball-Nationalteam? Kann das bei der am Samstag beginnenden Heim-EURO Berge versetzen?
Kleinmann: Unser Ziel ist es. Weil Erreichbar ist alles das, was du erreichen willst. Ich habe mir den Film „Invictus“ angeschaut. Da war die südafrikanische Rugby-Nationalmannschaft in der gleichen Situation wie unser Volleyball-Team. Die sind Weltmeister geworden. Und es gibt einen Lauf in Australien, da rennt man sechs Tage durch. Da ist ein Schafhirt mit Gummistiefeln und voller Montur daher gekommen, der noch nie in seinem Leben gelaufen ist. Und er hat gewonnen. Das ist Realität. Und deshalb sage ich zu unseren Burschen: Das ist die Chance eures Lebens. Für euch persönlich, für Verträge im Ausland, ihr könnt alles erreichen. Vor zwei Jahren hat auch keiner geglaubt, dass wir Brasilien oder Polen schlagen können. Und wir haben es getan.
OÖN: Du hast viel erreicht in deinem Sport. Warum treibst du es immer wieder auf die Spitze?
Kleinmann: Ich mache gerne Sachen, die vorher noch keiner gemacht hat. Ich bin als 21-Jähriger nach Vorarlberg gekommen. Als jüngster Kürschnermeister in ganz Österreich habe ich dort einen Vertrag als Werkstättenmeister unterschrieben. Weil es keinen Volleyball-Verein gab, habe ich einen gegründet. Ich habe durchgesetzt, dass wir in Deutschland in der Bodenseeliga mitspielen durften. Dann haben wir die gewonnen, und durften nicht mehr mit spielen ...
OÖN: Warum hast du dich für Volleyball entschieden? Immerhin warst du in der Jugend Stürmer bei Rapid Wien.
Kleinmann: Ich spielte auch noch Basketball. Aber als ich 16 Jahre alt war, sagte mein Vater, dass ich mich entscheiden muss, sonst bringe ich es in keiner Sportart zu etwas. Die Volleyballer sind damals schon mit dem Flugzeug zu Europacup-Spielen geflogen. Das hat mir imponiert. Bei Rapid hatte ich einen legendären Nachwuchstrainer, einen echten Sir. Der hat mir noch drei Postkarten geschickt, dass ich wieder kommen soll.
OÖN: Was würdest du deinem Amtskollegen im Fußball, Leo Windtner, raten, damit es im österreichischen Fußball aufwärts geht?
Kleinmann: Ich möchte den Fußballern nicht erklären, wie Fußball funktioniert. Das steht mir nicht zu. Außerdem glaube ich nicht, dass wir ein Fußball-Problem haben, sondern ein strukturelles Problem im österreichischen Sport.
OÖN: Was läuft schief?
Kleinmann: Punkt eins betreiben laut einer neuesten Studie des Gesundheitsministeriums nur noch 25 Prozent der Mädchen und 33 Prozent der Burschen Sport. Das ist eine Katastrophe. Punkt zwei gibt es im Kindergarten und in der Volksschule keine Bewegungseinheiten, weil die Leute dort nicht dafür ausgebildet sind; und, was noch viel schlimmer ist, auch noch für Unfälle haften. Sind die Kinder dann zehn Jahre alt, gibt es ein Gesetz, das an Schulen nur zwei Turnstunden vorschreibt. Da kann ich nur sagen: Liebe Politik, sofort rückgängig machen – und zwar blitzartig. So wird unsere Jugend ruiniert.
OÖN: Du provozierst gerne. Probieren wir es umgekehrt. Was sagst du zu dem in Oberösterreich früher öfters strapazierten Spruch: Wer zu dumm für Faustball ist, geht zum Volleyball.
Kleinmann: Ich kenne den Spruch. Ich habe auch schon viele populistische Sager gehabt und nehme das mit einem Lächeln zur Kenntnis. Natürlich hat das Ganze einen Hintergrund. Als ich Volleyball gespielt habe und nie etwas in der Zeitung gestanden ist, habe ich das erste Mal bei einem Zeitungsredakteur angerufen und gefragt, warum er nichts über Volleyball schreibt. Hat der geantwortet: „Ist das ein Ball aus Wolle, mit dem da gespielt wird?“ Das habe ich mir gemerkt und ich habe das verändert. Und das lasse ich mir auch nicht mehr gefallen. Ich bin seit 49 Jahren im Volleyball, bin 27 Mal österreichischer Meister geworden als Spieler, Trainer und Manager. Wenn ich nicht Meister werde, ärgere ich mich. Wenn ich es werde, freue ich mich nicht mehr. Das hat keinen Kick mehr für mich. Für mich ist klar: Wenn ich Volleyball in Österreich populär machen will, dann muss das Nationalteam gut spielen. Das ist das Ziel.
OÖN: Deine Wege dahin sind nicht unumstritten. Du bist ein Mann der klaren, aber nicht immer feinen Worte.
Kleinmann: Wenn man immer schmeichelt, wird man nicht gehört. Viele Leute können damit nur schwer umgehen, dass ich einfach sage, was ich mir denke und was ich will. Das passt halt nicht allen in den Kram. Es ist auch nicht in meinem Interesse, es allen recht zu machen.
OÖN: Klingt nach einem spannenden Leben.
Kleinmann: Fad wird mir nicht. Aber manchmal kommt es mir so vor, dass wir in Österreich nicht so viel Senf wie Würstel haben.
OÖN: Das heißt aber nicht, dass du Angst hast, nach der EURO den schwarzen Peter zugespielt zu bekommen?
Kleinmann: Der schwarze Peter bin ich sowieso, und Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und fürchten tu ich mich nur vor meiner Frau (lacht).
Der Mensch: Er ist der Mr. Volleyball
Peter Kleinmann steht seit 49 Jahren am Netz und gilt in Österreich als Mr. Volleyball. Als Spieler, Manager, Klubpräsident brachte es der Wiener, der am Tag des Halbfinales der Heim-EURO 64 Jahre alt wird, zu 27 nationalen Meistertiteln, dazu kommen Final-Teilnahmen in der Champions League und Erfolge in der Mitteleuropa-Liga. Kleinmann ist verheiratet, hat einen Sohn und ist zweifelsohne ein Siegertyp. So sagt er auch: „Ich kann verlieren nicht leiden. Aber aus dem Gewinnen lernt man nichts, nur aus dem Verlieren.“
Der Weg: Ein schmerzendes Knie und Erinnerungen an den Skiurlaub
Als wir gestern mit dem Höss-Express auf 1800 Meter Seehöhe anlangten, verschlug es Peter Kleinmann kurz die Sprache: „Mein Gott, ist das schön hier.“ Dabei kennt der 63-jährige Wiener die Region: „Vor zehn Jahren sind wir Jahr für Jahr hierher zum Skifahren gekommen. Gewohnt haben wir auf einem Bauernhof in Roßleithen, meist sind wir zur Wurzeralm zum Skifahren rüber gefahren“, erzählt Kleinmann. Mit dem Bergsteigen hat er es aber nicht: „Weil die Knie weh tun, vor allem beim Bergabgehen.“ Ein Knie ist bereits operiert worden, und so gab es gestern beim OÖNachrichten-Gipfelgespräch auch nur eine kleine, gemütliche Wanderung. Wobei Kleinmann bergauf gut in Schuss ist und nie außer Atem geriet. Vermutlich auch deshalb, weil er für die Heim-EURO unglaublich viele Meter macht. So hatte der Volleyball-Peter schon zuvor den ÖSV-Peter getroffen. Kleinmann hatte bei der Talstation Schröcksnadel zum EURO-Botschafter ernannt. Am späten Nachmittag war Mr. Volleyball schon wieder in Wien, um beim Fußball-Länderspiel Werbung für die Heim-EURO zu machen: „Drückt uns die Daumen.“
Werden wir machen.
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