Wie ein normaler Tag im Leben der Andrea M. ausschaut? Um sechs Uhr früh läutet der Wecker, zehn Minuten später sitzt sie im Auto, weitere zehn Minuten später schnürt sie die Laufschuhe, eine gute Stunde und 15 Kilometer weiter ist sie fertig, fix und fertig, geht in die Arbeit duschen und steht zum Turnus-Dienst parat im Wiener Akh. Mayr, Österreichs Rekordhalterin im Marathon, ist nicht mehr Profisportlerin, sondern Ärztin aus Leidenschaft. „Das erste Training so früh am Tag ist definitiv nicht lustig. Ein Frühstück geht sich nicht aus. Dann komm’ ich am Nachmittag heim, wenn ich nicht Nachtdienst hab, ess’ ein bisserl was – meist ein bisserl zu viel – und dann beginnt das Haupttraining.“ Frau Ärztin, gesund klingt das nicht.
Es ist das Los, das sich die 30-Jährige selbst ausgesucht hat. „Ich wollte unbedingt meine Ausbildung machen. Ich will aber auch unbedingt laufen.“ Die ersten beiden WM-Titel im Berglauf 2006 und 2008 schaffte sie als Profi. Deshalb freue sie dieser besonders. „Das ich Vollzeit arbeite, kann den anderen zwar wurscht sein. Aber das ist die Härte und das wollte ich mir beweisen.“
Das Beweisstück lieferte Mayr gestern auf der Velika Planina, einem 1660 Meter hohen Berg im slowenischen Kamnik. 1035 Höhenmeter waren auf einer 8,5 Kilometer langen Strecke zu überwinden. In 49:30 Minuten war Mayr im Ziel, 38 Sekunden schneller als die Italienerin Valentina Belotti, die Kirchdorferin Margit Eglseder wurde 41. „Es war ein Wahnsinn“, strahlte Mayr, „und ich war so dumm. Schon nach sieben Minuten ging ich in Führung und hatte immer den psychischen Druck, dass doch wer von hinten kommt.“ Es kam niemand.
Zu Olympia als Profi?
Die nächsten Pläne von einer, die nur ungerne Pläne schmiedet? „Entweder es geht völlig irre oder normal irre weiter.“ Heute entscheidet Mayr, ob sie am Samstag den Jungfrau-Marathon in der Schweiz bestreitet. Dann will sie in der Wachau den Halbmarathon-Staatsmeistertitel erobern. Das folgende Wochenende läuft sie an zwei Tagen in zwei verschiedenen Ländern je zwei Rennen mit je mehr als tausend Höhenmetern – in dieser Tonart geht es weiter. Will sie nicht doch noch einmal ins Profitum wechseln? „Vielleicht.“ Der Olympia-Marathon in London 2012 wäre ein guter Zeitpunkt dazu. Auch wenn der keine Höhenmeter hat.
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