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Der Star unter den Helfern kurbelt in Wels

WELS. Dank Bernhard Eisel wurde Mark Cavendish bei der Tour de France zum erfolgreichsten Sprinter aller Zeiten. Bei dem von den OÖNachrichten präsentierten Welser Innenstadtkriterium (heute, 19 Uhr) ist der 29-jährige Steirer mehr als nur der Helfer des Stars.

OÖN: Nach drei harten Wochen bei der Tour de France sitzen Sie diese Woche bei den Kriterien schon wieder am Sattel. Muss man als Radprofi auch ein wenig verrückt sein?

Eisel: Überhaupt nicht. Es macht sehr viel Spaß, weil es die einzigen Rennen sind, bei denen man sich dem heimischen Publikum präsentieren kann. Eine Grundmüdigkeit und ein Grundleiden haben wir nach der Tour aber in uns.

OÖN: Sie haben Mark Cavendish bei der Tour zu fünf Etappensiegen verholfen. Er ist nun der erfolgreichste Sprinter aller Zeiten bei der Frankreich-Rundfahrt. Welchen Anteil am Erfolg haben Sie?

Eisel: Ich würde ihn hoch einschätzen. Meine Aufgabe war es, ihn aus jedem Trubel rauszuhalten und ihn nach Paris zu bringen. Ich denke, vor allem an den Etappensiegen in der zweiten und dritten Woche war ich grundlegend beteiligt. Die hätte er ohne mich wohl nicht geschafft.

OÖN: Die Tour ist für Sie also perfekt gelaufen?

Eisel: Ich bin sehr zufrieden und habe keine gravierenden Fehler gemacht. Ich bin der Helfer, das ist der Deal. Dafür bekomme ich vom Team bei den Klassiker-Rennen mehr Freiräume. Es macht sehr viel Spaß für „Cav“ zu fahren, weil die Chance, dass er gewinnt, sehr, sehr groß ist.

OÖN: In der Radsportszene gilt Cavendish als arrogant und unbeliebt. Sie scheinen aber gut mit ihm auszukommen. Warum?

Eisel: Er hat seinen eigenen Kopf und ist ein Mensch mit Ecken und Kanten. Wenn man ihn besser kennt, ist er ganz anders: Ein Paradesportler und einer der hilfreichsten Menschen, die ich kenne.

OÖN: Sind Sie nach drei Wochen intensivem Kontakt froh, ihn nicht mehr sehen?

Eisel: Am Ende haben wir uns 24 Stunden lang Bett und Leid geteilt. Von Lachen ohne Ende bis Tränen und Streitigkeiten war alles dabei. Da ist man froh, wenn man danach ein paar Tage für sich hat.

OÖN: Gibt es nach dem Kriterium in Wels Zeit zum Entspannen?

Eisel: Mark fährt in die Toskana, ich werde zuhause relaxen und meine Familie in der Steiermark besuchen. Du musst dem Kopf wieder Luft geben.

OÖN: Zuvor starten Sie in Wels. Was ist das Besondere an diesem Kriterium?

Eisel: Es ist das letzte, das vom alten Rennkalender noch übrig ist – Hut ab vor Paul Resch. Als Fahrer sind wir sehr dankbar, vor so genialen Zuschauern fahren zu können.

OÖN: Dank Ihrer Hilfe dreht auch Cavendish in Wels Ehrenrunden. Kann ihn jemand besiegen?

Eisel: Im Sprint ist er unschlagbar, aber diese Niederlage haben auch bei der Tour sehr viele erleiden müssen.

OÖN: Haben Sie sich mit 29 Jahren schon Gedanken an die Zeit nach der Karriere gemacht?

Eisel: Mein Vertrag läuft jetzt aus, ich möchte bei Columbia bleiben und noch acht Jahre fahren, wenn ich es sportlich noch drauf habe. Danach bin ich für alles offen. Gärtner werde ich aber wohl keiner werden.

OÖN: Stichwort Doping: Ist der Radsport sauberer geworden?

Eisel: Der Radsport hat sich verändert, es gibt keine Übermenschen oder Dominatoren mehr. Der Radsport hat alles gemacht, was er tun kann. Mehr Kontrollen kann man nicht durchführen.

Kommentare
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Artikel 28. Juli 2010 - 00:04 Uhr
Von Manuel Fischer
Bild vergrößern Der Star unter den Helfern kurbelt in Wels

Der Helfer und sein Meister: Eisel (li.) und Cavendish  Bild: GEPA pictures/ J

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