Meerblaue Augen, ein Drei-Tage-Bart, lange, blonde Haare, die über seine Stirn peitschen wie Wellen über den Ozean: Wie ein Wikinger erscheint der 1,91-Meter-Hüne beim Surf-Weltcup auf dem Neusiedlersee. Doch Angst braucht vor dem Ozeanriesen nur die Konkurrenz zu haben. Der niederländisch-dänische Supersurfer zählt fast so viele Weltmeistertitel wie Jahre (36:39).
OÖN: Ihre Arbeitsplätze sind die Traum-Urlaubsziele der Menschheit. Das Leben ist ungerecht, oder?
Dunkerbeck: Sowieso. Man muss Glück haben – und ich hatte es, weil ich mit meinen Eltern auf die Kanaren gezogen bin, als ich acht war. Dort habe ich dann das Windsurfen gelernt. Doch von nix kommt nix – man muss das Glück auch zu schätzen wissen.
OÖN: Wurden Sie zu Ihrem Glück gezwungen? Die Mutter soll den kleinen, wasserscheuen Björn ins Wasser geschubst haben…
Dunkerbeck: So schlimm war es nicht. Ich hab’ in Dänemark keinen Sinn gesehen, zu schwimmen, da war mir Fußballspielen lieber. Am Strand in Gran Canaria stellte ich fest: Wenn ich Windsurfen wollte, musste ich Schwimmen lernen. Das hab’ ich dann notgedrungen getan.
OÖN: Wo urlauben Sie? Wo andere arbeiten?
Dunkerbeck: Wenn du das ganze Jahr viel unterwegs bist, bist du froh, im eigenen Haus zu sein. Ich bin im Winter gern snowboarden und seit zwei Jahren Wahl-Schweizer, davor lebte ich in Andorra. Das ist gut für die Beine und gut für das Höhentraining.
OÖN: Und gut für das Bankkonto.
Dunkerbeck: Sicherlich. Wobei auch der See in St. Moritz gut ist. Würde ich dort öfters trainieren, dann wäre ich auch hier in Podersdorf besser.
OÖN: Gedanken um das Geld muss sich einer der erfolgreichsten Profi-Sportler der Welt aber nie machen.
Dunkerbeck: Windsurfen ist nicht der größte Profisport, aber okay. Man lebt halt von den Sponsoren. Doch gleich mehr als die Hälfte des Verdienstes ans Finanzamt abzugeben – da fragt man sich, warum man das tun und im eigenen Land bleiben soll. Dankeschön bekomme ich auch keins dafür. Eine Sportlerkarriere dauert von einem über zehn bis 15 Jahre, mit dem Geld musst du später erst auskommen.
OÖN: Sie frühstücken Nutella?
Dunkerbeck: Nach wie vor (lacht) – und auch meine Kinder (Anm.: Er wurde in jungen Jahren mit einem Nutella-Werbespot bekannt). Es ist mir schon passiert, dass Leute sagen: „Ach, das ist der aus der Werbung!“ – und nicht: „Das ist der Sportler.“
OÖN: Dabei sammeln Sie Weltmeistertitel wie andere Briefmarken. Jetzt wollen Sie als erster Mensch auf dem Surfbrett die Schallmauer von 50 Knoten (92,6 km/h) durchbrechen.
Dunkerbeck: Daran arbeite ich schon länger. Aber bisher nur am offenen Meer, wo viele Probleme auftauchen. Am Kanal, wo die schnellste Zeit erreicht wurde (49 Knoten), bin ich beim nächsten Versuch dabei. Es kann sein, dass ein Jahr lang der Wind nicht passt. Und dann hast du plötzlich drei Rekordtage hintereinander. Ich werde da sein, wenn es passiert.
OÖN: Wie schaut die perfekte Welle aus?
Dunkerbeck: Die größte schönste Welle ist auf Maui. Und die längste schönste auf den Cap Verden.
OÖN: Wie fühlt sich die an?
Dunkerbeck: Es rauscht hinter dir, du reitest rauf und runter, machst deine Tricks. Wenn du einen Fehler machst, bekommst du ordentlich eine in die Fresse, das kann weh tun. Die Endorphine und das Adrenalin geben dir den Kick.
OÖN: Apropos Hormone: Ist Doping ein Thema?
Dunkerbeck: Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Beim Windsurfen gibt es so viele Variablen wie Kliffe, Natur, Wetterbedingungen – viel mehr als Red Bull trinken tun wir eigentlich nicht. Wenn man 100 Meter in unter zehn Sekunden laufen müsste, dann brauchst wahrscheinlich Hilfsmittel, das ist ja oft nachgewiesen worden.
OÖN: Eine „Nebenwirkung“ Ihres Jobs sind wohl viele Angebote von Frauen.
Dunkerbeck: Das sind die Nachteile und Schattenseiten, nicht? (lacht)
OÖN: Sie haben drei Kinder und eine Frau.
Dunkerbeck: Sie fliegen mit, so oft es geht. Hier in Podersdorf für eine Woche lohnt es sich nicht. Es sind so viele Leute hier, da hab’ ich nicht viel Zeit.
OÖN: Surfer sind auch nachts auf der Welle, hört man. Ihnen sagt man gute Ausdauer nach. Stimmt’s?
Dunkerbeck: Wenn ich möchte – ja. Ich mache gerne Partys, aber nur, wenn am nächsten Tag kein Contest ist. Wenn man seine Ziele erreichen möchte, wäre das kein guter Plan.
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