Redaktion: "Klaus komm zum Punkt - dieses Spiel interessiert hier keinen."
Klaus:
"Liebe Redaktion, vollkommen richtig erkannt. Das Vorspiel ist zwar wichtig aber überbewertet. Ich mache es kurz."
Den Start habe ich dann auch noch hinausgeschoben - da sind mir plötzlich sehr viele Dinge eingefallen, die ich schon immer verschoben habe:
Die Garagentüre quitscht
Die Balkontüren gehören eingestellt
Die Stehlampe im Wohnzimmer ist defekt
Das Altpapier gehört entsorgt
Valerians neue Möbel mit ihm zusammenbauen - sein Zimmer ist letzten November durch ein brennend gebliebenes Licht an seinem Bett ausgebrannt. Da hatten wir so wirklich Glück, dass nicht das ganze Haus abgebrannt ist. Die Feuerwehr hat da Großartiges geleistet - noch einmal einen herzliches Dankeschön dafür. Letzte Woche haben wir die neuen Möbel bekommen und diese sind nun im ganzen Haus verteilt und warten nur mehr darauf endl
Redaktion: "Klaus komm jetzt endlich zum Punkt - alles andere interessiert wirklich keinen."
Klaus: "Aber ich will noch nicht laufen. Ich könnte ja dabei komplett versagen. Wie stehe ich dann da vor der Familie, vor den Kollegen - und vor allem - vor den Lesern? Die glauben dann, dass ich das Bloggen ernster nehme als das Laufen."
Ihr merkt schon, wie ich da mit mir gekämpft habe. Es war wirklich eine Überwindung. Außerdem würde man bei minus 10 Grad nicht einmal einen Hund hinausjagen. Meiner Retschina hat es auch schon gereicht: "Hör jetzt endlich amoi mit der Suderei auf, ziag die aun und brings hinter Di. I steh a auf di, wennst ka Marathonläufer bist!" So schön.
Sie hat ja Recht. Klar ich habe mich auf dem (Nachrichten)Papier für den Halbmarathon entschieden. Aber nun geht es los, und ich muss ins richtige Marathonleben hinaus: Nicht mehr walken, nicht mehr G1. Nein - Laufen, G2, anaerober Bereich. Die ganze Vorbereitung mit meinen Nordicwalkingeinheiten waren zwar gut, aber dabei war kein Versagen einkalkuliert. Noch dazu habe ich, seit ich mit dem Training begonnen habe, keinerlei Anzeichen von irgendwelc...
Redaktion: "Klaus - geh jetzt endlich Deinen Feldtest absolvieren."
Klaus: "Jajajaja - ich gehe ja gleich"
Redaktion: "Nicht gehen - laufen"
Klaus: "Aber du hast ja gesagt ich soll gehen!"
Redaktion verwirrt und verzweifelt.
Ich ging noch einmal in mich und traf wieder einmal eine folgenschwere Entscheidung:
Ich habe mich angezogen und bin ca. 15 min zum geplanten Start aufwärmend gegangen.
Stoppuhr starten und Startplus merken und los. Schluss mit der Jammerei.
Der Lauf begann wie jeder andere auch. Ich setzte einen Fuß vor den anderen und nahm dabei meinen Körper mit. Und laufen heißt laut Definition, dass gleichzeitig beide Beine kurz keinen Bodenkontakt haben. Das geht bei meinen 94 Kilogramm bei jedem Schritt ziemlich in die Füße.
Aber gut. Ich bin gelaufen mit einem Tempo, dass ich beim Walken wahrscheinlich auch habe.
Der Anfang war hart. Nach 300 m dachte ich - "euda (laut EU neue Rechtschreibung von oida), wie soi i des gaunze darena."
Bei einem Kilometer und einer Zeit von 7:35 habe ich mir aber schon gedacht. "Rennt eh ned schlecht." Jeder Kilometer ist dann irgendwie vergangen und meine anfänglichen Zweifel haben sich in Luft aufgelöst. Ich war sehr konstant mit einer Kilometerzeit von ca. 7:30.
Nach 5km, einer Zeit von 36 min und einem Puls von 150 ist das erste Mal dieses Glücksgefühl aufgekommen und ich bin wie von fremder Geisterhand getragen dahingelaufen - war wahrscheinlich die Hand von diesem vielzitierten Herrn Endor Finn.
Ich dachte nicht mehr sondern lief einfach - was für ein historischer Moment in meiner Lauflaufbahn.
Ich glaubte bisher immer, dass so richtige Läufer dieses Glücksgefühl nur erfinden, um sich selbst zu beglücken. Aber dem ist anscheinend nicht so. Mal schauen, ob es mit jedem gelaufenen Kilometer größer wird. Hören wir dazu diesem seltsamen Geschichtenerzähler weiter zu.
Der Verlauf meiner 10 km konnte sich wirklich sehen lassen. Das Glücksgefühl wurde zwar nicht mit jedem Kilometer größer. Im Gegenteil. Gegen Ende dachte ich wieder nach - und siehe da - es wurde wieder schwieriger mit dem Lauf.
Nach exakt 1:12:46 und einem Puls von 176 erreichte ich das Ziel - und war dabei nicht komplett am Ende meiner Kräfte. Es wäre also noch schneller gegangen. Aber das habe ich ja am Anfang nicht wissen können, dass ich bereits derart abartig fit bin.
Ich bin wirklich beeindruckt, wie der brav von mir eingehaltene Trainingsplan meinen Körper in einen durchtrainierten Zustand gebracht hat. Danke Margit.
Abschließend 20 min cool down, Beine bei 15° kaltem Wasser abduschen und danach 20 Minuten hochlagern. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich sofort eingeschlafen bin - habe ich mir auch verdient.
10 km in 1:13 - bei einer Hochrechnung auf den HM wäre ich damit bereits im Ziel bevor meine geplante Zeit von 2:30 abläuft. Aber der HM ist halt doch noch ca. doppelt so weit - der Ausgang daher noch ungewiss - ich könnte ja eingehen.
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