
Cool Running
Wie macht das dieser Kenianer bloß? Erst trommelt Nixon Machichim die drittschnellste je in Österreich gelaufene Marathon-Zeit (2:09:37) auf den Linzer Asphalt, und 24 Stunden später läuft bei ihm wieder der Schmäh und alles so locker, als ob nie etwas gewesen wäre. „Mir geht es wirklich so super gut“, versicherte er gestern den OÖNachrichten im Linzer Arcotel mit Nachdruck – und tatsächlich: Stiegensteigen, Kniebeugen, alles kein Problem. Vielleicht auch, weil er vor seinem abendlichen Heimflug Richtung Kenia bereits auf Wolke sieben geschwebt ist. Die rund 25.000 Euro Preisgeld (von denen er noch Steuern in Österreich und eine satte Gage bei seinem Manager lassen muss) weiß er bereits angelegt. „Vielleicht kaufe ich uns ein Haus“, verriet der 32-Jährige, „und heirate meine Freundin.“ Nein sagen und davonlaufen könnte sie ihm jedenfalls nicht...
Gelüfteter Geheimplan
Ein bisschen gemütlicher hätte es schon sein können für die Linz-Marathon-Siegerin Lisa-Christina Stublic, als nach zweieinhalb Stunden Dauerlaufen mehr als doppelt so lange im Auto zu sitzen. Gestern früh war sie bereits auf dem Heimweg nach Kroatien, noch am Sonntag hatte sie den Streckenrekord von Eva Maria Gradwohl um sechs Sekunden unterboten (2:30:45). Kein Zufall, dass sie in der Steiermark bei ihrer Vorgängerin einen Zwischenstopp einlegen wollte, um ihr dankend um den Hals zu fallen: Denn die 26-Jährige, die lange in den USA lebte, hatte Gradwohls Trainingsplan exakt übernommen. „Sie hat auf Punkt und Beistrich meinen Plan trainiert“, verriet Gradwohl, der es gar nicht leidtat, dass sie ihren Rekord verloren hat. „Einfach super, da sieht man, was Training alles ausmacht“, erzählte die vierfache Linz-Marathon-Siegerin, die anstatt im Wettkampfsport mit ihren Laufseminaren Tempo macht.
Schmerz, lass nach!
Es ging einfach nicht. Der erste Anlauf von Martin Pröll, am Tag nach seinem Marathondebüt aus dem Bett zu steigen, scheiterte kläglich. Auch im zweiten Versuch wollte das Bein noch nicht über die Kante kippen. „Dass es mir so extrem schlecht geht“, seufzte der Freistädter nach einem Cordon Bleu zum Mittagessen, „hätte ich nicht geglaubt. Meine Beine schmerzen von oben bis unten. Ich komme nicht einmal die Stiegen rauf und runter.“ Genauso weh tat ihm, das Olympialimit für die Spiele 2012 in London um sechs Minuten verfehlt zu haben. „Was mich enttäuscht, ist, dass ich so weit davon entfernt war“, gestand er. „Aber eines glaub’ ich fest: in London dabei zu sein. Wenn nicht im Marathon, dann in einer anderen Disziplin.“ Doch so einfach hakt er die 42,195 Kilometer nicht ab, die unglaublich vielen Zurufe quer durch Linz – auch Österreichs Marathon-Rekordhalter Günther Weidlinger feuerte ihn als Zuschauer mehrmals an – motivierten. Nur haben sie gestern in Freistadt gefehlt, also strich er ein viertelstündiges Traben aus dem Regenerationsprogramm. „Die Beine wollten einfach nicht...“ Wie er sich für sein beinhartes, halbjähriges Training belohnen wird? „Ich werde meinen 30. Geburtstag nachfeiern.“ Dumm gelaufen: Denn der war mitten in die intensive Vorbereitung gefallen. Aber besser spät als nie – das gilt auch für die olympische Limitjagd...
Erst heute im Ziel
Jeder, der beim OMV-Linz-Marathon hinter die Kulissen blickt, weiß, dass sie das Um und Auf dieser Großveranstaltung ist: Silvia Anzinger, Chefin des Marathon-Büros, hat in den vergangenen Tagen unterstützt von ihrer Kollegin Martina Burgstaller wieder ein enormes Arbeitspensum verrichtet. Für sie war der Marathon am Tag danach noch lange nicht vorbei. Obwohl ihre Stimmbänder schon arg lädiert waren, wollte sie telefonisch im Büro schon bald in der Früh auf Draht sein. „Es gibt die üblichen Beschwerden, aber auch viel Lob, was mich wirklich freut.“ Abgesehen von der Endlos-Diskussion über die Straßensperren (eine „Frechheit“, dass einmal im Jahr in Linz die Fußgänger ein paar Stunden Vorrang haben), wurde Anzinger gestern auch mit dem Protest einer Hundebesitzerin konfrontiert. Deren Wauwau sei Marathon-traumatisiert, der Startschuss wäre zu laut gewesen. Heute gönnt sich die ambitionierte Hobby-Leichtathletin eine Auszeit und sucht im Gebirge Abstand zum Berg von Arbeit, den sie zuletzt bewältigt hat. Und der auf Silvia Anzinger wartet. Denn nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Am 22. April 2012 ist es wieder so weit.
Schöne Veranstaltung, ich war zum 3. mal dabei.
Aber die Leistungen unserer regionalen Spitzenläufer werden nicht gewürdigt.
Durch die "eingeladenen" Afrikaner die die Preisgelder abräumen stehen unsere Super- Athleten neben dem Stockerl.
Im Rundfunk wurden Name wie Pfügl, Prüller, Pröll, Felhofer etc. nicht einmal erwähnt.
Wir müssen uns nicht mit Wien messen, dort nehmen die Weltklasseläufer von selbst teil und müssen nicht "zugekauft werden".
Wenn unsere regionalen Läufer auf den ersten Plätzen wären würden die Teilnehmer-und Zuschauerzahlen deutlich steigen.
Dr Winkler Wilhelm
Auch Wien muss die Spitzenläufer bezahlen! Ich vermute allerdings, dass der Linz-Marathon relativ wenig Antrittsgeld für die Kenianer ausgeben muss. Dh, es ist vermutlich günstiger (und einfacher) Kenianer für unter 2:10 zu engagieren, als Österreicher, die das Olympia-Limit erreichen. Unsere regionale Spitze ist halt einfach nicht groß genug und auch nicht schnell genug. Wäre aber interessant, wie dies Medien und Veranstalter sehen. OON? Tröbinger?
Am 22. April 2012 is der nächste Marathon. I werd' ma glei das besagte Wochenende fürs nächste Jahr vormerken und vorblockieren, damit ich am Freitag schon aus dem Großraum Linz flüchten kann! So wie heuer, daß i erst am Sonntag früh die Flucht antrete, mach' ich es nicht mehr, einmal und nie wieder!
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