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Sport  > Linz Marathon

Rollende Sanitäter als Zuschauer-Attraktion

LINZ. Mit 20 Kilometern pro Stunde gleiten sie durch die Zuschauermassen und behalten dabei immer den Überblick. Die OÖNachrichten haben den ersten Segway-Einsatz des Roten Kreuzes beim Kampf gegen kleine Wehwehchen und die Menschenmassen begleitet.

Auf den ersten Blick wirken die kuriosen neuen Einsatzfahrzeuge wie ein verspäteter Aprilscherz. Weit gefehlt, denn die kleinen wendigen Elektroroller ersetzen versuchsweise den Sanitäter hoch zu Ross, der bisher in großen Menschenmengen den Überblick behielt.

Schwierig ist es, zu Fuß mit dem technischen Pferdeersatz, Schritt zu halten. Nahezu lautlos bahnen sie sich ihren Weg, sogar über Gehsteigkanten. Mit graziler Wendigkeit nutzen sie jede noch so kleine Lücke, um an ihr Ziel zu gelangen. Damit sich die Helfer auch bemerkbar machen können, sitzt eine Fahrradklingel oben auf dem Lenker, und sollte die kleine schrille Glocke nicht genügen, ist auch ein Folgetonhorn installiert. „Wenn wir das Horn inmitten der Leute einschalten, ist uns die Aufmerksamkeit gewiss“, sagt Sanitäter Andreas Zenker lächelnd.

Das Funkgerät meldet sich. Der erste Einsatz des Tages. Noch in derselben Sekunde brausen die beiden Segways davon. Eine Dame ist gestürzt und hat sich den Knöchel verstaucht. Ihr kann mit einem kühlenden Verband schnell geholfen werden.

Die Aufmerksamkeit der Zuseher ist den Segways immer gewiss. Köpfe drehen sich, und Kinder zeigen mit ausgestreckten Fingern auf die Zweiräder. „Ihr seid ja modern unterwegs“, kommentiert ein holländischer Tourist belustigt in Richtung rollende Sanitäter.

„Mah, haben Sie vielleicht ein Blasenpflaster mit?“, fragt eine junge Frau etwas abseits des Trubels vor dem Café Traxelmayr. Schnell die Sanitäter-Tasche auf, Pflaster und Schere in die Hand, Patientin auf eine Bank gesetzt, und auch dieser Kleineinsatz ist nach nicht einmal zwei Minuten erfolgreich abgeschlossen.

Fotos im Sekundentakt

Sobald die skurrilen Zweiräder irgendwo halten, bilden sich kleine Menschentrauben, und Kameras klicken im Sekundentakt. „Inzwischen sind wir wohl in tausenden Familienalben abgebildet“, scherzt Schuster.

Das Segway-Team ist extra aus Wien angereist, um Oberösterreichs größtes Sportfest noch ein wenig sicherer zu machen. Wie gefällt den Wienern der Linz-Marathon? „Verglichen mit Wien ein sehr familiärer Marathon“, sagt Felix Schuster. Er und Zenker wurden in den vergangenen Monaten intensiv auf dem neuen Einsatzfahrzeug geschult. Beide sind von ihrem neuen Arbeitsgerät begeistert.

Wieder meldet sich der Funk. Ein Mann liegt angeblich leblos auf einer Bank am Taubenmarkt. Erneut ist das Einsatzteam nach Sekunden auf dem Weg. Wir hecheln im militärischen Stechschritt hinterher. Falscher Alarm. Ein Obdachloser schläft seinen Rausch mitten im Gedränge am Taubenmarkt aus. Er schläft zwar sehr tief, doch er ist gesund. „Das wäre ein Fall für die Polizei. Solange es ihm gut geht, greifen wir nicht ein“, sagt Zenker.

Die elektrischen Roller haben ihre erste Bewährungsprobe in Linz gut gemeistert. Einsatzleiter Clemens Kaltenberger: „Anfänglich war ich skeptisch, aber die Segways haben sich im Einsatz gut geschlagen und sie sind ein Hingucker.“

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 11. April 2011 - 00:04 Uhr
Philipp Hirsch
Bild vergrößern Rollende Sanitäter als Zuschauer-Attraktion Mit Hightech gegen kleine Wehwehchen

Das Segway-Team hat den Überblick am Marathon.  Bild: Weihbold

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