OÖN: Mir ist beim Besuch eines Damenspiels aufgefallen, dass kaum lamentiert wird. Sind Männer wehleidig?
Brugger: Frauen jedenfalls nicht. Manchmal wäre es sicher besser, wenn man sich fallen lässt. Teilweise sind wir Frauen da vielleicht ein bisserl zu ehrlich.
OÖN: Ist das die Vorgabe des Trainers?
Brugger: Der sagt, wir sollen uns ruhig öfter fallen lassen, damit wir einen Freistoß bekommen. Aber wir stehen lieber gleich auf und rennen weiter.
OÖN: Nervt Sie das taktische Geplänkel, wenn Sie ein Fußballspiel ansehen?
Brugger: Ich schaue mir im Fernsehen keine Spiele an. Weil mich das bis auf die WM nicht interessiert. Ich spiele nur selber gerne.
OÖN: Wie kamen Sie eigentlich zum Fußball?
Brugger: Wir haben neben dem Stadion gewohnt und vom Spielplatz herübergeschaut. Meine Mutter hat meinen Bruder angemeldet, ich wollte auch.
OÖN: Gegen wen spielen Sie lieber – Männer oder Frauen?
Brugger: Gegen Frauen. Als ich mit 15 die letzten Spiele bei den Burschen gemacht habe, waren mir die körperlich überlegen. Im Erwachsenenalter ist es unmöglich, gegen Männer zu spielen. Technisch gibt es aber keinen Unterschied.
OÖN: Frauen haben es in klassischen, männlichen Sportarten oft schwer, ernst genommen zu werden. Ärgert Sie das?
Brugger: Früher war es schlimmer. Da war es noch ein Wahnsinn, wenn ein Mädel dabei war. Inzwischen ist das besser. Auch wenn es noch die Alteingesessenen gibt – die ärgern mich schon. Ich will nicht zwischen Männern und Frauen vergleichen müssen.
OÖN: Wie gehen Sie mit Klischees um? Kann man irgendwann darüber lachen?
Brugger: Bislang habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich erzähle aber auch nur, dass ich Fußball spiele, wenn mich jemand danach fragt.
OÖN: Wurden Sie denn schon gefragt, ob Sie mit dem Coach nach dem Training duschen gehen?
Brugger: (lacht). Nein, aber ich bin schon einmal gefragt worden, was ich unter dem Dress anhabe.
OÖN: Wie oft haben Sie Männern schon das Abseits erklärt?
Brugger: Noch nie.
OÖN: Wetten doch; dem Schiedsrichter – stimmt’s?
Brugger: Das Abseits noch nie. Mit dem Schiri habe ich aber ab und zu Troubles. Wenn ich den anrede, dann brennt der Hut.
OÖN: Würden Sie gerne mehr Schiedsrichterinnen auf den Spielfeldern sehen?
Brugger: Ich finde das toll. Da könnten sich ruhig mehr Frauen trauen. Ich habe bisher keinen Unterschied bemerkt.
OÖN: Sie haben viele junge Mitspieler in Ihrem Team. Wie helfen Sie dem Nachwuchs auf dem Feld?
Brugger: Vieles passiert schon im Training, unser Trainer leistet tolle Arbeit. Am Feld unterstützen wir uns gegenseitig. Der Fehler der Nächsten wird einfach ausgebessert. Wir laufen füreinander, jede erwischt mal einen schlechten Tag. Da gibt es kein Schimpfen, keine Zickerei und auch keine Grüppchen.
OÖN: Morgen starten Sie mit den Ladies in die Saison. Welches Ziel hat sich Ihre Mannschaft gesteckt?
Brugger: In den ersten beiden Jahren haben wir gegen den Abstieg gespielt, heuer wollen wir uns im Mittelfeld der Tabelle festsetzen und uns von da aus nach oben orientieren.
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