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Wenn eine Task Force zur "Task Farce" wird

Der Salto rückwärts des ÖFB: Mit dem neuen Sportdirektor Peter Schöttel fällt man in alte Verhaltensmuster zurück.

Wenn eine Task Force zur "Task Farce" wird

Bundesliga-Präsident Hans Rinner mit ÖFB-Präsident Leo Windtner bei der Präsentation von Neo-Sportdirektor Peter Schöttel (v.l.) Bild: GEPA

Falls nach den Umständen zur Bestellung von Peter Schöttel zum Sportdirektor des Österreichischen Fußballbunds noch irgendjemand an ernstgemeinte "Task Forces", "Evaluierungen" und "Hearings" glaubt, dann ist er selbst schuld.

Die Art und Weise der Besetzung eines der wichtigsten Posten im österreichischen Fußball war nur der Anfang des neuen (und aus früheren Zeiten altbekannten) Windes, der künftig wieder im stärksten österreichischen Sportverband wehen wird. Schöttels Bestellung war der erste Schritt. Jener von Andreas Herzog zum Teamchef wird der nächste sein.

Ein erstes Beispiel gefällig? Der neue Sportdirektor war noch gar nicht offiziell im Amt, als er Samstag früh schon das erste Bewerbungsschreiben im Briefkasten hatte. Verfasst von Ex-Teamtorhüter Michael Konsel, erschienen in Kolumnenform in einer österreichischen Tageszeitung.

Er, Konsel, erhoffe sich schon stark, dass Schöttel im Gegensatz zu Vorgänger Willi Ruttensteiner auf ihn als Tormanntrainer in einem ÖFB-Nachwuchsnationalteam zurückgreifen werde. Den Grund, warum sich Ruttensteiner (tatsächlich) erfolgreich mit Händen und Füßen gegen eine Konsel-Verpflichtung gewehrt hatte, verschwieg er freilich. Konsel hat bis heute noch keine einzige Mannschaft trainiert. Und er hat es auch nicht der Mühe wert gefunden, so wie jeder andere österreichische Trainer die notwendige Trainerausbildung zu durchlaufen und Prüfungen abzulegen.

Aber wir sind ja beim österreichischen Nationalteam. Und von Schöttel wird ja – wie an diesem Beispiel gezeigt – ab sofort auch ganz offiziell erwartet, dass frühere Trainerstationen oder Qualifikationen nichts mehr zählen müssen. Der Österreichische Fußballbund als geschützte Werkstätte quasi – mit Peter Schöttel als Werkstättenleiter. Geht es nach dem neuen Kräfteverhältnis im ÖFB, dabei sind vor allem die Landespräsidenten des Ostflügels gemeint, dann ist er tatsächlich die perfekte Besetzung. Einer, der in den vergangenen fünf Jahren kaum Erfolg und vor allem kaum Jobs im Fußball hatte. Einer, der ewig dankbar sein muss, diesen Job bekommen zu haben.

Und vor allem einer, den man ganz leicht daran erinnern wird können, sobald die nächsten Personalentscheidungen anstehen. Das beginnt ganz oben beim Teamchef und endet weiter unten bei den "Konsels dieser Nation", die in den diversen Nachwuchs-Mannschaften versorgt werden müssen.

Ganz konnte sich auch Ruttensteiner in seiner Amtszeit nicht dagegen wehren. Es gab auch in seiner Zeit so manche Personalentscheidung, die nur in die Kategorie "Vitamin B" einzuordnen gewesen war. Aber er hat es ziemlich erfolgreich geschafft, die Interventionsversuche so gering wie möglich zu halten. Hier könnte jetzt einiges aufbrechen. Als Erstes wird Schöttel jetzt eine Liste mit zehn Teamchefkandidaten erstellen, die danach von einer Task Force abgearbeitet und dem ÖFB-Präsidium vorgelegt wird. Man wird sicher wieder genauso "intensiv" wie bei der Sportdirektorensuche im In- und Ausland selektieren. Und am Ende wird Andreas Herzog übrigbleiben.

Wien ist wieder auf Ballhöhe

ÖFB-Präsident Leo Windtner bemühte sich, die angeblich wiedergefundene Einigkeit unter den Landespräsidenten zu betonen. Es kann sogar wirklich leicht sein, dass jetzt weniger Querschüsse kommen. Wir haben es jetzt ja schwarz auf weiß, dass künftig wieder das gemacht wird, was aus Wien diktiert wird. Das hätte sich auch nicht geändert, wenn Windtner etwa zurückgetreten wäre. Der Ostflügel hätte dann einfach einen Mann aus den eigenen Reihen nominiert. Das Traurigste an dieser Farce ist, dass noch immer versucht wird, die Fußball-Anhänger für dumm zu verkaufen. Das macht den Vorstoß von Michael Konsel schon wieder sympathischer. Er sagt wenigstens offen und ehrlich, wie der Ball in Zukunft rollen wird.

Und um zumindest positiv abzuschließen: Österreichs Fußball verfügt über ein Nationalteam, das auch in Zukunft mit sportlichen Erfolgen sehr viel überdecken kann. Auch die Art und Weise, wie Personalentscheidungen im ÖFB künftig getroffen werden dürften.

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Artikel Harald Bartl 09. Oktober 2017 - 00:05 Uhr
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