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ÖFB trägt Trauer: Beppo Mauhart ist tot

Der ehemalige Präsident des Österreichischen Fußballbundes starb im Alter von 83 Jahren

Beppo Mauhart Bild: Evers

WIEN. Österreichs Fußball-Bund trauert um seinen Ehrenpräsidenten Beppo Mauhart. Von 1984 bis 2002 bestimmte der gebürtige Oberösterreicher über die Geschicke des ÖFB, reformierte und strukturierte den Verband um. Bei der Austria Tabak AG war Mauhart von 1988 bis 1995 Generaldirektor. Am Sonntag verstarb der "Vater" der EURO 2008 in Österreich/Schweiz mit 83 Jahren.

"Zu meiner Zeit ist der modernste Sportverband des Landes entstanden", betonte Mauhart anlässlich seines 75. Geburtstags stolz über seine Zeit an der Spitze des ÖFB. Mit mehr als 17 Jahren, neun Monaten und zehn Tagen an der Spitze war der einstige Germanistik- und Zeitungswissenschafts-Student der nach 1945 längstdienende Präsident des Verbandes.

Schaffung eines finanziell gesunden Fundaments

Unter seiner Führung von Juni 1984 bis April 2002 erfolgte im ÖFB die Schaffung eines finanziell gesunden Fundaments durch bessere Vermarktung. Außerdem wurde das Prater-Stadion mit einer Vollüberdachung versehen und im Oktober 1986 mit dem Länderspiel gegen Deutschland (4:1) neu eröffnet. Auf sportlicher Ebene fielen die zwei WM-Qualifikationen 1990 in Italien und 1998 in Frankreich in seine Amtszeit.

Bekanntheitsgrad, Auftreten und Hartnäckigkeit prädestinieren den stets perfekt gekleideten "Manager der alten Schule" zum Proponenten für Großprojekte. Mauhart ist der eigentliche Macher der EURO 2008, ein Projekt, das er trotz Rückschlägen hartnäckig weiterverfolgte und letztlich auch sein Nachfolger Friedrich Stickler mit dem Zuschlag im Dezember 2002 als Erfolg verbuchen durfte.

"Die EM war für mich die Krönung"

"Die EM in Österreich war für mich die Krönung, nachdem es zuvor mit Ungarn als Partner für 2004 nicht geklappt hatte", sagte Mauhart, der in seinem Nebenjob als ÖFB-Chef Verträge mit insgesamt acht Teamchefs abgeschlossen hatte und sich bei seinen Entscheidungen laut Mitarbeitern ungern dreinreden ließ. So soll Mauhart auch als Hauptgeldgeber der Wiener Austria ab 1977 (bis Juni 2004) viele Entscheidungen im Alleingang getroffen haben.

Kritiker warfen dem Vater eines Sohnes gelegentlich Arroganz vor. Beim Debakel um die schwer verschuldete Sportartikelgruppe Head-Tyrolia-Mares (HTM) ging sein Konzept nicht auf. Kurz nach dem Ankauf durch die damals staatliche Austria Tabak erwies sich HTM als Sanierungsfall, der die AT-Bilanzen in Milliardenhöhe belastete. Der Vorstand mit Mauhart trat zurück. In Summe kostete das HTM-Engagement die Republik 3,6 Milliarden Schilling - 262 Millionen Euro.

Ein gebürtiger Oberösterreicher

Der in Enns geborene Mauhart begann seine Berufslaufbahn als Angestellter in der oberösterreichischen Viehverwertungsgenossenschaft. Parallel dazu besuchte er die Arbeitermittelschule, maturierte und ging nach Wien. 1970 wurde er Pressesekretär von Finanzminister Hannes Androsch, mit dem er seit Studententagen befreundet ist.

Das war der Startschuss für einen steilen Aufstieg: 1972 wurde der eng mit der Sozialdemokratien verbundene Mauhart in den Aufsichtsrat der Austria Tabak berufen, 1979 wechselte er in den Vorstand. Eine Tätigkeit als Ministersekretär sei generell eine "gute Schule", sagte der "Tabakzar" später.

Als ÖFB-Boss trat er nach fünf Wiederwahlen nicht mehr an. Mauhart räumte nicht ganz freiwillig den Posten. Frank Stronach strebte das Amt an, nach einer Unterredung mit dem Austro-Kanadier verzichteten beide. Stickler wurde neuer Chef des Verbandes.

Stammplatz in Seitenblicke-Sendungen

Auch in der Pension wurde es um Mauhart nicht still. Der Kettenraucher hatte einen Stammplatz in Seitenblicke-Sendungen und Adabei-Kolumnen, war medial weiter präsent. Im Auftreten stets elegant, eloquent, belesen und kunstinteressiert - so zeigte sich der in Wien-Favoriten lebende Mauhart stets. Seiner Ausbildung blieb er mit der Veröffentlichung einer Reihe von Büchern, darunter "Das Winterpalais des Prinzen Eugen" oder "Staat, Steuern, Gesellschaft", treu.

"Beppo Mauhart hat seine Zeit wie kaum ein anderer geprägt"

Der amtierende ÖFB-Präsident Leo Windtner würdigte seinen Vorvorgänger: „Beppo Mauhart hat seine Zeit wie kaum ein anderer geprägt. Neben seinen großen Verdiensten um den österreichischen Fußball wird vor allem sein markantes Charisma unvergessen bleiben. Im ÖFB wird Beppo Mauhart als längstdienender Präsident immer einen Ehrenplatz einnehmen.“
 

Das war Josef "Beppo" Mauhart

Geboren: 14. September 1933 in Enns (OÖ)

Familienstand: verheiratet, ein Sohn

Wohnort: Wien-Favoriten

Ausbildung: ab 1952 Arbeiter-Mittelschule, Matura (1956), Studium an der Universität Wien (Germanistik/Zeitungswissenschaft)


Karriere: ab 1952: Angestellter der OÖ-Viehverwertungsgenossenschaft

           1956: Chefredakteur der "Neuen Generation"

           1963: Angestellter Freier Wirtschaftsverband und

                 Chefredakteur der Zeitung "Der Selbstständige in der

                 Wirtschaft"

           1970: Bundesministerium für Finanzen

           1972: Aufsichtsrat der Austria Tabakwerke AG (AT)

           1979: Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AT

           1984: Wahl zum ÖFB-Präsidenten

           1988: Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der AT

           1995: Niederlegung des Vorstandsmandates der AT

           1997: Aufsichtsrat der Salinen Austria

           2002: Ende der Amtszeit als ÖFB-Präsident

           seit 2002: ÖFB-Ehrenpräsident

           2006 bis 2008: Vizepräsident "2008 - Österreich am Ball"

Größte Erfolge in ÖFB-Präsidentschaft: WM-Teilnahmen 1990 und 1998

           Längstdienender ÖFB-Chef nach 1945

           Vorbereitung der Bewerbungen um EM-Endrunde 2004 (mit Ungarn als Partner gescheitert) und 2008 (mit Schweiz erfolgreich, bei Vergabe nicht mehr im Amt)

 

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Artikel nachrichten.at 08. Mai 2017 - 12:50 Uhr
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