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Von der ländlichen See-Idylle in die 22-Millionen-Metropole Peking

SEEHAM / PEKING. Ex-Teamspieler Richard Kitzbichler ist Co-Trainer von Roger Schmidt in Chinas Hauptstadt

Von der ländlichen See-Idylle in die 22-Millionen-Metropole Peking

Richard Kitzbichler zeigt Fotos von seiner aktuellen Wahlheimat Peking Bild: streif

Seeham am Obertrumer See im Bundesland Salzburg, weniger als zehn Kilometer von der Grenze zu Oberösterreich entfernt. 2000 Einwohner, darunter die Familie des Fußball-Ex-Nationalspielers Richard Kitzbichler. Für den 43-Jährigen, der als aktiver Kicker unter anderem für Red Bull Salzburg, Wacker Innsbruck, Austria Wien und den Hamburger SV auf dem Platz stand, ist seine Heimat seit Anfang Juli mehr als 7000 Kilometer entfernt.

Gemeinsam mit dem Ex-Salzburg- und Ex-Leverkusen-Trainer Roger Schmidt hat Kitzbichler als Co-Trainer die Herausforderung Chinese Super League angenommen. Beim Hauptstadt-Klub Beijing Sinobo Guan ist er in eine völlig andere Welt eingetaucht. Skyline der 22-Millionen-Stadt Peking statt Blick auf den Obertrumer See lautet sein Perspektivenwechsel.

Der Fußball im Reich der Mitte boomt, die Vereine investieren Millionen, vor allem in ausländische Starspieler und -trainer wie Felix Magath, Fabio Cannavaro oder Luis Felipe Scolari. Im Team von Kitzbichler heißen die Stars Renato Augusto, Nationalspieler Brasiliens, und der spanische Ex-Salzburg-Torjäger Jonatan Soriano, der für rund 15 Millionen Euro Ablöse von der Mozartstadt nach Peking wechselte.

Soriano trifft auch in China

Das Visier hat Soriano in Asien genauso gut eingestellt wie in Salzburg. 14 Tore erzielte Soriano für Sinobo Guan bereits in 16 Spielen. "Unser Verein hat sehr viele Fans. Im Schnitt kommen zirka 40.000 Zuschauer ins Stadion, wir hatten aber auch schon 60.000", sagt Kitzbichler bei einem kurzen Heimatbesuch.

Zweieinhalb Jahre läuft sein Vertrag in China. Seine Frau und die drei Kinder vermisse er natürlich. Als der Anruf von Roger Schmidt, mit dem Kitzbichler schon in Salzburg zusammengearbeitet hat, kam, habe er aber trotzdem nicht lange überlegen müssen. "Ich wäre damals schon fast mit Schmidt nach Leverkusen gegangen. Jetzt war die Zeit nach vielen schönen Jahren bei Salzburg reif, etwas Neues zu wagen", sagt Kitzbichler.

Melbourne und Peking

Für den ehemaligen Außenbahnspieler ist es nicht das erste Abenteuer auf der internationalen Fußballbühne. 2005 wechselte er von Austria Wien für ein halbes Jahr zum Verein Melbourne Victory nach Australien. In elf Spielen erzielte Kitzbichler fünf Tore. "Damals war vor allem der Reiz des Neuen für mich ausschlaggebend. Geld habe ich dabei aber nicht viel verdient. Peking ist jetzt neben einem gewissen Abenteuer-Effekt natürlich auch finanziell reizvoll", sagt der Co-Trainer von Roger Schmidt.

Top-Stars aus Europa

Das Niveau der Liga werde immer besser, erläutert Kitzbichler. "Vor allem die Top-Legionäre, die fast in jeder Mannschaft zu finden sind, könnten zu einem Großteil in fast jeder Top-Liga der Welt spielen." Pro Mannschaft sind nur drei ausländische Spieler zugelassen, umso höher sind die Ablösesummen, die für Stars bezahlt werden.

Auch die Gehälter dürften astronomisch sein. Anders sind Transfers wie jene von Oscar (26) vom FC Chelsea zu Shanghai SIPG um 60 Millionen Euro oder von Stürmer Hulk (31) von Zenit St. Petersburg um rund 55 Millionen (ebenfalls zu Shanghai) kaum zu erklären.

An der Seite der internationalen Superstars sollen chinesische Talente zu führenden Spielern der Liga und der Nationalmannschaft heranreifen.

Starkes Saisonfinish nötig

Für Schmidt und Kitzbichler geht es in den kommenden Wochen darum, das große Ziel, den Einzug in die AFC Champions League, zu erreichen. Dazu muss Beijing Guan wohl die sechs noch ausbleibenden Spiele gewinnen. Der Rückstand auf den dritten Platz beträgt derzeit fünf Punkte.

Kein Kulturschock für Kitzbichler im "Reich der Mitte"

Richard Kitzbichler bei einem Heimatbesuch in Seeham im Word-Rap mit den OÖNachrichten:

Kulturschock: Daran gewöhnt man sich schnell. Peking ist eine sehr moderne Stadt mit Kultur und Tradition. Dass es immer wieder mal Probleme mit der Luft gibt, habe ich vorher gewusst.

Medialer Rummel: Das Interesse der Medien ist riesig, aber in erster Linie rund um Roger Schmidt. Lesen kann ich die Zeitungsartikel nicht, mein Chinesisch ist nicht das beste (lacht).

Heimweh: Ich war noch nie so lange und weit weg von meiner Frau und den drei Kindern. Wir kommunizieren viel über Skype und WhatsApp, das macht es etwas einfacher. Der Plan ist aber, dass wir uns trotzdem sehr regelmäßig sehen werden. Meine Familie war auch schon zu Besuch bei mir in Peking. Den Kindern hat es gut gefallen. Ein Umzug der Familie ist derzeit aber noch nicht geplant.

Sportliche Ziele: Platz drei, also die Qualifikation für die Vorrunde der AFC Champions League. Sechs Runden vor Schluss beträgt der Rückstand fünf Punkte.

Bundesliga: Der LASK, der mit Oliver Glasner einen hervorragenden Trainer hat, ist sicher für eine große Überraschung gut. Favorit für den Meistertitel ist für mich, trotz des guten Starts von Sturm Graz, ganz klar Salzburg. Der SV Ried gönne ich mit Fränky Schiemer, den ich natürlich gut kenne, den Wiederaufstieg. Hoffentlich schafft auch Innsbruck endlich die Rückkehr in die Bundesliga.

Von der ländlichen See-Idylle in die 22-Millionen-Metropole Peking

Peking statt Seeham

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Artikel Thomas Streif 14. September 2017 - 00:04 Uhr
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