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Virtual Reality und Hirntraining: So funktioniert moderne Sportpsychologie

LINZ. Jan Mayer vom deutschen Bundesligaklub TSG Hoffenheim zeigt im OÖN-Gespräch neue Methoden im Spitzensport auf.

Jan Mayer macht Robert Zulj (li.) und Co. mental fit. Bild: gepa

Während hierzulande die Sportpsychologie gerne belächelt wird, stößt der internationale Profisport auf diesem Gebiet in neue Dimensionen vor. Zu den führenden Köpfen im deutschen Sprachraum zählt Jan Mayer (45), der seit zehn Jahren beim deutschen Bundesligaklub Hoffenheim arbeitet.

 

OÖNachrichten: Sie betreuen bei der TSG Hoffenheim unter anderem die drei Österreicher Robert Zulj, Florian Grillitsch und Stefan Posch. Wie sieht die Arbeit mit den Spielern aus?

Jan Mayer: Die Zusammenarbeit ist im Profi-Bereich flexibel. Der eine steht an, ein anderer ist verletzt – da geht es um Tagesaktuelles. Mit den Jungprofis arbeiten wir etwa an der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsschnelligkeit. Das geht PC-gestützt. Die kommen jede Woche, um 20 bis 30 Minuten lang ihre Gehirnfunktionen zu trainieren.

Wozu dient das?

Die durchschnittliche Ballkontaktzeit der deutschen Nationalmannschaft betrug 2006 noch 2,8 Sekunden. Mittlerweile ist es unter einer Sekunde. Das hat aber nicht nur mit den Beinen, sondern mit kognitiver Schnelligkeit zu tun.

Das verändert das klassische Bild vom Sportpsychologen.

Ja, das Bild vom Psychologen als Problemlöser ist überholt. Klar, wenn es Leistungsblockaden gibt, bin ich dafür auch da, aber in Wahrheit bin ich – wenn man so sagen will – komplett zuständig für die mentale Fitness.

Mit Peter Schröcksnadel hält einer der wichtigsten Sportfunktionäre nichts von Sportpsychologen. Deren Betreuung würden ohnehin nur durchschnittliche Athleten benötigen.

Das habe ich vor 20 Jahren in Deutschland auch gehört. Viele Untersuchungen zeigen jedoch, dass bei den physiologischen Leistungskomponenten international kaum noch Nuancen herrschen. Bleibt die Frage, ob diese zum entscheidenden Zeitpunkt auch abgerufen werden können. Und dafür gibt es Strategien.

Spielt die TSG Hoffenheim in der psychologischen Betreuung international in der ersten Liga oder gibt es mit Real Madrid, Chelsea und Paris noch eine Stufe drüber?

Es haben uns viele internationale Klubs besucht, um zu lernen. Darum denke ich, dass wir vorne dran sind. Ob wir führend sind, weiß ich nicht. Allerdings machen wir recht viele Dinge, die andere nicht machen, gerade was die Diagnostik angeht. Wir betreiben das seit Jahren und haben deshalb entsprechende Daten samt Normwerten, zu kognitiven Funktionen etwa.

Wo geht in diesem Bereich die Zukunft hin?

In der Psychologie, heißt es, geht es viel ums Reden – es wird aber immer messbarer, wodurch es nun eben um die Optimierung dieser Ergebnisse geht. Bei den Methoden denke ich, dass wir uns künftig sehr viel mit der virtuellen Realität beschäftigen, um bestimmten Wettkampfsituationen, die man nicht trainieren kann, noch näher zu kommen.

Heißt das konkret, dass dem Sportler eine Virtual-Reality-Brille aufgesetzt wird?

Richtig, allerdings haben wir noch Probleme mit Virtual Sickness, das heißt, dass Menschen mit der Brille schlecht werden kann. Da wird es entsprechende Lösungen geben. Zudem arbeiten wir derzeit an einer 360-Grad-Umgebung, in der ohne Brille bestimmte Situationen eingespielt werden.

Haben Zulj und Co. schon im virtuellen Raum trainiert?

Nein, wir haben da eine Regel: Mit den Profis machen wir es erst dann, wenn es gut funktioniert, das sind keine Versuchskaninchen.

 

 

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Artikel Reinhold Pühringer 05. Oktober 2017 - 08:10 Uhr
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