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Wie viel wissenschafliche Erkenntnis steckt im Fußball?

Wie viel wissenschafliche Erkenntnis steckt im Fußball?

Psychologie, Mathematik, Wirtschaft – Fußball beschäftigt etliche Wissenschaftszweige. Darauf blühen interessante und kuriose Wahrscheinlichkeiten.

11. Juni 2016 - 00:04 Uhr

Viel Zufall steckt im Fußballsport, das macht ihn so faszinierend. Nicht weniger interessant ist, wie sich Zufall und Fakten in Wahrscheinlichkeiten abbilden.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich Europameister wird?

Laut Achim Zeileis, Statistikprofessor an der Universität Innsbruck, wird Frankreich Europameister. Dafür spricht sein mit den Wiener Kollegen von der Wirtschaftsuniversität durchgerechnetes Buchmacher-Konsensum-Modell. Die Forscher verwendeten für ihre Simulation Quoten von 19 Onlinewettanbietern und diverse statistische Rechenmodelle. Die größte Wahrscheinlichkeit auf den Turniersieg hat demnach Frankreich (21,5 Prozent), dicht gefolgt von Deutschland (20,1 %), dann Spanien (13,7 %). Österreich hat laut dieser Hochrechnung eine gute Chance, das Viertelfinale zu erreichen. Die Chancen auf den Europameister liegen aber bei bescheidenen 2,3 Prozent. Statistiker Zeileis, dessen Prognosemodell sich bei den vergangenen beiden Europameisterschaften gut geschlagen hat, betont: "Wir können nur Wahrscheinlichkeiten liefern, garantiert keine Gewissheiten."

Inwieweit ist der Erfolg beim Turnier eine Sache des Kopfes?

Über Sieg und Niederlage entscheidet neben Kondition, Technik und Taktik auch die Stimmung in der Mannschaft. Durch einen Heimvorteil etwa ist die Stimmung hebbar, das Publikum wird zu Recht zum 12. Mann. Innerhalb der Mannschaft muss aber nicht jeder Freund des anderen sein. Für den Erfolg ist es wichtiger, dass in der Mannschaft ein "aufgabenbezogener Zusammenhalt" besteht, wie Gruppenforscher sagen. Der stellt sich ein, wenn sich alle Spieler auf ein gemeinsames Wettbewerbsziel konzentrieren. Team-Psychologen haben deshalb die Aufgabe, den Spielern klarzumachen, dass es ihm persönlich besser geht, wenn er für die Mannschaft funktioniert, statt sich selbst in den Vordergrund zu spielen. So mancher Sportwissenschafter meint, dass selbst aus superfiten Mannschaften ein Leistungsplus von 15 Prozent herauszuholen sei, würde Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Kreativität, Spielintelligenz und Gedächtnis vermehrt trainiert.

Wie entscheidend kann der Schiedsrichter sein?

Sie nennen sich unparteiisch und sind es doch nicht. Forscher aus Frankfurt und Marburg lieferten die empirische Evidenz, dass Schiedsrichter starke Mannschaften bevorzugen. Etwa im Fall von zu Unrecht verweigerten Elfmetern. Die Wahrscheinlichkeit, einen gerechtfertigten Elfer nicht zu bekommen, ist für das schwächere Team um 40 Prozent höher als für das dominierende Team. Zudem werden Heimmannschaften vom Mann in Schwarz eher bevorzugt. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass gegen Spieler in schwarzen Dressen eher gepfiffen wird als gegen andersfarbige. Ihnen trauen die Schieris offensichtlich eher Aggressionen zu, besagt eine Psychologenstudie. Ähnliches gilt für überdurchschnittlich große Spieler.

Am Schluss entscheidet doch wieder ein Elferschießen, und das ist Zufall, oder?

Nicht ganz. Obwohl Fußball als solches das Spiel mit den meisten Überraschungen ist – die vermeintlich Unterlegenen gewinnen zu 45 Prozent –, gibt es doch statistische Sicherheiten. So fallen 40 Prozent der Tore aus zufälligen Situationen. Alles ist möglich, und der Kasten ist klein – das macht das Spiel so interessant. Gerade beim Elfmeterschießen weiß man nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern auch wissenschaftlich belegt, dass Engländer das nicht so gut können. Generell und rein rechnerisch landen drei von vier Elfern im Eckigen. Dabei ist es irrelevant, ob der Schütze ident ist mit dem Gefoulten. Wichtig für den Elfertreter ist, nach dem Freigabepfiff des Schiedsrichters nicht sofort zu schießen. Zumindest eine Sekunde zu warten, erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit um 20 Prozentpunkte.

Und der Goalie hat gar kein Leiberl?

Der stellt sich beim Elfer nicht genau in die Mitte des Tors und hechtet in die lange Ecke schon vor dem Moment, da der Ball losfliegt. Das erhöht Sportpsychologen und Statistikern zufolge die Chance, die Handschuhe ans Leder zu bekommen. Übrigens trifft die Kugel auf die Hände des Torwarts mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 83 km/h, was sich anfühlt, als würde man gegen einen 70 Kilo schweren Zementsack klatschen. Nicht nur deshalb sollte man nett sein zum Goalie seines Vertrauens. Laut St. George’s Hospital Medical School London haben Torhüter die wenigsten Geschwister (1,1 im Durchschnitt, Stürmer: 2,2). Kinder aus größeren Familien können öfter die Positionen wechseln, auf Einzelkinder schießt immer der Papa.

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