OÖN: Herr Stranzl, Marcel Koller hat Sie im Borussia Park besucht. Bei dem Gespräch ging es doch sicher um einen Rücktritt von Ihrem Rücktritt, oder?
Stranzl: Ja, er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, wieder für Österreich zu spielen. Wir haben uns in einer guten Atmosphäre ausgetauscht, aber ich habe ihm erklärt, dass ich nicht mehr zur Verfügung stehe.
OÖN: Was sind die Gründe?
Stranzl: Der Vertrag bei Borussia Mönchengladbach läuft noch bis 2013. Danach werde ich meine Karriere beenden. Unsere Planung sieht vor, dann nach Österreich zurückzukehren. Eines meiner Kinder kommt in den Kindergarten, das andere in die Schule – und beides soll in meiner Heimat im Burgenland passieren.
OÖN: Aber 2013 sind Sie ja erst 33 Jahre alt. Überlegen Sie, bei einem österreichischen Klub weiterzumachen?
Stranzl: Nein, 2013 ist definitiv Schluss. Ich kenne die Entwicklung des Fußballs und ich kenne meinen Körper. Vor diesem Hintergrund macht es also auch keinen Sinn, eine Qualifikation für ein Turnier zu spielen, bei dem ich auf keinen Fall mehr dabei wäre.
OÖN: Kann Österreich die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien denn überhaupt schaffen?
Stranzl: Ich wünsche Marcel Koller, dass er es packt. Er ist ein netter, sympathischer und geradliniger Mensch.
OÖN: Dessen Verpflichtung aber von sehr viel Kritik begleitet wurde...
Stranzl: Ja, das habe ich auch mitbekommen und kann darüber nur den Kopf schütteln. Es ist eine richtige Unart geworden, jemanden zu beurteilen, bevor er er Arbeit unter Beweis gestellt hat. Das ist der absolut falsche Weg, zumal Koller die Sprache der Spieler spricht. Jeder Trainer hat seine eigenen Gedanken und Vorstellungen, also sollte ihm auch Zeit eingeräumt werden. Am Ende gibt ihm dann der Erfolg recht – oder eben auch nicht recht.
OÖN: Seit rund 20 Jahren passiert dem österreichischen Fußball eher letzteres. Warum?
Stranzl: Das lässt sich ziemlich gut an meiner Karriere erklären, denn ich bin in einer Generation groß geworden, in der es nicht mehr lief. Wir haben damals Junioren-Länderspiele gegen Frankreich und Deutschland mit 0:6 und 1:5 verloren. Da habe ich mich natürlich gefragt, ob in diesen Nationen besser gearbeitet wird, und bin schon mit 17 nach München gegangen. Wofür ich viel Kritik einstecken musste, aber ich habe tatsächlich festgestellt, dass dort bessere Jugend-Konzepte existieren und im Training ein höheres Tempo vorherrscht.
OÖN: Und was war in Österreich?
Stranzl: Da haben sie falsch geplant. Die Vereine haben damals mit viel Geld versucht, Ausländer zu holen, und ihre eigenen Talente dabei vergessen. Und die, die noch gespielt haben, waren mit ihrem Status zufrieden, anstatt sich zu trauen, im Ausland einen Schritt zur weiteren Entwicklung zu machen.
OÖN: Nun aber scheinen viele Ihrem Vorbild zu folgen. Sebastian Prödl, Marko Arnautovic und Martin Harnik sind nur drei Beispiele, die in der deutschen Bundesliga auf sich aufmerksam machen.
Stranzl: Martin hat eine super Entwicklung genommen, Sebastian hat leider eine lange Verletzungspause etwas ausgebremst, aber er hat Potenzial und auch die nötige Fähigkeit zur Selbstkritik. Und über Marko müssen wir nicht diskutieren. Er ist genial. Österreich ist zumindest wieder auf einem guten Weg.
OÖN: Die EURO 2012 wurde dennoch verpasst.
Stranzl: Weil Entwicklung im Leistungssport eben nicht so schnell geht. Das braucht seine Zeit. Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden, und Marcel Koller muss nun versuchen, es ins Gleichgewicht bringen.
OÖN: Wäre es denn unter diesen Voraussetzungen und der schweren Quali-Gruppe mit Deutschland, Schweden und Irland nicht besser gewesen, die Planung unter einem österreichischen Trainer, wie zum Beispiel Andreas Herzog, gleich auf die EM 2016 auszurichten?
Stranzl: Einmal abgesehen davon, dass Andi Herzog, mit dem ich noch zusammen gespielt habe, ein tolles Vorbild und ein Top-Trainer ist, erachte ich das nicht als sinnvoll. An der WM-Quali für 2014 einfach nur so teilzunehmen, können Sie doch keinem Sponsor verkaufen. Wir haben jetzt wieder genug ordentliche Spieler, und daher muss das Ziel sein, nach Brasilien zu fahren. Sonst brauchen wir gar nicht erst an den Start zu gehen.
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