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Fünf Gründe, warum Red Bull im Fußball keine Flügel verleiht

SALZBURG. Es ist die größte Blamage für Österreichs Fußball seit der 0:1-Niederlage der Nationalmannschaft gegen die Färöer 1990. Die Halbprofis von Luxemburgs Meister Düdelingen kickten Red Bull Salzburg aus der Champions League.

Ein peinlicher Ausrutscher, der nicht ohne Grund passierte. Denn Fußball folgt anderen Gesetzmäßigkeiten als die erfolgreichen Red-Bull-Projekte in der Formel 1 und im Extremsport.

1 Die Trainerwechsel: In sieben Jahren im Zeichen der Dose bastelt mit Roger Schmidt der sechste Trainer. Und jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Dass dann in den Qualifikationsspielen zu Beginn der Saison ein Rad nicht in das andere greift, ist kein Wunder. Das Gleiche gilt für RB Leipzig: Mit einem fast zweitligatauglichen Kader geht der Bruderklub mit dem dritten Trainer in die dritte Saison in Deutschlands vierter Liga. Real Madrid funktionierte auch erst in der zweiten Saison unter José Mourinho meisterhaft, ebenso Manchester City unter Roberto Mancini.

2 Die Spielerwechsel: Jeden Sommer wird der Kader wild umgekrempelt, weil jedem neuen Trainer die Wünsche erfüllt werden. Wie sollen bei dieser Fluktuation Teamgeist und Automatismen entstehen? Einher damit geht der Philosophienwechsel: Defensiv, offensiv, erfahrene Legionäre, junge Ausländer, gestandene Bundesligaspieler, talentierte Österreicher – alles war in Salzburg schon gefragt, aber nie lange das Gleiche. Ivica Osim zeigte es mit Sturm Graz vor: Als er 1994 die Steirer übernahm, baute er um Ivica Vastic, Markus Schopp, Günther Neukirchner, Gilbert Prilasnig und Mario Haas ein Team, das bis 2000/01 nur punktuell verstärkt in die zweite Gruppenphase der Champions League stürmte. Als dann viel Geld da war, investierte Präsident Hannes Kartnig in Legionäre – und es ging bergab.

3 Die Legionäre: Fußball ist nicht Formel 1: Dort holte Red Bull die weltbesten Ingenieure und die besten Fahrer – und fuhr schnell der Konkurrenz davon. Doch welche Spieler bekommt Salzburg? Nur solche, für die es in Top-Ligen aus verschiedenen Gründen nicht (mehr) reicht. Diese vermitteln dann oft das Gefühl, als ob sie Österreichs Bundesliga als unter ihrem Niveau ansehen – lustlose Auftritte sind die Konsequenz. In den entscheidenden Partien können diese Spieler dann den Schalter nicht umlegen. Nur Amedeo Carboni und Somen Tchoyi nutzten Salzburg als Sprungbrett.

4 Die Komfortzone: Wie einst Bayern München verpflichtet Salzburg die besten Spieler der Konkurrenz – aber nur dann, wenn sie (noch) nicht gut genug für einen Transfer in eine Topliga sind. Diese Spieler der zweiten Kategorie machen es sich in der Bullen-Komfortzone bequem: Die Gehälter sind die besten in Österreich, der Titel ist fast sicher, und Red Bull veranstaltet Rummel um seine Stars. Jeder von Red Bull unterstützte Extremsportler nimmt die Flügel als Ansporn für immer neue Höchstleistungen, um unter dem Dach des Imperiums bleiben zu können. Die Fußballer werden in Salzburg satt. Welcher Österreicher außer Marc Janko hat bei Salzburg einen Qualitätssprung gemacht?

5 Der Nachwuchs: Red Bull investiert Millionen, um eigene Stars zu produzieren. In Salzburg, in Leipzig, in Brasilien und in Ghana betreibt der Konzern Akademien – der Output ist bisher gleich null. In Österreich leistet sich Red Bull die Satellitenklubs Pasching und Liefering, weil die Talente in Salzburg keine Chance bekommen. Der Weiterentwicklung dient das nicht, wenn sie nur auf Regionalliganiveau gefordert werden.

 

Red Bull in Salzburg

2005 Die Übernahme: Red-Bull-Boss Mateschitz übernimmt den maroden Vorgängerklub Austria Salzburg. Der Einstieg ist perfekt gewählt: Die WM 2006 in Deutschland und die EM 2008 in Österreich und der Schweiz versprechen Euphorie.

2005/2006 Jara: Jara wird erster Trainer, mit Routiniers wie Zickler, Linke und Lokvenc reicht es nur zum Vizemeistertitel.

2006/2008 Trapattoni: Der italienische Startrainer übernimmt und holt mit Defensive auf Anhieb den Meistertitel. In der zweiten Saison bleibt nur der zweite Platz. In der Champions-League-Qualifikation sind die Hürden Valencia und Schachtjor Donezk jeweils zu hoch.

2008/2009 Adriaanse: Mit Offensivspektakel und Torjäger Janko stürmt Salzburg zum Meistertitel.

2009/2011 Stevens: Der Niederländer setzt wieder auf Defensive und holt damit den Meistertitel. In der Europa-League gewinnt Salzburg die Gruppenphase. In der zweiten Saison scheidet Salzburg in der Champions-League-Qualifikation gegen Hapoel Tel Aviv aus.

2011/2012 Moniz: Moniz löst Stevens neun Runden vor Schluss ab. Salzburg wird Vizemeister und kommt in der Europa-League ins Sechzehntelfinale. 2011/12 holt Moniz das Double – und tritt in der Vorbereitung zurück.

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1
anziger grund: zuviel geld verdirbt den charakter! · von chilipepper (6019) · 26.07.2012 10:43 Uhr
2
Danke, herr Mayrhofer, für diesen guten Artikel! · von Truchsess1 (691) · 26.07.2012 15:42 Uhr

...dem ist wirklich nichts mehr hinzuzufügen und Sie sprechen das aus, was viele denken: Red Bull Salzburg, das "Gut Aiderbichl" des deutschen Fußballs!

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3
es funktioniert........... · von meisteral (631) · 26.07.2012 10:39 Uhr

auch im Eishockey nicht.
Das sollte doch eine Lehre sein. Oder eher Leere?

(0)
Artikel 26. Juli 2012 - 00:04 Uhr
Günther Mayrhofer
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Sitzenbleiber: Andreas Ulmer versteht die Welt nicht mehr.  Bild: GEPA

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