Lange deutete gestern alles auf einen Sieg von Felipe Massa hin. Es wäre sein erster seit seinem Heimrennen am 2. November 2008 in Interlagos gewesen. Und der schöne Abschluss einer schlimmen Geschichte: Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde Massa von einer Stahlfeder von Rubens Barrichellos Brawn-Boliden am Helm getroffen und dabei schwer verletzt.
Doch dann kam in Runde 49 die Szene, die die Gemüter erhitzte: Massas Renn-Ingenieur Rob Smedley meldete sich über Bordfunk beim Brasilianer: „Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du das verstanden hast?“ Zähneknirschend hatte Massa die Anweisung verstanden und ließ Alonso, der in der WM besser platziert ist, überholen. Alonso hatte keine Schwierigkeiten mehr die 25 Punkte für seinen zweiten Saison-Sieg einzufahren. Massa, der sich über den zweiten Platz und die Teamorder nur schwer freuen konnte, blieb vor Sebastian Vettel.
Der Ärger im Fahrerlager über das Manöver war unüberhörbar. Red-Bull-Teamchef Christian Horner: „Es war eine klare Teamorder, das ist verboten. Die FIA muss sich damit beschäftigen.“ Das tat sie nach dem Rennen auch. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali wurde zu den Rennstewarts beordert. „Es war keine Stallorder.“ Die FIA entschloss sich trotzdem zu einer ersten Handlung, weil Stallorder seit dem Jahr 2002 verboten sind. Die 100.000 Dollar Geldstrafe (77.500 Euro), die Ferrari dafür kassierte, zahlt das Team aus der Portokassa. Der Fall wird aber auch noch vom Motorsport-Weltrat behandelt. FIA-Chef ist pikanter Weise mittlerweile Jean Todt. Der Franzose hatte als damaliger Ferrari-Teamchef den Stein ins Rollen gebracht, als er 2002 beim Österreich-GP in Spielberg Rubens Barrichello per Boxenfunk befahl: „Let Michael (Schumacher) pass for the Championship.“
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