Am Ende der Boxenausfahrt am Hockenheimring stand gestern Nachmittag wie bei jedem Formel-1-Grand-Prix ein silberfarbener Mercedes AMG SLS. Dass sich 571 Pferdestärken danach sehnen, sich auf einer Rennstrecke auszutoben, ist bei dieser Kraft nachvollziehbar. Nur jener Mann, der das Gefährt unter Kontrolle hat, wehrt sich gerne dagegen, auf die Rennstrecke einzubiegen. Bernd Mayländer ist seit zehn Jahren der Safety-Car-Fahrer. Wenn er und sein starkes Arbeitsgerät zum Einsatz kommen, dann hat es gekracht. Eine Situation, die der Ex-Rennfahrer nicht gerne hat. Wie in Indianapolis 2004, als Ralf Schumacher in die Mauer gekracht war und minutenlang ohne Bewusstsein in seinem BMW auf der Strecke lag. „Als erstes versucht man zu sehen, ob es dem Piloten gut geht. Alles andere ist dann nicht mehr so schlimm“, sagt Mayländer.
2007 in Montreal wusste er lange nicht um den Gesundheitszustand von Robert Kubica, der mit seinem Boliden bei Höchstgeschwindigkeit in die Begrenzung schoss. Der havarierte BMW-Sauber blieb auf der Seite liegen, von Kubica gab es kein Lebenszeichen. „Das war mein schlimmster Fall. Ich war noch nie so nahe an einem Unfall dran.“ Auch in diesem Fall kam über Funk die Anweisung: „Safety Car deploy“, der Befehl für Mayländer loszufahren, um das Feld hinter sich aufzufädeln. So kam der 39-Jährige, der in seiner aktiven Karriere in der deutschen Tourenwagen-Meisterschaft und unter anderem bei den 24 Stunden von Le Mans am Start war, auf viele Führungskilometer in der Königsklasse des Motorsports. „So viele wie bei Michael Schumacher sind es aber zum Glück noch nicht“, sagt Mayländer lächelnd. Solange wie der siebenfache Weltmeister ist er auch noch nicht dabei. (mad)
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