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Rennrad-Hauptstadt Wels

Im Sattel eines Rennrades lassen sich Wels und sein Umland völlig neu entdecken. Bild: Tourismus

Rennrad-Hauptstadt Wels

Die ehrwürdige Messestadt am Unterlauf der Traun hat sich still und heimlich zu einem Dorado für flotte Biker gemausert.

Von Von Edmund Brandner, 26. August 2017 - 00:04 Uhr

Aus oberösterreichischer Sicht verbindet man mit Wels nicht unbedingt eine Urlaubsdestination. Eher schon eine Einkaufs- und Messestadt mit idealer Verkehrsanbindung und historischem Stadtkern.

Doch still und heimlich haben die Welser eine touristische Nische erobert: Die 60.000-Einwohner-Stadt am Unterlauf der Traun mauserte sich zum Rennrad-Eldorado. Zu einem Geheimtipp für bunt gekleidete Ausdauersportler, die auf schmalen Reifen Kilometer fressen und dabei mehr Kalorien verheizen, als Power-Riegel sie wieder hergeben.

Treffpunkt der Rennrad-Elite

Im Nachhinein gesehen konnten die Welser gar nicht anders, denn eigentlich war ja alles schon da. Mit alljährlichen Großveranstaltungen wie dem Welser Innenstadtkriterium oder dem Kirschblütenrennen besetzt die Stadt seit Jahren Fixplätze im österreichischen Rennradkalender. Auch die internationale Oberösterreich-Rundfahrt kommt an Wels nicht vorbei. In den Welser Fahrradwerkstätten kennen die Mechaniker jede Ultegra-Einstellschraube beim Vornamen. Und mit dem Profi-Radteam Simplon Felbermayr Wels besitzt die Stadt außerdem Österreichs prominentestes Profiradteam, das als drittstärkstes Continental-Team bei der Europe Tour 2017 am Start war.

Kein Wunder, dass der Tourismus jetzt Nägel mit Köpfen macht. Mehrere namhafte Hotels passten sich bereits den Bedürfnissen von Bike-Urlaubern an. Im Hotel Maxlhaid, im Hotel Hauser oder im Bayrischen Hof gibt es nicht nur spezielles Sportlerfrühstück, sondern auch Fahrradkeller mit Werkzeug, damit die Sprinter am Feierabend ihre Carbon-Flitzer auf die nächste Tour vorbereiten können.

Auch Österreichs wohl berühmtester Extrembiker ist auf den verkehrsarmen Nebenstraßen rund um Wels fast jeden Tag zu sehen. Weil er hier lebt. Wolfgang Fasching nahm acht Mal am Race Across America teil. Drei Mal gewann er es, einmal davon in Rekordzeit. Berühmt wurde er 1998, als er die 4733 Kilometer lange Distanz trotz eines gebrochenen Schlüsselbeins als Zweitbester beendete. Der Mann, der über 12- und 24-Stunden-Distanzen Weltrekorde aufstellte und zuletzt die 10.000 Kilometer lange Strecke von Wladiwostok nach St. Petersburg in weniger als 22 Tagen hinter sich brachte, trainiert vor den Toren der Stadt Wels seine Grundkondition.

"Vier- bis fünfmal pro Woche sitze ich auf dem Bike und fahre zwischen 120 und 150 Kilometer", sagt der 50-Jährige. "Ich lasse es mittlerweile aber ein wenig ruhiger angehen. Das Schöne am Radfahren ist ja, dass man es in jeder Phase des Lebens anders erlebt. Früher war ich ganz auf Leistung fokussiert. Heute habe ich auch Augen für die Natur."

Rennrad-Hauptstadt Wels
Wolfgang Fasching, Extremsportler aus Neukirchen bei Lambach  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Der Extremradfahrer schwärmt von der Landschaft, die Wels umgibt. Die Stadt liegt in der Mitte Oberösterreichs. Von hier aus haben Rennradfahrer Zugriff auf das gesamte Bundesland – und jede Richtung lohnt sich. Im Norden das raue, hügelige Mühlviertel mit dem ehemaligen Eisernen Vorhang an der tschechischen Grenze. Im Osten das Grenzland zu Niederösterreich. Im Süden Alpentäler und kristallklare Seen am Fuß von Zweitausendern. Und im Westen das flache Innviertel an der Grenze zu Bayern.

"Was Oberösterreich so reizvoll macht, sind die vielfältigen Landschaftsprofile", sagt Fasching. "In anderen Gegenden Österreichs bist du praktisch zum Passfahren gezwungen. Rund um Wels ist es dagegen anfangs flach – aber danach habe ich alle Möglichkeiten: Ich kann gemütliche Touren im Flachland wählen, ich kann mir aber auch knackige Pässe aussuchen."

Wolfgang Faschings Top-Routen

Der Extremsportler hat uns seine zwei Lieblingsrouten verraten: Die "Tour durch den Hausruck" führt von Wels in die Hügellandschaft von Ampflwang und zurück. "Das Panorama dort oben ist ein Wahnsinn", schwärmt Fasching. "An föhnigen Tagen siehst du bis zum Dachstein."

Die "Atterseetour" führt an die oberösterreichische Côte d’Azur zum türkisgrünen Salzkammergut-See, wo Schöne, Reiche und Prominente wie Ex-Skistar Hermann Maier zurückgezogen in herrschaftlichen Villen leben. Die Anfahrt ist allerdings herausfordernd: Die Route zum Attersee beinhaltet eine schweißtreibende Bergwertung mit zwölfprozentiger Steigung über die Großalm.

Beide Touren lassen sich im Internet herunterladen (siehe unten), wo alle Daten perfekt aufbereitet sind. Das schweißtreibende Treten nimmt einem jedoch keiner ab. Dafür gibt es in und um Wels jede Menge gemütlicher Wirtshäuser und Mostheurige, die zum Verschnaufen einladen.

14 Traumrouten
Von Wels aus haben Rennradfahrer ganz Oberösterreich im Griff.

14 Traumrouten

Rennradfahrer haben von Wels aus ganz Oberösterreich im Griff. Von der Stadt aus ist die tschechische Grenze in Tagestouren ebenso erreichbar wie der Almsee am Fuß des Toten Gebirges. Die Biker können Schleifen bis zur bayerischen Grenze am Inn ziehen oder über die Hügel des Alpenvorlandes in die alte Eisenstadt Steyr hineinrollen.

Die 14 schönsten Routen von Wels aus bietet der Tourismusverband zum Download auf seiner Website an. Es handelt sich um klug angelegte Strecken auf wenig befahrenen Nebenrouten, die von Profis erstellt wurden und sorgfältig dokumentiert nur darauf warten, von Hobbysportlern auf schmalen Reifen nachgefahren zu werden.
Das Programm reicht von der 36 Kilometer kurzen After-Work-Runde vor den Toren der Stadt bis zur 170-Kilometer-Tour hinauf in die einsamen Hügel des Mühlviertels.

Alle Toureninformationen mit Kartenmaterial, Einkehrtipps und Daten-Download fürs Navigationsgerät finden sich auf www.wels.at/welsmarketing/rennradregion-wels.html

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