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Merlins Zauberwald

Auch bei Hunden gern gesehen: die tausendjährige Eiche, die außerhalb des Ortes Concorent steht. Bild: Woitsch

Merlins Zauberwald

Brocéliande – eine bretonische Reise zu mystischen Kultstätten für Keltenfans.

Von Claudia Woitsch, 23. Dezember 2017 - 00:04 Uhr

Die Ritter der Tafelrunde, König Artus, Zauberer Merlin und die Feen: Es ist förmlich zu spüren, wie ihre Geister im aufsteigenden Nebel durch den Wald streifen. Die Briten machen der Bretagne ja den Ort, wo der Zauberer Merlin begraben sein soll, streitig und umgekehrt. Auf welcher Seite des Kanals er auch immer gewirkt haben mag, Brocéliande, wie der größte Wald der Bretagne bei Paimpont genannt wird, verzaubert auch ohne Sage durch seine bemoosten Steine, die dichten Baumkronen, die üppigen Farne und das Heidekraut. Die Sonne dringt lediglich mit hauchdünnen Strahlen durch das Dickicht, und kaum einer von ihnen erreicht den feuchten Waldboden.

Der Wald ist riesig und ein Paradies für Menschen mit Hund. Doch zu Fuß sind die druidischen Glanzlichter an einem Tag nicht zu schaffen. Entweder man nimmt ein Fahrrad zu Hilfe oder fährt gleich mit dem Auto.

König Artus und sein Schwert

Wenn Sie sich von Westen der Gegend nähern, könnten Sie beim Schloss in Trécesson beginnen – ein traumhaftes Château, direkt am Wasser gebaut. Dort zog König Artus der Sage nach das Schwert Excalibur aus dem Fels. Die Gegend bietet sich auch an, um dort gleich eine erste Hunderunde zu drehen. Im Herbst sind die Wälder rund um das Schloss in strahlende Farben getaucht. Dann geht es weiter nach Tréhorenteuc. Ein Pflichtstopp für alle Druiden des 21. Jahrhunderts. Dort steht L‘église du Graal, die Gralskirche. Das Fundament der Kapelle stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Rest ist zwischen 1942 und 1962 entstanden, gebaut nach den eigenwilligen Vorstellungen des Priesters Henri Gillard. Das Interieur der Gralskirche ist ganz der Artussage gewidmet. Sogar die bunten Kirchenfenster sind nach der Gralslegende gestaltet.

Merlins Zauberwald
Beim Schloss Trécesson soll König Artus das Schwert Excalibur aus dem Fels gezogen haben.  
Bild: Woitsch

Wieder hinein ins Auto und ein Stück weiter gefahren, zum nächsten Höhepunkt der Sagenreise: das Tal ohne Wiederkehr, "Le val sans retour". Das Tal ist für Frauen ohne Furcht zu durchwandern. Nicht so für Männer: Die Fee Morgane hält dort ihre Liebhaber gefangen. Angeblich verirren sich auch Menschen mit einem guten Orientierungssinn während des Spaziergangs durch den Wald. Ausgangspunkt ist der "Goldene Baum". Damit sind Äste gemeint, die, golden gefärbt, die Form eines Hirschgeweihs haben. Sie erinnern an einen tagelang wütenden, verheerenden Brand.

Verzaubert wirkende Seen

Auf dem Weg durch das Tal bekommt man stellenweise nasse Füße. Der Weg ist zugleich der Bachlauf, und wer da oder dort zu zögerlich von Stein zu Stein springt, landet im Wasser. Am Ende des zweieinhalb Kilometer langen Spaziergangs finden Sie eine Megalith-Anlage, die den Namen "L‘hôtié de Viviane" trägt. In Brocéliande gibt es einige verzaubert wirkende Seen. Welcher davon jetzt den gläsernen Palast birgt, in dem Viviane den jungen Lancelot großgezogen haben soll, bleibt unklar.

Merlin hat seine Viviane an der Quelle von Barenton kennengelernt. Diese liegt auf dem Weg zur majestätischen tausendjährigen Eiche. Sie steht außerhalb des Ortes Concoret. Ein rotes Dorf: Die Häuser des Ortskerns samt Kirche sind aus dunkelroten Steinen erbaut. Das Château Comper, Schloss der Fee Viviane, lässt erschaudern.

Zum einen wegen der finsteren Gemäuer, zum anderen wegen der gruseligen Artussagen-Ausstellung im Inneren. Die ist nur etwas für eingefleischte Fans mit Hang zum Kitsch. Alle anderen können sich das Eintrittsgeld sparen.

Merlins Zauberwald
Die Tafel weist den Weg zu Merlins Grab  
Bild: Woitsch

Gut auf Artus und die Gralslegende eingestimmt, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, Merlins Grab zu besuchen: "Le tombeau de Merlin" bei Saint Malon. Des Zauberers Überreste sollen sich verborgen unter einem neolithischen Dolmengang befinden. Das Grab erinnert eher an einen Komposthaufen. Tausende Besucher im Jahr binden aus Zweigen, Ginster und sonst noch allerlei, was sie auf dem Waldboden finden, kleine und größere Büschel und legen diese auf das Grab. Das soll Glück bringen, und manche deponieren auch gleich ihre auf Zettel geschriebenen Wünsche, die dank Merlins Hilfe in Erfüllung gehen sollen. Im Jahreskreis modern die Grabgaben schön langsam vor sich hin, und so bietet das Gesamtarrangement ein Bild, das eher des Gärtners Herz höher schlagen lässt als das des Artussagen-Fans.

148 Zauberwald-Wanderrouten

Es empfiehlt sich, die Zauberwald-Wanderkarten des Tourismusbüros zu nutzen, um den Überblick nicht zu verlieren. Immerhin gibt es 148 Wanderrouten, die zwischen einer und sechseinhalb Stunden dauern. Wer in relativ kurzer Zeit die ganze Gegend erkunden möchte, der radelt am besten alles ab.

Merlins Zauberwald
Der goldene Baum, Ausgangspunkt ins Tal ohne Wiederkehr  
Bild: Woitsch

Paimpont mit der Abtei Notre Dame ist der größte Ort in der Gegend. Doch seien Sie vor "Brocéliande la porte des secrets" gewarnt: Was verheißungsvoll klingt, ist die Einkaufsstraße für Gralsritter schlechthin. Sie können sich dort mit Schwertern, Ketten, Schmuck, Mänteln und allerlei Devotionalien rund um die keltische Mystik der Artus-Legende eindecken. Sie bekommen quasi alles, was der Druide von Welt braucht und der euphorisierte Tourist – wieder daheim – bereut, gekauft zu haben. Mit dem Lancelot-Bier im Glas, "Morganes Veggieburger" auf dem Teller und dem Blick auf die Abtei aus dem 13. Jahrhundert lässt es sich dann aber wieder gut auf den Boden der Realität zurückkehren.

Unterkünfte: im Schloss (Château du Pin in Iffendic, von einem Künstlerpaar geführt, chateau-pin.fr) in der Mühle (Le Moulin de Callac – 5 chambres d’hôtes in Plumelec, moulindecallac.com) auf einem Schiff (Péniche Orphée, in der Nähe von Josselin, peniche-orphee.fr) Rad- und Wanderkarten der Destination Brocéliande: broceliande-vacances.com

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