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Faszination Traunstein

Manfred Spitzbart Bild: Gabriel Egger

Faszination Traunstein

Der schroffe Fels gibt ihnen Halt, der Weg lässt sie aus dem Alltag steigen. Für Manfred, Fritz und Richard ist der Traunstein mehr als nur ein Berg. Gabriel Egger hat sie begleitet.

Von Gabriel Egger, 30. April 2016 - 00:04 Uhr

Ein Trinkgurt mit drei Fächern, darin eine kleine Wasserflasche, ein halber Kornspitz und ein Bleistift, falls die Tinte im Kugelschreiber, der dem Gipfelbuch beiliegt, ausgetrocknet ist. Mehr braucht es nicht, um den Gipfel des Traunsteins zu erreichen. Zumindest, wenn man Fritz Kronberger heißt. Der Blick des 66-jährigen Gmundners mit dem bunten Stirnband und der kurzen Jeanshose schweift von der Forststraße unterhalb der Mairalm über die südlichen Wandfluchten. Mehr als 1000 Mal ist er an ihnen vorbeigewandert, geklettert oder gelaufen. Zum ersten Mal mit 14 Jahren. "Das war ein Zufall. Wir waren neugierig, sind immer höher gestiegen und plötzlich waren wir am Gipfel", erzählt er, während er im Dickicht einen Stock sucht, auf den er sich beim folgenden, steilen Anstieg stützen kann. Losgelassen hat ihn der 1691 Meter hohe Berg bei Gmunden nicht mehr. 70 bis 80 Anstiege trägt er jährlich in sein Tourenbuch ein.

Traunstein als Ehestifter

Diese Leidenschaft teilt er mit zwei guten Bekannten: Manfred Spitzbart (54) und Richard Lämmerhofer (61) begleiten ihn beim Anstieg über den Ostgrat des Berges. Es ist keiner der drei markierten Wege, die auf den Gipfel führen. Zerfurchte Grate, steiles, mit Gras und Geröll durchsetztes Gelände sowie schwindelerregende Tiefblicke erwarten die "Traunstein-Oldies".

Die Gewohnheit der vielen Aufstiege macht erfinderisch. Die Wahl fiel auf einen alternativen, beschwerlichen Zustieg zum Grat – und fordert ihren Tribut: Schweiß perlt von der Stirn, der trockene Fels, zwischen den die Finger geklemmt werden, ist durch die Sonne angenehm warm geworden. Richard steigt voran, lässt seine Kollegen aber nicht aus den Augen, denn hören kann er sie nicht. Der 61-Jährige ist seit seinem dritten Lebensjahr gehörlos. Wünsche, liest er von den Lippen ab. Den Wächter des Salzkammergutes, wie er oftmals genannt wird, fühlt er deswegen umso intensiver. Wie oft er bereits am Gipfel stand, möchte er nicht sagen. "Der war sicher mehr als 2000 Mal" flüstert Fritz. Für Richard sind Zahlen unwichtig. "Es zählen die Erlebnisse, die ich mit dem Berg verbinde." Und die sind wahrlich vielseitig. Seine schönste Erfahrung liegt 42 Jahre zurück. Eine Arbeitskollegin bat ihn, ihre Schwester und deren Freundin auf den Traunstein zu führen. "In diese Freundin verliebte ich mich. Wir verlobten uns noch im selben Jahr", erzählt er und ergänzt: Die Liebe am Traunstein zu finden, sei keine Seltenheit. "Da kenn‘ ich viele Paare."

Ein langer Weg zurück

Die luftigen Gratstellen sind erreicht. Viel Platz für sichere Tritte gibt es nicht. Behutsam hanteln sich die Bergsteiger über den scharfen Fels, dass es mehrere hundert Meter in die Tiefe geht, registrieren sie nicht. Kein Wunder, in Summe waren sie bereits mehr als 4000 Mal auf dem Berg, dessen Silhouette an klaren Tagen aus den Linzer Wohnzimmerfenstern sichtbar ist. Manfred muss kurz vor der Grünen Gasse, einer steilen grasdurchsetzten Felsrampe auf dem oberen Ende des Weges, stehen bleiben. Er schnauft und greift zur Wasserflasche. "Geht’s ruhig vor. Ich komm schon nach." Dass er überhaupt wieder auf den Traunstein steigen kann, ist ein kleines Wunder. Vor zwei Jahren erlitt der ehemalige Hüttenwart des Naturfreundehauses auf 1580 Meter Seehöhe eine Herzattacke. Doch er hatte Glück im Unglück. Ein Hubschrauber, der gerade Verpflegung auf die Hütte brachte, nahm ihn mit ins Tal. Spitzbart kämpfte sich langsam zurück. "Ich wusste, dass ich unbedingt wieder auf diesem Gipfel stehen will", erzählt er, "weil er mir alles bietet. Spaß, Überwindung – und neue Freundschaften."

Der kurzen Kletterei folgt nach etwas mehr als drei Stunden der Weg zum zehn Meter hohen Gipfelkreuz. Der Kugelschreiber funktioniert, Fritz muss seinen Bleistift nicht aus dem Gurt holen. Der Traunsee glitzert in den Sonnenstrahlen, im Süden der majestätische Dachstein. Niemand spricht ein Wort. Das Nahgefühl zum Berg ist spürbar. Hier oben sind sie zu Hause. Im Frühling, wenn die Hütten aufsperren, im Sommer, wenn der Trubel beginnt, im Herbst, wenn sich der Nebel über den See legt, und im Winter, wenn ihnen der Berg die eisigen Zähne zeigt. Zeit abzusteigen und Abschied zu nehmen. "Schön war’s wieder einmal", sagt Fritz und blickt fast wehmütig zurück. Es packt ihn schon jetzt, s’Traunstoa- Hoamweh.

 

Die vielen Gesichter des Traunsteins



PDF Datei (812.72 KBytes.)

Ausgangspunkt für eine Besteigung des Traunsteins ist der Parkplatz am Ende der Traunsteinstraße in Gmunden.

Naturfreundesteig
Der bekannteste Steig auf den Traunstein beginnt am Ende der Lainautunneln. Er führt über Klammern, Seile und eine Leiter steil hinauf zum neuen Naturfreundehaus auf 1580 Meter. Von dort sind es noch knapp zwanzig Minuten bis zum Gipfel.
Charakter: sehr steil, ausgesetzt, aber gut versichert.
1280 Höhenmeter

Hans-Hernler-Steig
Der Hernlersteig führt sehr steil, im oberen Bereich auch seilversichert, durch Rinnen und Grate auf der Nordseite zur Gmundner Hütte. Auf etwa 1550 Meter kann man sich für die sportliche Variante über den Traunsee-Klettersteig (Schwierigkeit D) entscheiden.
Charakter: steil und kräfteraubend, im unteren Teil steinschlaggefährdet. Der Weg endet direkt bei der Gmundner Hütte.
1260 Höhenmeter

Mairalmsteig
Der südseitige Anstieg, der unterhalb der Jausenstation Mairalm beginnt, gilt als der einfachste Weg auf den Traunstein. Im oberen Teil helfen Seile über die steilsten Stellen hinweg.
Charakter: steiles Gehgelände, langer Zustieg über eine Forststraße. 1280 Höhenmeter

Zierlersteig
Der Zierlersteig ist ein unmarkierter Anstieg durch die Nordabstürze des Traunsteins. Über die Kaltenbachwildnis gelangt man auf den Zierlerberg. Kletterei bis zum zweiten Schwierigkeitsgrad und ein guter Orientierungssinn sind hier gefragt. Der Weg mündet kurz vor der Gmundner Hütte in den Hans-Hernler-Steig.
Charakter: schwierige Wegfindung, ernsthafte Kletterei, oft nass. 1260 Höhenmeter

Ostgrat
Der Ostgrat führt über die Hohe Scharte oberhalb des Laudachsees unmarkiert auf den Traunsteingipfel. Ausgesetztes Felsgelände wechselt sich mit steilen Schrofen ab. Über die 45 Grad steile Grüne Gasse
erreicht man das Gipfelkreuz.
Charakter: langer Zustieg, unmarkiert, ausgesetzte Kletterei, rassige Tiefblicke. Die Grüne Gasse ist oft rutschig.
1280 Höhenmeter

Hochkamp
Das unmarkierte „Kamp“, wie es Traunstein-Füchse nennen, lässt sich vom Laudachsee aus durchsteigen. Leichtes Klettergelände mündet, wie auch beim Ostgrat, in der Grünen Gasse. Wer sich das Steilgelände nicht zutraut, kann über das Nordwandband in den Zierlersteig queren.
Charakter: langer Zustieg, schwierige Orientierung, nichts für Ungeübte. Nur Steigspuren ersichtlich. 1280 Höhenmeter.

Die Hütten
Die Gmundner Hütte steht seit dem Jahr 1907 auf dem Fahnenkogel, auf 1661 Meter Seehöhe. Sie wurde 2007 erweitert und bietet seither Schlafgelegenheiten für 43 Personen. Am einfachsten ist sie über den Hernlersteig erreichbar. Die Hütte wird von 30. April bis Ende Oktober von Gerald und Sandra Auinger bewirtschaftet.

Das Naturfreundehaus steht auf dem Traunkirchnerkogel auf 1.580 Meter, direkt beim Ausstieg des Naturfreundesteigs, und wurde 1927 eröffnet. Seit sie 2013/2014 umgebaut wurde, ist die Hütte eine der modernsten der Alpen und bietet 43 Personen einen Schlafplatz. Bewirtschaftet wird das Haus vom
1. Mai bis Ende Oktober von Kurt Resch.

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Kommentare

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