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Armin bringt (fast) jeden auf die „Seven Summits“ des Stubaitals. Bild: haas

Der Murmeltier-Flüsterer aus dem Stubaital

Bei Bergführer Armin Stern stehen sogar die kleinen Nager habt Acht. Ein Streifzug durch Berge, Gletscher, wilde Wasser, Sennereien und Almen.

Von Karin Haas, 16. September 2017 - 15:00 Uhr

Das Pfeifen habe ich als Bub auf der Alm beim Zusammentreiben der Kühe gelernt. Dann habe ich so lange geübt, bis ich pfeifen konnte wie ein Murmeltier", sagt Armin Stern beim Abstieg vom Hohen Burgstall (2611 Meter), pfeift und lacht. Prompt bleibt ein Murmeltier irritiert stehen, richtet sich auf und schaut. Schließlich sieht es weit und breit keinen Artgenossen und saust weiter. Doch die Wanderer und Bergsteiger, die mit Armin Stern unterwegs sind, haben bereits Fotos geschossen oder einfach nur die "Bergratte" bewundert.

Was der Armin kann, kann nicht jeder. Wie er es macht, weiß der Wanderführer, der im Stubaital unterwegs ist, selbst nicht so genau. Wie Pfeifen sieht es nicht gerade aus. Vielmehr ist es ein schmaler Mundschlitz, durch den die Luft, moduliert von der Zunge, gepresst wird.

Gipfelsammeln mit Leiberl

Armin ist fast jeden Tag unterwegs, und der Hohe Burgstall ist einer und der leichteste der "Seven Summits" des Stubaitals. Die sind eigentlich ein Marketing-Konstrukt. Es klingt halt besser, als Wilden Freiger, Serles, Rinnenspitze, Elfer, Habicht, Zuckerhütl und Hohen Burgstall zu erstürmen. Armin Stern und seine Kollegen helfen, damit man das auch schafft und den Sammelpass voll bekommt. Ab drei Spitzen per Gipfelstempel gibt’s ein Leiberl. Sammeln wirkt.

Doch auch Genusswandern für nicht Schwindelfreie ist hier im Stubaital, eine halbe Autostunde von Innsbruck entfernt, auf vielen Wegen möglich. Wer in Fulpmes, Neustift, Mieders, Telfes und Schönberg auch nur eine Nacht bleibt, bekommt die Stubai Supercard und damit einen Freibrief für Bergbahnen und Busse.

Kinder werden mit dem Baumhausweg bei der Kreuzjochbahn ab Fulpmes bei Laune gehalten. Holzscheiben, die in Rinnen talwärts sausen, versüßen den Abstieg. Doch zuvor muss in die Schlickeralm mit eigener Sennerei eingekehrt werden. Mutige probieren den aus Magermilch erzeugten Graukas, der an zerdrückten Quargel erinnert. Jedem schmecken die Kaspress- und Spinatknödel, eine Art Tiroler Nationalgericht.

Ja, man hört hier oft "Pfifferlinge". Denn der Anteil an den Bewohnern Germaniens ist unter den Gästen im Stubaital hoch. Auch die Holländer lieben es hier zu urlauben, weiß der Bergführer Werner Müller. Der pfeift zwar nicht wie ein Murmeltier, hat aber tierische Erfahrung der anderen Art.

Huckepack mit Hund

Seit er den Hund eines holländischen Ehepaars, der bei einer Skitour mit zum Gipfel musste, auf Skiern huckepack ins Tal brachte, da der Hund zu erschöpft für den Abstieg war, muss er ihn nun jedes Mal auf den Rücken nehmen. Die Holländer sind Stammgäste. "Mit dem Hund am Buckel werde ich oft fotografiert", sagt Werner in breitestem Tirolerisch. "Wie bischt beinand" ist hier auch die meistgestellte Frage, wenn es auf den "Berg auffi" gehen soll. Andere würden nach der Kondition fragen.

Das Stubaital ist nicht nur als Wander-Wunder auch mit dem "Wilden-Wasser-Weg" klass. Hier ist auch eine Wiege der Schmiedekunst, wie in Fulpmes der Schlickbach und zahlreiche aufgelassene Hämmer erzählen. Längst sind die Unternehmen abgesiedelt. Doch die Marke und die Genossenschaft der Schmiedeexperten lebt. Auch bei Gletscherpickel und Kuhschellen war man firm. Davon zeugt ein sympathisch verschlafenes Schmiedemuseum. Hinein kommt man gegen Anmeldung unter Tel. 05225/62240 oder /62134.

Weinkeller im Gletscher

Wer auf heilendes, rechtsdrehendes Wasser vertrauen möchte, wählt die Serles-Bahn bei Mieders und wandert zur Wallfahrtskirche Maria Waldrast. Mit dem Klimawandel auf Du ist man am Stubaier Gletscher, den man mit der Eisgratbahn erstürmt. Eisdepots unter weißen Planen zeugen vom Kampf gegen die zerstörerische Kraft der Sonne. Tief in der (künstlich angelegten) Eisgrotte bringt der "höchstgelegene Weinkeller der Welt" wieder zum Schmunzeln.

 

Infos, auch für Bergführerbuchung, beim Tourismusverband: www.stubai.at

 

Genuss-Tipps

Ein Tiroler Wanderurlaub ist ohne Tiroler Knödel nicht komplett. Klassisch ist er mit Knödelbrot und gewürfeltem Speck oder Geselchtem. Doch es werden auch Varianten mit Spinat und Eierschwammerln serviert.
Ein kulinarischer Botschafter Tirols ist auch der Kaspressknödel mit Graukäse, der aus entrahmter Milch herstellt wird. Auf der Schlickeralm (www.schlickeralm.at) bei Fulpmes wird er mit Österkron, einem Blauschimmelkäse, verfeinert.

Hier das Rezept:
Zutaten: 300 g Knödelbrot, 200 g gekochte Erdäpfel, 200 g Graukäse (20 g können durch Österkron ersetzt werden), 3 Eier, Petersilie, Salz, ¼ Liter Milch, etwas Mehl.

Zubereitung: Knödelbrot mit heißer Milch übergießen, gekochte und geriebene Erdäpfel untermischen, Käse klein schneiden und dazugeben. Mit den restlichen Zutaten Knödel formen und in heißem Fett flachgedrückt braten.

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