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Barfuß durchs Paradies

Manche Unterwasserwesen posieren, so scheint’s, für Taucher. Bild: heb

Barfuß durchs Paradies

Die Malediven gelten noch immer als ein Traumziel – trotz Korallenbleiche und steigendem Meeresspiegel. Der Tauchtourismus schrumpft, dafür kommen vermehrt Erholungssuchende.

Von Carsten Hebestreit, 16. Dezember 2017 - 09:06 Uhr

Wo wollen S’ denn hin?", fragte die nette Dame im Reisebüro. "Malediven!" "Wie lange?" "Zwei Wochen." "Sind sie sich sicher?"

Tatsächlich stellt sich eher die Frage nach der Größe der angepeilten Malediven-Insel. Klein – das bedeutet herrliche Urlaubsfotos, die auch in Hochglanzmagazinen erscheinen könnten. Groß – das heißt, auch am dritten Tag gibt’s noch reichlich Unerforschtes zu entdecken.

Nach Kuramati ist Kuredu die zweitgrößte Urlaubsinsel der Malediven. 1,2 Kilometer lang, darauf 387 Villen. Ein Teil steht auf Stelzen im Meer ("Wasservillen"), ein anderer ist zwischen dichtem Urwaldbewuchs im Inneren des kleinen Eilandes kaum zu entdecken und verfügt dafür jeweils über einen eigenen Pool. Der überwiegende Rest schlängelt sich entlang der traumhaften Strände. Feiner, weißer Sand direkt vor der Veranda – die perfekten Zutaten für einen Traumurlaub. "Wir sind ein Ganzjahresziel", sagt Tina, seit 22 Jahren als Reiseleiterin auf den Atollen unterwegs. "Die Lufttemperatur fällt nie unter 27 Grad", sagt die gelernte Tauchlehrerin. Die einzige Variable ist die Luftfeuchtigkeit. Nach einem warmen Regenguss lastet schon eine drückende Schwüle auf der Insel.

"Früher hat’s im Juli und August nicht geregnet", erzählt Amir, der als Taxifahrer mit seinem elektrischen Golf-Wagen zwischen den drei Restaurants Sangu, "O" und Koamas pendelt. "Doch heuer prasselten auch in diesen beiden Monaten Wolkenbrüche nieder." Wie im November, jenem Monat, in dem die Regenzeit laut Kalender vorüber ist – zumindest offiziell. "Aber inzwischen ist das Wetter durcheinandergeraten", so Amir.

Bei Vollbelegung tummeln sich knapp 800 Urlauber – vorwiegend Deutsche, Österreicher und Schweizer – auf Kuredu. Die Resort-Leitung empfiehlt übrigens, barfuß unterwegs zu sein. Strand, Wege und sogar die Restaurants und Bars – überall gehen die Urlauber auf feinem Sand. Selbst zum Dinner kommen die Gäste barfuß.

In einer Dreiviertelstunde lässt sich Kuredu zu Fuß umrunden, erzählen die immer freundlichen Service-Männer. Freilich: Ohne Pause drehen ausschließlich Jogger die Runde ums Eiland, der Rest kehrt mindestens bei einer Bar ein. Tequila Sunrise, Virgin Colada – Cocktails und Mocktails (ohne Alkohol) schmecken an den weißen Sandstränden unter Palmen so richtig nach perfektem Urlaub.

Barfuß durchs Paradies
An der Südspitze Kuredus schlängelt sich noch ein Ausläufer aus feinem Sand weit ins Meer hinaus und lädt zu einem Spaziergang ein.  
Bild: heb

Auf der Außenseite des Atolls schweben Stachelrochen durchs seichte Wasser, dazwischen schlängeln sich kleine Muränen und Haie. Baden ist dort aber untersagt, weil die Strömung entlang des Atolls teils extrem sein kann – und damit lebensgefährlich.

Flossen werden empfohlen

Auf der Innenseite empfiehlt die Resort-Leitung das Tragen von Flossen – Meeresströmungen werden von Urlaubern geflissentlich unterschätzt. Da können Flossen Leben retten. Wobei alle Urlauber ihre Köpfe unter Wasser stecken und stundenlang schnorcheln. Haie, Schildkröten, Rochen etc. – im vier bis sechs Meter tiefen und glasklaren Wasser tummeln sich viele exotische Meeresbewohner. Angst? Die haben offenbar ausnahmslos die schnorchelnden Touristen.

Barfuß durchs Paradies
Kunterbunte Fischschwärme tummeln sich am Hausriff – ein Spektakel unter Wasser.  
Bild: heb

Atemberaubend ist der Blick durch die Taucherbrille auf die Riffkante. Korallen wuchsen einst auf den steilen Abhängen, doch die Bleiche von 2008 und 2016 ließ die jahrzehntelang gewachsenen Gebilde großteils absterben. "Das Wasser hier ist fast 30 Grad warm, die Korallen vertragen aber nur maximal 27 Grad", erzählt Christian, ein Oberarzt, Taucher und begeisterter Hüter eines Meerwasseraquariums daheim in Trier (Deutschland). Farbe in Poseidons Reich bringen die Abertausenden Fische, die oft in dichten Schwärmen durch das Wasser ziehen. Knallrot, tiefblau, neongelb – die Farbenspiele werden im türkisen Wasser noch verstärkt.

Die Top-Tauchspots liegen in unmittelbarer Umgebung. Wie etwa der "Express": Zwischen Kuredu und der unbewohnten Nachbarinsel sammeln sich Großfische, denn die Strömungen führen reichlich Nahrung mit. Und die Nahrungskette spannt sich dort von kleinsten Unterwasserlebewesen bis hin zu Mantas und Haien.

In 13 bis 17 Metern halten sich Taucher an Felsen fest und flattern in der Strömung wie Fahnen im Wind. Nebenbei "stehen" zwei Meter lange Raubfische im Wasser und harren der Beute. Oder Mantas schweben vorbei, mit offenem Maul und leerem Verdauungstrakt. Spektakulär sind solche Begegnungen für Taucher allemal. Bei den Tieren dürfte sich ob der Taucher ein Gewöhnungseffekt eingestellt haben.

Barfuß durchs Paradies
Ein Dinner am weißen Traumstrand ist nicht all-inclusive, dafür richtig exklusiv.  
Bild: heb

Begleitet werden sämtliche Ausflüge von mindestens zwei Tauchlehrern, die unter Wasser nicht nur die Blicke auf die spektakulärsten Ziele steuern, sondern eben auch zur Sicherung eingesetzt werden. Auf Kuredu selbst steht ein eigenes Spital mit zwei Ärzten und einer Druckkammer bereit. Wer abends beim großen Fressen zuschauen möchte, schlendert zum Teehaus am Ende des Piers. Große Flutlichter leuchten ins Meer. Haie, Rochen, Thunfische, Drückerfische teilen sich direkt vor der Kaimauer die reichliche Beute. Das Wasser brodelt bei Sonnenuntergang besonders heftig.

 

 

Krabbenrennen und Live-Musik

"Inzwischen reisen weniger Taucher an, dafür kommen mehr Erholungssuchende", erzählt Tina. Der Sand ist fein, die Sonne heiß, das Wasser warm – die besten Voraussetzungen für ruhige, entspannende Tage. Beliebt sind die Trauungen am Strand (880 Dollar inklusive Fotograf), die Ausflüge mit Fat Bikes (5 Dollar pro Tag) und andere Aktivitäten. An den Abenden laden Bars ein – mit Live-Musik, Krabbenrennen oder Karaoke. Das modernst eingerichtete Fitnessstudio gewährt einen fantastischen Blick aufs Meer. Ein Top-Tipp ist der einstündige Trip "Behind the Scenes": Ein Guide erklärt, wie das Wasser aufbereitet, Strom erzeugt wird und wie der Betrieb funktioniert.

Barfuß durchs Paradies
Barfuß zum Altar: Eine Traumhochzeit am Traumstrand kostet 880 Dollar.  
Bild: heb

Ein Koch aus England zaubert drei Mal pro Tag sagenhaft g’schmackige Buffets in die drei Restaurants. Mexikanisch, mediterran, indisch, maledivisch – Schwein, Rind, Huhn und natürlich Fisch: Das abwechslungsreiche Essen bietet jeden Tag neue, köstliche Herausforderungen. Denn viele Früchte und Zutaten sind Europäern gänzlich unbekannt.

 

Tipps

Anreise: Zur Hauptreisezeit fliegen die Austrian Airlines dreimal pro Woche von Wien nach Male (Montag, Donnerstag, Samstag). Der Hinflug dauert von 20.05 bis 9.05 Uhr. Der Rückflug hebt um 10.40 Uhr ab (Dienstag, Freitag, Sonntag) und landet in Wien um 23.10 Uhr (MEZ).

Die Lufthansa pendelt im Winter jeden Mittwoch und Samstag von Linz über Frankfurt nach Male. Der Airbus hebt in Frankfurt um 19.15 Uhr ab und landet in Male um 8.55 Uhr. Der Rückflug dauert zehn Stunden – von 10.40 bis 17.20 Uhr (Donnerstag, Sonntag)

Der Flug von Male nach Kuredu in einem Wasserflugzeug dauert 40 Minuten und kostet pro Person (hin/zurück) 360 Euro. Die Abflugzeiten sind mit den internationalen Verbindungen abgestimmt, daher sind die Wartezeiten kurz.

Zeitzone: In Male müssen die Uhren um vier Stunden vorgestellt werden (20 Uhr statt 16 Uhr MEZ). Kuredu liegt zwar in derselben Zeitzone, möchte aber seinen Gästen „ein frühes Aufstehen“ ersparen und hat entschieden, dass der Zeitunterschied fünf Stunden beträgt. Somit beginnt die Rückreise um 7 Uhr früh und nicht um 6 Uhr.

Klima: Die Malediven sind eine Ganzjahres-Urlaubsdestination, denn die Lufttemperatur sinkt tagsüber kaum unter 27 Grad. Selbst bei bedecktem Himmel herrschen für Europäer sommerliche Temperaturen. Im Oktober endet die Regenzeit – zumindest offiziell. Ergiebige Regenschauer können jederzeit niederprasseln. Positiv formuliert: Der Regen ist bacherlwarm. Malediven-Routiniers bezeichnen die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern als die beste Reisezeit.

Das Meer ist 29 bis 30 Grad warm. Was Taucher freut: Auch in 20 bis 30 Metern Tiefe sinkt die Temperatur nicht ab.

Tauchen: Die Tauchschule prodivers.com bietet Ausflüge zu vielen Tauchspots an.

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Kommentare

„Vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Die Malediven sind schon lange auf meiner ...“ prezzemola Vielen Dank für diesen interessanten Art...
„ja ich kenne das Atoll und habe es auch bereist,es gibt ein großes Müllproblem auf den Inseln ...“ Gugelbua ja ich kenne das Atoll und habe es auch ...

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