Geldadel, dröhnende Motoren, Glücksspiel: Das Fürstentum Monaco hat sich über Jahrzehnte einen Ruf erarbeitet, der zwar die internationale Jetset-Schickeria anlocken mag, nicht aber Gäste mit konventionellem Budget. Kaum ein „Normalo“ käme auf die Idee, Monaco zu bereisen oder dort gar Urlaub zu machen – das Steuerparadies gilt als zu teuer, zu sündig, zu laut und zu abgehoben. Zugegeben, in den Sommermonaten und während des Formel-1-Grand-Prix stimmen diese (Vor-)Urteile weitestgehend, in der Nebensaison gibt es in Monaco aber auch abseits von Pomp und Protz jede Menge zu entdecken.
Zu Fuß durch das Fürstentum
Wer sich einen raschen Überblick vom Fürstentum verschaffen will, folgt am besten dem Verlauf der Formel-1-Strecke – und zwar zu Fuß. Monaco ist der am dichtesten verbaute Platz der Welt, auf einer Fläche von gerade mal 2,02 Quadratkilometern leben 33.000 Einwohner. Parkplätze sind entsprechend knapp und teuer. In den wenigen, in den Fels gegrabenen Parkgaragen muss man mit rund drei Euro pro Stunden kalkulieren.
Ausgangspunkt der Wanderung ist der Casinoplatz, wo man im Gastgarten des Café de Paris auf einen ersten Cappuccino einkehrt. Das alte, in bester Lage vis-á-vis dem legendären Hotel de Paris gelegene Café ist ein genialer Ort, um Leute zu beobachten. Der Cappuccino kostet übrigens 5,30 Euro. Angesichts des amüsanten Treibens auf dem Casinoplatz ist er aber jeden Cent davon wert. Auch Autofans kommen hier voll auf ihre Rechnung – es kurven so ziemlich alle Sportwagen vorbei, die schnell und teuer sind.
Licht am Ende des Tunnels
Apropos Geschwindigkeit: Bummelt man vom Café de Paris weiter zur Kurve Mirabeau Haute, hinunter zur Spitzkehre vorm ehemaligen Hotel Loews und dann zur zweiten Mirabeau-Kurve, so wird man kaum glauben, dass in diesen winkeligen Gässchen tatsächlich Formel-1-Autos fahren können. Staunen wird man auch, dass im nun folgenden Tunnel, den Fußgeher benützen dürfen, die Rennwagen annähernd Tempo 300 erreichen. Der Tunnel befindet sich – wie auch das Casino – im Stadtteil Monte Carlo. Die Stadt selbst heißt Monaco und ist mit dem Staatsgebiet von Monaco identisch. Das Fürstentum ist der zweitkleinste Staat der Welt, kleiner ist nur der Vatikan.
Hat man das Licht am Ende des Tunnels erreicht, eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf den Hafen, wo oft besonders große Privatjachten vor Anker liegen. Ausgesucht schöne Boote findet man dort während der jährlichen Jachtmesse, die heuer von 19. bis 22. September stattfindet. Entlang der Hafenpromenade gibt es zahlreiche einladende Kaffeehäuser und Bars. Hier bietet es sich an, erneut auf einen Cappuccino einzukehren und die Kulisse aus Sonne, Wasser und strahlend weißen Jachten zu genießen.
Folgt man der Hafenanlage weiter in Richtung Süden, kommt man zur berühmten Rascasse-Kurve, wo die Grand-Prix-Strecke in einem Halbkreis um die gleichnamige Bar herumführt. Direkt neben der Rascasse-Bar, die sich am Abend in eine gut besuchte Discothek verwandelt, liegt das empfehlenswerte Restaurant „Quai des Artistes“. Hier kann man zu vernünftigen Preisen essen, Spezialität sind Fisch und Meeresfrüchte.
100.000 Euro pro Quadratmeter
Passiert man Rascasse, folgt die Start-Ziel-Gerade, die genau genommen eine lange Rechtskurve ist. Man sollte hier auf der linken Straßenseite gehen – es gibt viel zu sehen. Etwa die Zentrale des Automobilclubs Monaco (ACM), der nicht nur den Grand Prix veranstaltet, sondern auch die Rallye Monte Carlo, die kommenden Dienstag, 17. Jänner, beginnt und heuer zum 80. Mal stattfindet. Gleichermaßen interessant wie amüsant ist es auch, einen Blick in die Auslagen der entlang der Start-Ziel-Geraden angesiedelten Immobilienbüros zu werfen. Monaco gehört zu den teuersten Pflastern der Welt, in guten Lagen mit Meerblick werden für Eigentumswohnungen Quadratmeterpreise von bis zu 100.000 Euro verlangt und bezahlt. Auch Eigentums-Parkplätze werden gehandelt – um bis zu 180.000 Euro pro Stellfläche.
Die horrenden Immobilienpreise stellen für die gebürtigen Monegassen – oft ganz normale Bürger mit ganz gewöhnlichen Jobs – ein großes Problem dar. Um sie an der Auswanderung zu hindern, gewährt der Staat teils großzügige Wohnbeihilfen. Die Bevölkerung Monacos besteht zu nur 22 Prozent aus Einheimischen. Die restlichen 78 Prozent sind Zugereiste, die die Steuervorteile ebenso genießen wie die rund 2600 jährlichen Sonnenstunden. Man sagt, dass jeder zweite Bewohner Monacos Millionär ist.
Am Ende der Start-Ziel-Geraden folgt mit Sainte Devote die nächste berühmte Kurve der Grand-Prix-Strecke. Die Kurve hat ihren Namen von der dortigen Kirche Sainte Devote, die im 11. Jahrhundert erbaut wurde und der Kirchenpatronin des Fürstentums und der Prinzenfamilie gewidmet ist. Die Kirche bildet einen kuriosen Kontrast zu den Hochhäusern, Brücken und Betonburgen in der unmittelbaren Umgebung.
Nur Vettel ist schneller
Komplettiert wird die Grand-Prix-Runde mit dem Anstieg hinauf nach Beau Rivage und Massenet zurück zum Casino, dem Ausgangs- und Zielpunkt unseres Bummels. Den Spaziergang können auch Gehfaule problemlos bewältigen. Die Runde ist nur 3340 Meter lang, die reine Gehzeit beträgt rund 45 Minuten. Zum Vergleich: Sebastian Vettel benötigte für dieselbe Strecke im Vorjahr exakt 73,5 Sekunden. Allerdings war er nicht mit dem „Fußtaxi“ unterwegs, sondern mit dem gut 700 PS starken Red-Bull-Formel-1.
Für die weiteren Sehenswürdigkeiten seien die öffentlichen Linienbusse der „Compagnie des Autobus de Monaco“ empfohlen. Das Fürstentum ist felsig, es gibt viele steile Anstiege. Hinauf in die höher gelegenen Stadtteile ist der Bus eindeutig die bequemere Alternative. Das am Rand der Seealpen gelegene Monaco zählt ganz offiziell zu den Alpenstaaten und hat auch die Alpenkonvention ratifiziert. Es gibt sogar einen eigenen Alpenverein, den „Club Alpin Monégasque“.
Vom Casinoplatz weg fährt die Buslinie 1 hinauf nach Monaco Ville, die auf einem 80 Meter hohen Felsen gelegene Altstadt. Dort befindet sich auch der Fürstenpalast. Die Altstadt ist eng bebaut, es gibt viele kleine, sehr nette Geschäfte, Galerien, aber auch unzählige Souvenirläden mit Kitsch im Übermaß.
Eine besondere Attraktion und echte Sehenswürdigkeit ist das ebenfalls in Monaco Ville gelegene Ozeanografische Museum, das Fürst Albert I. 1889 gegründet hat. 1957 wurde Jacques-Yves Cousteau Leiter des Museums. Der berühmte Meeresforscher entwickelte das Ozeanografische Museum zu einer Institution von Weltruf. Die beeindruckende Sammlung umfasst heute 4000 Fischarten, die in 90 Aquarien gehalten werden. Das Museum ist das ganze Jahr lang geöffnet, ein Besuch sei jedem Monaco-Reisenden ans Herz gelegt.
Manhattan am Mittelmeer
Wer im Fürstentum unterwegs ist, sollte sich über die zahlreichen Bautätigkeiten nicht ärgern. Im „Manhattan am Mittelmeer“ gehören Baukräne zum gewohnten Bild, es wird ständig umgebaut. Erst kürzlich wurde die Eisenbahn unter die Erde verlegt. Wo früher Gleise waren, entstehen neue Immobilien. Den Stadtteil Fontvieille trotzten die Monegassen gar dem Meer ab. Durch Aufschüttung wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 40 Hektar Land gewonnen.
Sehr reizvolles Umland
Für Ausflüge ins Umland ist die Eisenbahn die erste Wahl. Der Bahnhof Monaco liegt an der Strecke Marseille-Ventimiglia. Nizza und Cannes sind bequem und schnell mit dem Zug erreichbar. Für Ausflüge ins Hinterland bucht man am besten ein Leihauto. Landschaftlich reizvoll sind die Seealpen mit ihren teils malerischen Bergdörfern. Auf der Hinfahrt sollte man in La Turbie eine Pause einlegen. Der auf 500 Metern Seehöhe gelegene Ort eröffnet einen grandiosen Blick auf Monaco.
In den Seealpen selbst führen ausgesprochen schöne Routen über den Col de Turini, den Col des Braus und den Col des Brouis. Auf diesen drei Pässen fanden immer wieder Sonderprüfungen der Rallye Monte Carlo statt. Wer lieber Städte besuchen möchte, der kann mit dem Leihauto einen Abstecher nach Grasse machen. Grasse ist 60 Kilometer von Monaco entfernt und gilt als die Welthauptstadt der Parfümeure. Die auf geheimen Rezepten basierenden und meist handgemischten Düfte gibt es in allen erdenklichen Aromen – und oft in Preisklassen, die nicht einmal von den teuersten Luxusboutiquen in Monaco getoppt werden.
Das Fürstentum
Regierender Fürst und Oberhaupt der Familie Grimaldi ist seit 2005 Albert II. Im Juli 2011 ehelichte Albert die südafrikanische Schwimmerin Charlene Wittstock. Monacos Unabhängigkeit besteht seit 1489, seit 1911 ist der Zwergstaat eine konstitutionelle Monarchie. Der Fürst ist Staatsoberhaupt, zudem gibt es einen Regierungsrat mit vier Ministern. Seine Regierungsmacht teilt der Fürst mit dem Nationalrat, einem aus 24 Mitgliedern bestehenden Parlament. Monaco ist zwar kein Mitglied der EU, offizielle Währung ist aber dennoch der Euro.
Anreise nach Monaco
Nächstgelegener internationaler Flughafen ist Nizza, den die AUA ab Wien und Lufthansa unter anderem ab München anfliegt. In Monaco selbst gibt es ebenfalls einen Flugplatz, allerdings nur für Hubschrauber. Die Heli Air Monaco fliegt alle 30 Minuten von Monaco zum Flughafen Nizza und wieder retour. Preis: ab 110 Euro pro Person und Strecke.
Für Ausflüge nach Nizza, Cannes und St. Tropez empfiehlt sich ab Monaco die Eisenbahn. Der (unterirdische) Bahnhof Monaco liegt an der Strecke Ventimiglia-Marseille. Wer von Österreich aus mit dem Zug nach Monaco fahren möchte, kommt über Innsbruck, Bologna, Voghera und Ventimiglia ins Fürstentum. Die Fahrzeit beträgt etwas mehr als 17 Stunden.
Wer mit dem Auto nach Monaco will, sollte beachten, dass Parkplätze knapp und teuer sind. Drei, vier Stunden Parken in einem der beschilderten öffentlichen Parkhäuser ist aber problemlos möglich und leistbar.
Wohnen in Monaco
Das sicher beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet das im Stadtteil Fontvieille gelegene Hotel Columbus (www.columbushotels.com). In der Nebensaison bekommt man das Doppelzimmer ab 145 Euro, was für Monaco geradezu eine Okkasion ist. Das moderne, durchgestylte Hotel ist sehr gut ausgestattet und auch für jüngeres Publikum bestens geeignet. Allerdings liegt in der Nähe der Heliport Monaco, so dass mit Hubschrauberlärm zu rechnen ist. In der Nacht wird aber nicht geflogen.
Hotels der absoluten Luxusklasse sind das „Hotel de Paris“, das „Hotel Métropole“, das „Hotel Hermitage“, das „Hotel Fairmont“ und das „Le Méridien Beach Plaza“ mit eigenem Strand. Wer sich Luxus leisten kann und will, wird sich in jedem dieser genannten Tophotels wohl fühlen.
Essen und Trinken
In Monaco gibt es unzählige Restaurants und Brasserien. Gut und relativ preiswert essen kann man am Hafen am Quai Antoine im Restaurant „Quai des Artistes“. Eine gute Location für den Snack zwischendurch oder den gemütlichen Kaffee ist das „Café de Paris“ am Casinoplatz. In Monaco gibt es zudem fünf Sterne-Restaurants, die über insgesamt acht Michelin-Sterne verfügen. Das beste und teuerste Restaurant ist das „Le Louis XV“ von Alain Ducasse. Diese Drei-Sterne-Institution befindet sich im am Casinoplatz gelegenen „Hotel de Paris“. Zwei Sterne hat das Restaurant von Joël Robuchon im „Hotel Métropole“.
Jüngeres, ausgehfreudiges Publikum trifft sich am Abend gerne in der Discothek „Rascasse“. Der Gastgarten der Disco befindet sich teilweise auf der Fahrbahn des Grand-Prix-Kurses. Während des Formel-1-Rennens lehnen die Gäste des „Rascasse“ direkt am Begrenzungszaun der Rennstrecke.
Einkaufen
Monaco ist die Welthauptstadt des großen Luxus. Es gibt viele sehr gute, aber auch extrem teure Einkaufsmöglichkeiten. Rund ums Casino sind Marken wie Hermès, Christian Dior, Louis Vuitton, Gucci, Chanel, Prada, Cartier, Bulgari, Piaget, Rolex und Co angesiedelt. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Casino befindet sich das Métropole Shopping Center, das 80 – auch preiswertere – Shops beherbergt.
Insider-Tipp
Monaco erkundet man am besten zu Fuß, man kommt dank kurzer Distanzen überall rasch hin. In die höher gelegenen Stadtteile führen teilweise öffentliche Personenaufzüge. Wer dennoch mit dem Auto anreist, sollte sich streng an die Verkehrsregeln halten. In Monaco ist die Polizei allgegenwärtig.
Veranstaltungskalender
Monaco ist die Stadt der Großveranstaltungen. Den Auftakt macht heuer die nun wieder zur Weltmeisterschaft zählende Rallye Monte Carlo (17. bis 22. Jänner). Fast gleichzeitig (19. bis 29. Jänner) geht das Zirkusfestival über die Bühne, das ganz Monaco in einen Tummelplatz für Artisten verwandelt.
Nächster Höhepunkt ist der Grand Prix für historische Rennwagen (11. bis 13. Mai). Der Formel-1-Grand-Prix von Monaco findet heuer von 24. bis 27. Mai statt. Wer kein Interesse an Motorsport hat, sollte Monaco zu dieser Zeit unbedingt meiden. Für Hotelzimmer werden horrende Summen verlangt, außerdem gibt es in und rund um Monaco ein gewaltiges Verkehrschaos.
Bootsfreunde hingegen kommen bei der Monaco Yacht Show (19. bis 22. September) voll auf ihre Rechnung.
Umfangreiche Informationen zu Monaco und einen detaillierten Veranstaltungskalender findet man bequem im Internet auf www.visitmonaco.com
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