Anders als beim legendären Skirennen können wir zwischen zwei Möglichkeiten wählen. „Mir kennen entweder von untn bergau oder von obn bergab gehen“, lässt uns unsere Begleitung Claudia an der Hahnenkamm-Talstation wissen.
Es ist ein Traumtag im September, das Schlüsselerlebnis heißt Wanderung auf der „Hahnenkamm-Rennstrecke“ - wir nehmen die Route von unten.
Los geht es durch den kühlen Wald und dann auf dem zügig ansteigenden Streif-Wanderweg über Almwiesen, bis die erste rote Flagge auf der Rennstrecke winkt. „Hausberg“ steht drauf. Vor dem inneren Auge zischen die Rennfahrer an mir vorbei über die berühmte Hausbergkante dem Ziel entgegen.
Im Zielraum, dort wo sonst die Rennfahrer ihre Skier hochreißen, zischen jetzt Golfbälle durch die Luft. Der 9-Loch-Platz beim Resort A-Rosa ist der älteste und heißt Golfclub Kitzbühel. Aber zum Golfgenuss kommen wir ein andermal hierher.
Für uns heißt es volle Konzentration auf die Streif. Rund eine halbe Stunde ist es noch bis zur „Zwischenbestzeit“ auf der Seidlalm.
Die Seidlalm liegt direkt an der Rennstrecke und ist so etwas wie eine Alpin-Kreuzung. Hier treffen die Streif-Bergabgeher auf die Aufsteiger. Und der Gaumen trifft auf die köstlichen Kasspatzln und den Apfelschmarrn. Der Frischkäse vom Senner Georg wird mit Tomaten und Basilikum kredenzt.
Wir dürfen zusehen, wie er den Käse macht und dann erzählt er uns, dass der Hansi Hinterseer hier auf der Seidlalm aufgewachsen ist. Überhaupt ist der Hansi so etwas wie das Wahrzeichen von Kitzbühel geworden.
Wahrzeichen Hansi
Rund 10.000 (!) Menschen sind Ende August zur „Hansi Hinterseer Fan-Wanderung“ angereist, um mit ihm von der Hahnenkamm-Bergstation zur Ehrenbachhöhe zu wandern. Der Sommer-Kontrapunkt zum Rennen auf der Streif sozusagen.
In der Geschichte des Alpinen Skiweltcup spielt die Seidlalm ebenfalls eine tragende Rolle. „Die Idee zum Alpinen Skiweltcup wurde 1966 hier geboren“, ist in goldenen Lettern an der Hauswand der Alm für immer verewigt.
Die Weltcupkugel und die Kitzbüheler Gams zieren die Gedenktafel auf dem Balkon mit Blick auf die Stadt.
Auch wenn der Ausblick umwerfend ist, die Devise lautet „Auffi muaß i!“ Es geht nun richtig steil weiter, so langsam bekommt man ein Gefühl dafür, wie es sein muss, auf eisiger Piste hier vorbeizurasen.
Nach dem Seidlalmsprung weiter durch die Alte Schneise und dann durch den Brückenschuss. Die nächste rote Torflagge trägt die Aufschrift „Steilhang“ und den Zusatz: „Eisigste Stelle und extrem hohe Fliehkräfte“. Gott sei Dank betrifft mich das in meinen Bergschuhen nicht.
Die meisten Wanderer wählen nun die breitere Forststraße, die in Serpentinen die Rennstrecke quert. Hier quälen sich auch die Mountainbiker hinauf – einmal die 800 Höhenmeter bis zum Starthaus schaffen! Ein Muss für jeden passionierten Bergradler.
Trägt die Kuh da oben im Hang Steigeisen? Der Blick in die „Mausefalle“ nötigt einem unendlichen Respekt ab, und wie sich das Weidevieh hier halten kann, ist unerklärlich.
Vor blauem Himmel ziehen Gleitschirmflieger locker über die Piste hinweg. Etwas weniger locker, aber dafür hartnäckig nehme ich das ultimative Steilstück in Angriff und dann, auf Augenhöhe mit der roten Torflagge, stockt mir kurz der Atem beim Blick in die Tiefe. „Steilste Stelle 85 Prozent, weitester Sprung 80 Meter“ ist da lapidar zu lesen.
Voll Respekt
Liebe Rennfahrer, die ihr jemals diese Strecke absolviert habt, ich ziehe meinen Hut noch tiefer, ehrlich!
Jetzt quert der breite Wanderweg ein letztes Mal die Rennstrecke und oben ist das Starthaus zu sehen. In Startposition stellen, Augen zu und die Strecke nochmal Revue passieren lassen. Das muss sein, wenn man hier oben angekommen ist.
Dann schweift der Blick über das unglaubliche Panorama rund um Kitzbühel und an einem klaren Tag wie heute bis zum Großglockner.
Mit der Hahnenkammbahn schwebt man von 800 auf 1670 Meter hinauf. Auf der anderen Talseite mit der Horn-Gipfelbahn auf 2000 Meter. Hier kämpfen sich seit 1971 die Teilnehmer des bekannten Kitzbüheler-Horn-Radrennens herauf. 865 Höhenmeter werden auf 7,1 km Streckenlänge absolviert – eine Herausforderung, die auch viele Hobbyradler gerne annehmen.
Und was hat Wandern und Radeln und Golfen mit den kulinarischen Verlockungen in Kitzbühel zu tun? Einiges, denn wer sich sportlich betätigt, darf sich hemmungslos (kalorienmäßig) den lukullischen Verführungen der Gamsstadt widmen.
Die Gourmet-Dichte Kitzbühels an Hauben und Sternen sucht im Alpenraum ihresgleichen und der Herbst malt nicht nur die schönsten Farben in die Landschaft, sondern hält auch in den Kochtöpfen Einzug. Gelierte Kitzstelze auf Steinpilz-Erdäpfelsalat ist da z.B. auf der Speisekarte zu lesen (Hotel Tennerhof) oder Tauernlamm mit pannonischem Safran, weißer Zwiebel und Schmortomaten (Resort A-Rosa).
Alpine Haubenküche
Im Berggasthof Hagstein am Kitzbüheler Horn warten geröstete Steinpilze mit Röstkartoffeln und frischen Kräutern. Und wo bekommt man Drei-Hauben-Kochkunst mit Golfplatzblick serviert? Bobby Bräuer vom „Petit Tirolia“ hat sich unter die 14 besten Restaurants in Österreich gekocht und hinterlässt mit seiner Menüfolge bei uns nicht nur am Gaumen nachhaltige Bewunderung. Wie macht er das?
Ich hab da so meine Ahnung. Die Luft, die Landschaft, die Berge – ich bin mir sicher, sein Höhenflug hat auch mit der Inspiration von Kitzbühel zu tun ...
Informationen: Kitzbühel Tourismus Kitzbühel-Reith-Aurach-Jochberg: www.kitzbuehel.com, Tel. 05356 66660 „Kitzbüheler Herbst“ mit diversen Veranstaltungen bis Anfang November, alle Bergbahnen und Hütten sind bis 26. Oktober 2011 geöffnet.
Hotel: Grand Tirolia Golf & Ski Resort, direkt am Golfplatz Eichenheim, Aurach bei Kitzbühel. www.grand-tirolia.com mit Restaurant Petit Tirolia
Anreise: Mit dem Auto von Linz über Salzburg und Lofer rund 215 km.
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