Diese neue erfrischende Trendsportart haben wir den Neuseeländern zu verdanken. Die sind ganz verrückt nach Schiffen aller Art. Bild: privat
Lange musste die Steyr auf die neue Sportart aus Neuseeland warten. Aber nun geht die Post ab. Eine Warnung vorweg: In einem unterscheidet sich die Trendsportart der „Kiwis“ nicht von allen anderen Wildwassersportarten. Das größte Hindernis beginnt immer beim Anziehen. Denn der Neopren-Anzug ist der natürliche Feind von allen, die es gerne luftig haben. Da muss man bei 30 Grad erst einmal hineinkommen. Wenig später ist aber jeder heilfroh, sich elegant „hineingeschält“ zu haben. Die Steyr hat nämlich selten mehr als elf Grad.
Warm ist das ohne Neopren-Ausrüstung nicht. Glauben Sie mir.
Riverbug ist eine neue Sportart, die aus Neuseeland kommt. Seit heuer kann man sie auch in Oberösterreich ausprobieren. Bei Philippe Cornelissen (34) und Gottfried Ramsebner (37) und ihrem Nature-Sports-Outdoorcamp und Hochseilgarten in Hinterstoder. Riverbug besteht im Wesentlichen aus drei Zutaten: einem wilden Fluss (Steyr), einer Art offenem Gummiboot und dem Eigenantrieb aus Hand- und Fußflossen, die zur Lenkung dienen. Gefahren wird nur bei Niedrig-Wasserstand von Mai bis September. Im Unterschied zu Rafting ist man in dem kleinen, wendigen Gerät sein eigener Kapitän. Der größte Vorteil ist jedoch, dass es in kürzester Zeit zu erlernen ist. Anders als beim Kajak-Fahren muss man nicht lange die rettende Eskimo-Rolle (Drehung bei gekentertem Boot) üben, sondern kann nach einer 20-minütigen Einschulung gleich loslegen. Nur Schwimmen muss jeder können.
Etwas oberhalb des Hochseilgartens, bei einem kleinen Steg, stechen wir bei wolkenlosem Himmel und 34 Grad in See – oder in Steyr genauer gesagt. Ausgerüstet mit speziellen „Froschhandschuhen“ aus Neopren zum Paddeln, komplettem Neopren-Anzug samt Schuhen, Schwimmweste, Helm und Taucherflossen geht es los.
Bremsen im Wildwasser
Das erste, was ein Riverbugger lernen muss, ist Kehrwasser fahren – quasi das Bremsen im Wildwasser. Von der Strömung ins ruhige Gewässer abbiegen und dort zum Stillstand kommen. Die Füße sind auf der offenen Seite des Bootes im Wasser (Achtung bei seichten Stellen und Steinen!), mit den Flossen tritt man rückwärts. „Wie beim rückwärts Radfahren“, sagt Gottfried, der Riverbug-Guide. Und tatsächlich, wie ein Schaufeldampfer bewegt sich das Boot plötzlich aus der Strömung. Ein Tipp für Anfänger: Rückwärts fahren ist im Riverbug leichter als vorwärts, weil das Boot so manövrierfähiger ist und mehr Kraft in den Füßen steckt, als in den Händen. Und bei gefährlichen Stellen kann man sich so elegant über die Hindernisse treiben lassen.
Das Riverbug besteht aus widerstandsfähigem PVC/Uräthan, ist eineinhalb Meter lang und wiegt nur sieben Kilogramm. Mit 700 Euro ist das Boot kein Schnäppchen. Zwischen zwei bananenförmigen Schläuchen liegt der Hartschaumsitz mit verstellbarem Rückenteil, dort macht es sich der Riverbugger im Wildwasser bequem. Zusätzlichen Auftrieb bietet das Luftkissen, das auch als Rückenstütze dient. Der Steyr sind diese technischen Details allerdings egal. Sie will dich dorthin treiben, wo sie will. Auch wenn das ein Felsen mitten im Fluss ist. Doch nicht mit mir. Schnell umgedreht, Rückwärts-Flossenantrieb und ein Titanic-Schicksal wurde gerade noch mal haarscharf vermieden. Wenn es einen bei Felsen und Stromschnellen doch einmal erwischt und das Riverbug kentert, „dann schau, dass du das Boot festhältst“, sagt Guide Philippe, der als Holländer vor zwölf Jahren in Hinterstoder gestrandet ist. Dafür sind die vier Haltegriffe schließlich da. Und ohne Boot ist es halb so lustig.
Die spektakulärste Stelle der Tour ist die alte Wehr. Ein fünf Meter hoher und ziemlich breiter Felsen, links und rechts führen Stromschnellen vorbei. Noch eine kurze Taktik-Besprechung mit den Guides im Kehrwasser und auf geht’s. Schön in der Mitte bleiben und nicht zu weit abdriften – das hätte der Fluss gerne. Einmal durchtauchen, gut festhalten – und geschafft. Die gefährlichste Stelle wurde vom Kapitän Thaler bravourös gemeistert. „War doch gar nicht so schwer?“, sagt der Holländer. Trotzdem hat bisher nur eine Frau das Riverbug-Abenteuer gewagt, obwohl der Sport familientauglich ist. Ab zehn Jahren ist man dabei. Nach sechs Kilometern abenteuerlicher Fahrt, mit Stromschnellen, ruhigen Streckenabschnitten zum Genießen und grandiosen Ausblicken, sind wir leider schon bei der Ausstiegsstelle – dem Gasthaus Steyrbrücke angekommen. Drei Stunden hat die Tour samt Einschulung gedauert. Eigentlich will man jetzt nicht mehr aussteigen und auf gar keinen Fall wieder ans heiße Büro denken. Wär’ man doch für immer Kapitän und Neuseeländer – die wissen, was Spaß macht.