Kontrovers ist die Diskussion darüber, welchen Sinn es hat, ein paar Tage lang Erntehelfer zu spielen, außer das eigene Gewissen zu beruhigen. Sinnvoller ist es da, auf ein paar Dinge zu achten, findet der Unternehmensverband „Forum anders reisen“. Denn Tourismus ist für viele Länder nicht nur eine wichtige Einnahmequelle. Tourismus kann Landschaften, Klima und soziale Gefüge zerstören.
Das wollen jene 160 Reiseveranstalter nicht, die sich im „Forum anders reisen“ zusammengeschlossen haben. Viel Wert legen die Anbieter darauf, dass die Reisenden Land und Leute kennenlernen. Deshalb muss man noch lange nicht bei einer Gastfamilie wohnen. Die Urlauber nächtigen aber keinesfalls in einer Hotelkette, sondern in Ferienwohnungen oder kleinen Betrieben, die auf Energie- und Wasserverbrauch achten, auf eine faire Bezahlung der Angestellten, auf einheimische Küche. „Das Geld der Touristen soll vor Ort bleiben und nicht in die Tasche eines weltweit operierenden, börsenotierten Konzerns fließen“, sagt Ute Linsbauer, Pressesprecherin von „Forum anders Reisen“.
Angeboten werden Familienreisen etwa auf den Biobauernhof oder nach Ecuador („Psst, mucksmäuschenstill sein! Nur auf leisen Sohlen können wir während eines Erkundungstrips auch die nachtaktiven Bewohner des Urwalds aus nächster Nähe hören und mit etwas Glück sogar sehen“), Urlaube für Singles, Frauen und Jugendliche. Bei Reisen für die Generation 50+ – zum Beispiel nach Andalusien – wird darauf geachtet, dass ausreichend Zeit bleibt, sich zu erholen und das Gesehene zu verarbeiten.
Aufs Fliegen kann dabei freilich nicht verzichtet werden – Städtetrips übers Wochenende sucht man aber vergeblich. Die Veranstalter achten auch hier darauf, mit Ressourcen schonend umzugehen: Besser eine Fernreise, die zwei Wochen dauert, als alle drei Wochen ein paar Tage herumzujetten, lautet das Motto.
Neben jedem Angebot sind auch die klimarelevanten Emissionen angegeben, die verursacht werden. 1600 Kilogramm sind das etwa für den Hin- und Rückflug für eine Person auf die Azoren. Wer möchte, kann dafür einen Beitrag an ein Klimaschutzprojekt spenden – die Höhe ermittelt ein eigener Klimarechner. Im Fall der Azoren-Reise wären das 39 Euro, die zum Beispiel an ein Brennholzkocher-Projekt nach Nigeria gehen.
Für besondere Unternehmensverantwortung im Tourismus hat „Forum anders reisen“ ein eigenes Siegel entwickelt. Alle Betriebe, die es bekommen, halten sich an die Kriterien – vom Papierverbrauch im Büro in Deutschland bis hin zur Müllentsorgung im Hotel in der Toskana oder in Tansania. Die Veranstalter werden stichprobenartig überprüft.
Laut Sprecherin Linsbauer steigt die Zahl der Urlauber, die sich für Nachhaltigkeit interessiert, stetig an. Die Hoffnung des Verbandes: Dass auch die großen Tourismuskonzerne zunehmend auf das Thema setzen.
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