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Göteborg ist Chinatown

Die Schweden sind zwar dankbar, doch so ganz wohl dabei dürfte ihnen nicht sein: Volvo gehört jetzt den Chinesen. Der bisherige Eigentümer Ford hat Volvo an den Autobauer Geely weitergereicht und dafür 1,5 Milliarden Euro kassiert.

Seit drei Wochen sitzt überdies mit Stefan Jacoby ein Deutscher auf dem Volvo-Chefsessel in Göteborg. Zuvor führte er die VW-Geschäfte in Nordamerika. Und er weiß, worauf er sich da eingelassen hat: „Volvo ist ein kleiner David im globalen Konkurrenzkampf.“

Die bisherige Jahresproduktion von 400.000 Stück ist zu niedrig. Und Li Shufu, sein neuer Boss, hat ihm schon ausgerichtet, was er erwartet: Volvo muss seine Stückzahlen in den nächsten Jahren verdoppeln.

Einen Fuß in Europa

Kurios ist, dass der neue Besitzer noch kleiner ist. Geely bringt es auf nur 300.000 Fahrzeuge im Jahr – egal: Es waren ja Chinas Strippenzieher, die entschieden, dass Geely den Fuß in die europäische Autoindustrie setzen darf.

Dass sie sich mit Volvo ein Juwel einverleibt haben, wissen die Chinesen. Es war ja ihr Ziel, hochklassiges Auto-Know-how einzukaufen. Und da haben die Schweden viel zu bieten. Vor allem im Bereich der Sicherheit setzt Volvo Maßstäbe.

Wie jetzt: die neuen Modellreihen S60 sowie V60 erkennen Fußgeher und leiten bis Tempo 35 km/h eine automatische Vollbremsung sein, sollte der Fahrer die Person übersehen. Ein bahnbrechendes Sicherheitsmerkmal, wie die OÖN im Volvo V60 probieren konnten.

Nach dem im Frühjahr präsentierten S60 ist das Kombimodell V60 nun das neueste Volvo-Modell, das ab November in Österreich verkauft wird.

Gespannt sind jetzt auch die Händler auf die Reaktion der Kunden: Werden sie akzeptieren, dass Volvo nun von China aus gelenkt wird oder ist ihnen der Eigentümerwechsel egal?

Volvo-Image wird gepflegt

Am Produkt wird es nicht liegen. Der V60 ist ein edler Sportkombi, vergleichbar mit BMW Dreier touring oder Audi A4 Avant. Ford hatte den Entwicklern freie Hand gelassen und dafür Sorge getragen, dass das Volvo-Image gepflegt wird.

Das ist auch am V60 erkennbar: hohes Sicherheitsniveau, bestechende Qualität, edler Komfort, schnörkellose Sachlichkeit. Freiere Hand hatten die Designer: Wie beim S60 ist der Sportkombi V60 mutiger und formbetonter gezeichnet.

Sportkombi und kein Kombi

Mit dem Hinweis auf seinen sportlichen Auftritt wird beim V60 ein kleinerer Kofferraum sowie wegen der hinten schräg nach unten verlaufenden Dachlinie auch weniger Kopffreiheit im Fond akzeptiert. „Unser Sportkombi konkurriert nicht mit einem echten Kombi“, sagt Außendesign-Chef Öran Stemer. Ein Eingeständnis, das gar nicht schwedisch klingt.

Den Chinesen, die mit der Entwicklung der 60er-Modelle noch nichts zu tun hatten, dürfte es gefallen. Ein stinknormaler Kombi ist das Letzte, was Chinesen kaufen würden.

Kommentare
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Artikel 04. September 2010 - 00:04 Uhr
Von Helmut Wahl
Bild vergrößern Göteborg ist Chinatown

Die Linien des neuen Volvo V60 verraten es: Der gestylte Auftritt geht zu Lasten der Kopffreiheit im Fond und des Kofferraums.  Bild: volvo

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