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Österreichs CO2-Dilemma

Österreich hinkt als einziger Staat der EU-15 den im Kyoto-Protokoll gesteckten Klimaschutzzielen nach. Hauptursache dafür ist der Verkehr. Doch ist Österreich wirklich der große Klimasünder? Lesen Sie, wie der Ost-Transitverkehr und der Tanktourismus unsere CO2-Bilanz negativ beeinflussen.

Dass Österreich als einziger Staat der EU-15 den selbst gesetzten Kyoto-Klimaschutzzielen nachhinkt, ist eine Tatsache, an der es nichts zu beschönigen gibt. Österreich wird sich deshalb beim Klimagipfel in Kopenhagen eine Rüge einhandeln.

Auch wenn es unschlüssig klingen mag: Das Verhalten der Österreicher an sich ist trotz der schlechten CO2-Bilanz nicht klimaschädlicher als das der Deutschen, der Italiener, der Schweizer, der Tschechen oder der Slowenen.

Für Österreichs Klima-Dilemma hauptverantwortlich sind drei Faktoren, die Österreichs CO2-Konto zwar massiv belasten, mit dem Kohlendioxidausstoß der Österreicher selbst aber nichts zu tun haben. Punkt eins ist der starke Transit-Verkehr. Punkt zwei ist der Kraftstoffexport, der im Volksmund treffend als Tanktourismus bezeichnet wird. Und die dritte Ursache ist die Politik, die den Tanktourismus wohlwollend in Kauf nimmt.

Doch was heißt Tanktourismus konkret und warum belastet er Österreichs Klimabilanz so massiv? Wenn ein deutsches, italienisches oder französisches Fahrzeug seinen Tank in Österreich volllaufen lässt und den Austro-Sprit im Ausland verbraucht, wird das im Ausland entstehende CO2 der österreichischen Klimabilanz zugerechnet.

Auf den ersten Blick erscheint diese Lösung ungerecht. Das ist sie aber nicht: Erstens gilt diese Regelung für alle EU-Staaten, und zweitens profitiert Österreich bei anderen Emissionsquellen davon. Importiert Österreich etwa Strom aus anderen EU-Ländern, belastet das die ausländischen CO2-Konten, während es die österreichische Klimabilanz entlastet.

7,2 Millionen Tonnen pro Jahr

2007 schlug sich der Tanktourismus mit 7,2 Millionen Tonnen CO2 in der österreichischen Klimabilanz nieder. Diese Menge entspricht 31 Prozent (!) der Gesamtemissionen des Straßenverkehrs.

Im Vergleich zu Italien und Deutschland gibt es in Österreich einen niedrigeren Kraftstoffpreis. Derzeit liegt der Preisunterschied zwischen 10 und 20 Cent pro Liter. Der kleine Grenzverkehr – etwa zwischen Braunau und Simbach – macht nur einen kleinen Anteil am gesamten Tanktourismus aus. Der Großteil erfolgt im Fernverkehr. Frächter arbeiten mit Betankungsplänen. Sie steuern die Betankung ihrer Lkw so, dass sie nach Möglichkeit während des Aufenthalts in Österreichs erfolgt. In den Tank eines Lkw passen bis zu 1400 Liter. Bei Flotten von mehreren 100 Fahrzeugen können internationale Großfrächter durch billigen Austro-Diesel Millionenbeträge einsparen.

Transit wirkt als Verstärker

Verstärkt wird der Tanktourismus durch die Transitlawine. So stiegen zwischen 1990 und 2007 die verkehrsbedingten CO2-Emissionen von 14,1 auf jährlich 24,3 Millionen Tonnen an – ein Plus von 72,6 Prozent.

Während die Sektoren Energiegewinnung, Raumwärme, Industrie und Landwirtschaft bei den Klimaschutzzielen halbwegs im Plan liegen, ist der Verkehrssektor jene Emissionsquelle, die Österreichs CO2-Bilanz aus dem Lot bringt.

Auch das Auto selbst gewinnt an Bedeutung. Der Personenverkehr auf der Straße steigt, während der öffentliche Verkehr kontinuierlich rückläufig ist. Die rein österreichische Fahrzeugflotte konnte den höheren Verkehr in den vergangenen Jahren durch effizientere Antriebe aber weitestgehend kompensieren. 2008 betrug der durchschnittliche CO2-Ausstoß der heimischen Pkw-Flotte 158 Gramm pro Kilometer. 2007 waren es noch 163 g/km.

Großer Profiteur des Tanktourismus ist der Finanzminister. Wie viel Geld der Staat einnimmt, lesen Sie im gelben Kasten nebenan.

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dann muss man aber auch rechnen, · von HiFri09 (1) · 13.12.2009 11:52 Uhr

dass Herr und Frau ÖsterreicherIn auch für CO2 Emissionen bei der herstellung all jener Güter verantwortlich sind, die zwar im Ausland produziert werden, aber bei uns konsumiert. Das ist viel mehr als der sog. "Tanktourismus". Siehe http://www.esgehtumwas.at/2009/12/11/wer-tragt-die-verantwortung-fur-treibhausgase-produzenten-oder-konsumenten/

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Motor Österreichs CO2-Dilemma · von macgyver (12) · 07.12.2009 07:44 Uhr

Das ist wieder typisch für die EU.
In Österreich will niemand den Transitverkehr oder den Tanktourismus, aber man darf degegen nichts machen, denn sonst wird man von der EU verklagt (vgl. Brennermaut).
Man darf den Transitverkehr nicht verbieten oder per Gesetz auf die Schiene verlagern oder die Maut für Transit-LKW auf z.B.: 1 EUR/km erhöhen (verstößt gegen freien Warenverkehr). Man darf auch nicht von nicht Österreichern höhere Preise für Kraftstoffe verlangen, da ja jeder EU Bürger gleich ist.
D.h. Österreich verpasst seine Klimaziel durch nicht beeinflussbare EU-Faktoren und wird womöglich noch dafür verklagt bzw. bestraft. Das gibt es auch nur in der EU und kann nur von Politikern ausgedacht werden.

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immer die EU · von Seval (248) · 07.12.2009 23:16 Uhr

Wer immer über die EU schimpft sollte auch mal darüber, dass da auch die Politiker unserer Parteien drinsitzen und mitentscheiden. Wenn also die EU blöde Vorgaben macht, sind normalerweise eh die Österreicher auch immer daran beteiligt.
Ist halt immer a gute Ausrede für die regionale Politik.

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Artikel 05. Dezember 2009 - 00:04 Uhr
Von Thomas Grumböck
Bild vergrößern Österreichs CO2-Dilemma

Straßenverkehr: Die blauen Balken zeigen den CO2-Ausstoß, der tatsächlich in Österreich entsteht. In den roten Balken ist der Tanktourismus mit eingerechnet. Der Sprit wird im Ausland verbraucht, die CO2-Emissionen belasten aber Österreichs CO2-Konto.  Bild: OÖN

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