Es gibt Berechnungen, die aufgrund des derzeitigen Gesundheitsstatus der Kinder und Jugendlichen bis 2030 Mehrkosten von 1,6 Milliarden Euro jährlich voraussagen. Bis 2050 soll dieser Betrag sogar auf 3,7 Milliarden ansteigen.
Fast alle sogenannten Lebensstilerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme und chronische Krankheiten haben ihre Wurzeln in der frühesten Kindheit. Dem Gestalten gesunder Lebensräume in der frühen Kindheit kommt deshalb große Bedeutung für die weitere Entwicklung zu. „Kindergesundheit ist mehr als Krankenversorgung. Das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen hängt davon ab, wie sie wohnen, wo sie spielen, was sie lernen, ob sie arme oder reiche Eltern haben. Und schließlich – und das ist wohl das Wichtigste – hängt es davon ab, wie viel Liebe, Fürsorge und Unterstützung sie bekommen“, sagte Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium gestern, anlässlich der Präsentation des Berichts zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich 2012.
Kinder als Zielgruppe
Die gute Nachricht des Berichtes, der bereits zum dritten Mal von der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit erstellt wurde, lautet: „Die Anliegen der Kinder- und Jugendgesundheit sind endlich in der gesundheitspolitischen Diskussion angekommen.“ Kinder und Jugendliche, die rauchen oder Alkohol trinken, die verwahrlost oder zu dick sind, würden nicht mehr als störend, sondern als wesentliche Zielgruppe für Gesundheitsmaßnahmen verstanden.
Kinder- und Jugendgesundheit ist keinesfalls eine rein medizinische Frage. Sie ist genauso bedingt durch das soziale Umfeld, Familie, Schule und Gesellschaft. „Kinder brauchen in der frühen Phase vor allem Sicherheit und Geborgenheit, in der Jugend die Möglichkeit, ihre Potenziale zu entfalten“, sagte der Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, Klaus Vavrik. Gesundheitsziele sollte man nicht nur für sie, sondern mit ihnen entwickeln.
Aber wissen Kinder auch, was Wohlbefinden und Gesundheit schafft? Laut Gesundheitsbericht ist die Antwort eindeutig: Ja, wenn sie ihre Chance erhalten. Sie verlernen es aber leider auch sehr schnell, wenn ihre Bedürfnisse unerfüllt bleiben.
„Kinder wünschen sich vor allem Freundschaft, Sicherheit, Familie, Ruhe und Sport“, sagte Vavrik. Dem stünden die in Österreich herrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entgegen: „Wir haben zum Beispiel 20 Prozent Kinder und Jugendliche, die zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen.“
Am meisten Ärger bereitendem Nachwuchs Gewalt und Streit sowie Verbote, Ungerechtigkeit und die Einschränkung des Lebensraumes. In der Befragung der Fünf- bis 14-Jährigen stecke viel Weisheit drinnen, sagte Vavrik.
Pointiert formuliert könnte man sagen: „Lasst uns Kinder und Jugendliche fragen und damit Millionen sparen.“
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