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Carl Djerassi: „Ich bin die Mutter der Pille“

Sein Name, Carl Djerassi, ist nur wenigen bekannt, seine Erfindung, die Antibabypille, aber in aller Munde, richtiger gesagt, im Mund vieler Frauen. Heute vor 50 Jahren kam das erste orale Verhütungsmittel in den USA auf den Markt. 1962 wurde das Präparat unter dem Namen Anovlar auch in Österreich zugelassen. Djerassi selbst nennt sich in seiner Autobiografie die „Mutter der Pille“. Er leistete die entscheidenden Forschungen dazu, Djerassi schaffte es, das Sexualhormon Norethisteron künstlich herzustellen.

Der 1923 in Wien geborene österreichisch-amerikanische Chemiker bezeichnet sich als intellektueller Polygamist. Er ist Wissenschafter, Kunstsammler, Mäzen und Schriftsteller. Der emeritierte Professor der Stanford University, der mit 21 Ehrendoktorhüten ausgezeichnet ist, hat 1200 wissenschaftliche Publikationen herausgegeben, ihm gelang unter anderem die Synthese von Cortison.

Der Sohn eines jüdischen Ärzteehepaares musste wegen der Machtergreifung der Nazis über Bulgarien in die USA emigrieren. Eigentlich wollte Carl dort die Familientradition fortführen und Medizin studieren, konnte sich das Studium zunächst aber nicht leisten. Stattdessen studierte er Chemie und arbeitete nach der Diplomarbeit ein Jahr lang in der Pharma-Industrie, um genug Geld für seine Medizinausbildung zu verdienen. Das gefiel ihm so gut, dass er beschloss, chemische Forschungen mit medizinischer Anwendung zu machen.

Nach einer Krebsdiagnose begann für den über 60-Jährigen in den 80er-Jahren ein zweites Leben: „Ich habe mich damals entschlossen, wenn ich das wirklich überleben würde, noch ein anderes intellektuelles Leben zu führen. Und dann ging ich in die Literatur“, sagte Djerassi in einem Interview. Er etablierte mit seinen Büchern und Theaterstücken das neue Genre „Science-in-Fiction“. Darin verpackt er wissenschaftliche Themen, um einem breiten Publikum die dahinterstehenden komplizierten Vorgänge verständlich zu machen. Wien, New York und San Francisco sind wichtige Stationen im Leben des Chemikers.

In der Nähe von Wood-side in Kalifornien gründete er nach dem Selbstmord seiner 28-jährigen Tochter, einer begabten Malerin, eine Künstlerkolonie. Zur Finanzierung verkaufte er einen Teil seiner Kunstsammlung. Nur die Bilder von Paul Klee behielt er. Auf die Frage, ob er mit dem Erreichten zufrieden sei, sagt der 86-Jährige: „Ich habe noch allerlei Sachen vor. Wichtig ist, dass mein Hirn noch funktioniert und ich sehen kann. Momentan habe ich diese Probleme nicht.

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Artikel 18. August 2010 - 00:04 Uhr
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