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Knirschen in der Nacht

Die einen zeigen sie aggressiv untertags und die anderen reiben sie sich nächtens auf, die Zähne. Nächtliches Zähneknirschen ist keine Seltenheit und meist durch Stress oder inneren Druck bedingt.

Auf die Frage des Zahnarztes „Knirschen Sie nachts mit den Zähnen?“ zucken viele unwissend die Achseln, es sei denn der Nebenschläfer/die Nebenschläferin ist von den Mahlgeräuschen schon einmal aufgewacht und weckte den „Wiederkäuer“. Mag sein, dass dieser morgens einen Muskelkater im Kaumuskel spürt.

Bruxismus nennen Zahnmediziner das Knirschen, eine unphysiologische Funktion im Kauorgan, zu denen auch das unbewusste Knabbern an den Lippen, der Zunge oder den Innenseiten der Wangen zählt.

Risse im Zahnschmelz

Beim Knirschen schmirgelt das permanente Reiben der Zähne aufeinander den Zahnschmelz weg – sie ist die härteste Substanz, die der Körper bilden kann. Vor allem betrifft dies die Schneidezähne, deren Zahnkronen sich abwetzen. Mit der Zeit entstehen Abreibflächen, auf denen die Kiefer wie auf einer Rutschbahn hin und her gleiten können. Manche pressen die Zähne so heftig aufeinander, dass Risse im Zahnschmelz entstehen. Dies kann zu sehr empfindlichen Zähnen führen.

Die massive Reibung Nacht für Nacht belastet auch das Zahnbett, sodass sich das Zahnfleisch zurückzieht. Entzündet sich dieses zusätzlich, können sich Zähne lockern. Auf Dauer kann sich die Muskulatur verhärten und verkürzen, was sich in Kopf- oder Nackenschmerzen zeigt.

Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung kauen nachts ihre Probleme noch einmal durch. Besonders häufig betroffen sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren. Viele von ihnen befinden sich beruflich und/oder familiär in einer aufreibenden Lebensphase.

Ursachen der nächtlichen Beißarbeit sind in manchen Fällen schiefe Zähne, Fehlstellungen des Kiefers oder schlecht sitzende Füllungen. Ein Hauptfaktor aber ist Stress. Wer z.B. unter starkem inneren Druck steht, berufliche und/oder private Konflikte, bevorstehende Prüfungen oder finanzielle Probleme hat, wer seine Aggression unterdrückt oder gemobbt wird, mag sogar nächtens noch „die Zähne zusammenbeißen“ oder sich „durchbeißen“.

Man kann aber nicht von einer typischen Knirscherpersönlichkeit sprechen. Vielleicht spielen auch die Gene eine Rolle, meinen Experten, weil es ganze Knirscherfamilien gibt. Bis heute weiß man nicht, wie das Knirschen im Hirn gesteuert wird. Erkennen lassen sich die Spuren des Knirschens im Spiegel. Wenn die Kanten der vorderen Ober- und Unterkieferzähne beim Gegeneinanderreiben exakt aufeinander passen, gehört man zu den Knirschern.

Inneren Druck abbauen

Abhilfe bringt eine Aufbissschiene. Man setzt den Schutz aus Kunststoff vor dem Schlafengehen ein. Die Kauleiste trägt man meist am Unterkiefer, weil sie dort besser hält. Man kann auch Schienen speziell und individuell anfertigen lassen.

Erste Hilfe für eine verspannte und verkürzte Kaumuskulatur sind Massagen und Wärmebehandlungen. Programme zur Stressbewältigung und Entspannungstechniken können auf Dauer zu knirschfreien Nächten verhelfen. Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung sowie Biofeedback gehören dazu.

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 04. März 2009 - 00:04 Uhr
Von Christine Radmayr
Bild vergrößern Knirschen in der Nacht

Nicht bewältigter innerer Druck und negativer Stress können sich in nächtlichem Zähneknirschen Luft machen.  Bild: ges

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