Der Body-Mass-Index teilt die Menschheit ein: in Normalgewichtige, in Unter- und Übergewichte sowie in Fettsüchtige. Jenen, die durch den BMI (Berechnungsformel: Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat) als zu dick definiert werden, sollen eher Krankheiten wie Herzinfarkt und Darmkrebs drohen. Das bedeutet für Ärzte: Menschen mit einem BMI über 25 (Übergewicht) oder gar über 30 gelten als Risikopatienten und brauchen eher medizinischen Beistand oder Hilfe durch ein Diätprogramm. Selbst die Weltgesundheitsorganisation nennt den BMI seit mehr als einem Jahrzehnt als wichtigsten Parameter in Sachen Körpergewicht.
„Der BMI ist ungeeignet!“
Eine neue Studie von Medizinern der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität kommt jetzt zum Ergebnis, dass der BMI für die Abschätzung der Krankheitsgefahren schlicht nicht taugt. „Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen“, sagt Studienleiter Harald Schneider. Der BMI sei nicht als Indikator für Krankheitsrisiken geeignet, die mit Übergewicht verknüpft seien, schreiben Wissenschaftler im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“.
Schon frühere Studien hätten gezeigt, dass so genannte Übergewichtige mit einem BMI zwischen 25 und 30 länger leben als Normalgewichtige und dass erst ab einem BMI über 35 die Lebenszeit wieder verkürzt ist. Für die aktuelle Untersuchung wurden Daten von rund 10.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von vier bis achteinhalb Jahren ausgewertet.
Als Messgröße bringt der BMI gleich mehrere Probleme mit sich. Zum einen unterscheidet er nicht zwischen Fett und Muskeln. Aber es gibt noch einen zweiten Knackpunkt: Fett ist nicht gleich Fett, zeigen neue Studien. Es gibt „gutes Fett“ an Hüften, Oberschenkeln und Gesäß. Dieses erhöht – laut Wissenschaft – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht. Es kann sogar schützen.
Gutes Fett, böses Fett
Das „böse“ Fett um den Bauch (auch im Bauchraum und um die Organe) kann dagegen schädliche Fettsäuren und andere Stoffe an den Körper abgeben, die unter Umständen Entzündungen hervorrufen. Dieses böse Fett beeinflusst den Stoffwechsel und kann Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte und Blutzucker fördern.
Treffsicherer mit einem Blick auf das Krankheitsrisiko ist daher statt des BMI eigentlich ein ganz anderes Maß: der Taillenumfang geteilt durch Körpergröße in Zentimeter – kurz WtHR „Waist to Height Ratio“ genannt. Gemessen wird etwa in Nabelhöhe. „Je höher dieser Wert ist, desto größer ist das Risiko“, sagt Schneider mit Blick auf Herzinfarkt und Schlaganfall.
Für jeden, der jetzt das Maßband zücken will, gilt: Die Forscher haben – mit dem Vorbehalt, dass weitere Studien dies stützen müssten – Grenzwerte für dieses Maß vorgeschlagen. Sie gelten für Männer und Frauen gleichermaßen, ändern sich allerdings mit dem Alter: Für unter Vierzigjährige ist ein Wert über 0,5 kritisch. Bei den über Fünfzigjährigen liegt die Grenze bei 0,6, im Alter von 40 bis 50 zwischen 0,5 und 0,6. (bar)
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