OÖN: Die Kinder streiten wie so oft, und wieder stellt sich die Frage: Wie mische ich mich als Elternteil „richtig“ ein?
Pirklbauer: Am besten gar nicht! Es ist der Streit der Kinder und nicht meiner. Ich greife da ein, wo ich für mich ein Problem habe: wenn die Kinder sich hauen, wüst beschimpfen... Dann spreche ich an: „Ich mag das nicht, wenn ich sehe, dass du hinhaust.“ Ich bereite den Kindern einen Rahmen, um den Streit selbst zu lösen.
OÖN: Das klingt so einfach und logisch, aber in der Praxis ist man dann meist schon viel zu genervt, um vernünftig mit den Streithähnen zu kommunizieren...
Pirklbauer: Ich kann mich nicht um mich selbst und die Kinder gleichzeitig kümmern. Wenn sich das verwischt, wird’s oft kompliziert. Wenn mich der Lärm nervt, muss ich mich um mich selbst kümmern und den Raum verlassen. Wenn das nicht möglich ist, zum Beispiel im Auto, kommuniziere ich: „Kinder, ich halte die Lautstärke nicht aus.“ Dann bleibe ich bei mir, denn für mich als Elternteil ist nicht der Inhalt des Streits Thema.
OÖN: Soll man versuchen, zwischen Geschwistern, die sich nicht so gerne haben, zu vermitteln?
Pirklbauer: Es ist ein Mythos, dass sich Geschwister gerne haben müssen. Man muss sich nicht gern haben, aber respektvoll behandeln. Kinder dürfen selbst entscheiden, wen sie mögen. Das kann man nicht erzwingen. Aber nur, weil Kinder viel streiten, heißt das gar nichts. Manche hauen sich als Kind fast den Schädel ein und verstehen sich als Erwachsene prächtig.
OÖN: Und wenn die Streitereien gar zu aggressiv werden?
Pirklbauer: Aggressionen sind nicht schlimm, sondern natürlich und gesund. Sie gehören zum Streiten dazu. Gefährlich ist es dann, wenn man sie negiert. Ich spreche sie als Elternteil an: „Ich sehe, du bist wirklich stinksauer auf deinen Bruder!“ Bei Rivalitäten, die ja ständig da sind, gehört das Unterschwellige auf den Tisch. Kinder erzählen dann oft sehr frei, woran der ewige Streit liegt.
OÖN: Mamas Liebling, Papas Großer – „dürfen“ Eltern Lieblingskinder haben?
Pirklbauer: Das ist ein großes Tabuthema unter Eltern, aber es gibt viele, denen es so geht. Das ist ganz normal. Zu gewissen Zeiten ist einem ein Kind näher, dann wieder das andere. Man versteht sich ja auch mit dem Partner nicht immer gleich gut. Alle immer gleich zu lieben ist unmöglich und schafft nur Stress.
OÖN: Ich nehme nur einem Kind eine Puppe mit, das andere geht leer aus. Wie gehe ich mit dessen Enttäuschung um?
Pirklbauer: Ehrlich sein. Den Kindern sagen: „Wir sind nicht gerecht. Das Leben ist so.“ Wenn es weint, Gefühle ansprechen: „Du hast das Gefühl, du bist mir weniger wichtig...“ Die Kinder wollen Gefühle anbringen. Darum geht es, nicht um das, was in der Hand liegt. Demjenigen das geben, was er braucht, wenn’s gerade notwendig ist. Sonst müsste man ja über jedes Geschenk Buch führen.
OÖN: Ist es überhaupt möglich einen Kinderstreit gerecht zu lösen?
Pirklbauer: Nein, das ist unmöglich, denn jedes Kind hat aus seiner Sicht recht. Wenn es zum Beispiel um ein Spielzeug geht, das beide haben wollen, soll man die Kinder eine Lösung finden lassen. Die muss aber nicht für uns richtig und fair sein! Wenn sie sich einigen, dass der Ältere es fünf Mal die Woche hat, der Jüngere nur zwei Mal, dann ist das okay.
OÖN: Soll man als Eltern Streit vor den Kindern vermeiden?
Pirklbauer: Kinder haben selten Probleme damit, dass Eltern unterschiedlicher Meinung sind. Es ist wichtig, dass Kinder erleben, man kann einen Streit bereinigen und trotzdem respektvoll miteinander umgehen. Aber natürlich ist nicht alles für Kinderohren bestimmt. Aber sie sollen sehen, dass es eine Lösung gibt, die für beide passt. Sonst glauben die Kinder, Streit ist etwas Schlimmes, das darf man nicht. Die Familie ist da ein gutes Übungsgebiet.
Vortrag: „Hilfe! Meine Kinder streiten!“, Donnerstag, 15. März, 18–21 Uhr, ElternKindZentrum Wels
Buchtipp: Monika Schloß (Hrsg.): „Wie Geschwister Freunde werden“, Verlag Oberstebrink Eltern-Bibliothek, 206 Seiten.
Die Naikan-Methode: Schweigen
Eine Möglichkeit, schmerzende Erinnerungen aus der Kindheit zu bearbeiten, ist die Naikan-Methode. Naikan-Leiter Ernst Stockinger bietet diese „japanischen Schweigewochen“ für Interessierte in Linz an.
Zu Ernst Stockinger (41) kommen Menschen, die belastende Erinnerungen, die vielfach aus der Kindheit stammen, hinter sich lassen wollen. „Naikan kommt aus Japan. Es bedeutet Innenschau. Man begibt sich bewusst in die Stille, einen meditativen Rahmen, um die eigenen Erinnerungen neu zu strukturieren“, sagt Stockinger.
Es dauert in der klassischen Form eine Woche, in der man schweigt, über bestimmte Kernfragen nachdenkt und diese mit dem Naikan-Leiter besprechen kann. Was geschieht in dieser Woche des Schweigens in einem selbst? „Ich hole Unbewusstes wieder ins Bewusstsein und verändere damit die Sicht auf einzementierte Wertungen innerhalb meiner Beziehungen zu Eltern, Kindern, Geschwistern und Partnern“, sagt der 41-Jährige.
Bestimmte Bilder aus der Kindheit, die auch im Erwachsenenleben immer wieder schmerzen, tauchen auf: Der Vater, der mich stundenlang im Auto sitzen und warten lässt, während er im Gasthaus trinkt. Der große Bruder, der die teuren Atomic-Ski unterm Christbaum liegen hat und ich nur seine abgelegten, billigen. Die Mutter, die, anstatt mir etwas Gutes zu kochen, nur auf den Tisch bringt, was mir überhaupt nicht schmeckt.
„Es dreht sich darum: Man hat nicht das bekommen, was man gerne bekommen hätte. Wenn man erwachsen ist, sieht man oft nur das, was man von den Eltern nicht bekommen hat und was die Geschwister vermeintlich mehr bekommen haben. So schaue ich ständig nur ins Defizit“, sagt Stockinger.
Mit der Naikan-Methode soll sich das Herz öffnen, um sich bewusst zu werden, wie viel man trotz allem von Eltern und Geschwistern erhalten hat. Man stellt sich unter anderem die Frage: Was hat die Person, die ich betrachte, für mich getan? „Es gibt bei jedem Verletzungen durch die Herkunftsfamilie. Speziell in der Kindheit geben einem Eltern, aber auch Geschwister sehr viel. Naikan lehrt zu verzeihen und zu akzeptieren. Nach so einer Woche fühlt man sich oft sehr beschenkt“, sagt Stockinger.
Infos: www.naikido.at
Seit Menschengedenken wird uns eingeredet wie wichtig und wertvoll Familie ist-nichts ist enger als blutsverwandt und die Glorifizierung von Heirat und Kinderkriegen ist nicht einmal in unserer modernen Zeit wegzudenken,so intensiv wird und wurde uns das eingeprägt!!! leider sieht und sah die Realität in sogenannten ehrbaren Familien ganz anders aus!Gewalt und Hiarchie männlich dominant und frauenverachtend waren und ist noch immer die heile Welt der Familie!! Politiker und ewig Gestrige legen immer das Mäntelchen der wichtigsten Zelle(Familie)drum herum-dadurch werden Ehelpartner,Geschwister usw. durch Glorifizierungen und Halbwahrheiten zur ewigen, treuen Blutsverwandtschaft gezwungen,die durch ncihts erschüttert werden kann und darf(nicht einmal durch Missbrauch und Gewalti.d.Familien)!!ein Phänomen dessen sich nicht mal die Wissenschaft traut, anzuzweifeln??????Verblödung gewollt??
Pfarrer Rubatscher: „Man muss wart’n können und Schutzengel hab’n“
Scherer: „Gott sei Dank gibt es noch enorm viele Probleme“
Jukic verpasste Bronze hauchdünn, aber der Weg Richtung London stimmt
Ehezwist um Eurobonds: Worum es zwischen Kanzler und Vizekanzler geht