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Zu oft Psychopharmaka für Kinder „Psychotherapie wär’ sinnvoller“

Die Zahl der Kinder, die Psychopharmaka nehmen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Doch Medikamente allein helfen nichts. Es braucht Gespräche und Plätze für Psychotherapie – und diese sind Mangelware“, sagt Primar Michael Merl.

Stress und Druck im Leben von Kindern und Jugendlichen nehmen zu, Familiensysteme sind überlastet, Kinder reagieren auffällig, Eltern nervös. Die Folgen: psychosomatische Beschwerden, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit und Schlaflosigkeit schon in jungen Jahren. „In den vergangenen zehn Jahren wurden in der Landeskinderklinik 30 Prozent mehr Volksschüler mit psychosomatischen Erkrankungen stationär aufgenommen“, sagt Eveline Doll, Initiatorin der Kinderlobby.

Die deutsche Techniker Krankenkasse spricht davon, dass die Zahl der Kinder, die Psychopharmaka erhalten, in den vergangenen fünf Jahren um 32 Prozent gestiegen sei. Den Grund für die gestiegenen Verschreibungen sehen Experten in dem hohen Druck, dem Kinder und Jugendliche heute ausgesetzt sind.

Leistungsfähiger mit Pille?

„In Österreich gibt es keine Statistiken über die Verschreibungspraxis. Aber auch ich höre, dass Eltern immer öfter den Wunsch äußern, ihre Kinder mit Medikamenten leistungs- und konzentrationsfähiger und ruhiger zu machen“, sagt Michael Merl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Kinderklinik Linz.

Aus seiner Sicht gehören Psychopharmaka, also Medikamente, die in den Hirnstoffwechsel des Menschen eingreifen, nicht in die Hände von Hausärzten, selten in jene von Kinderärzten, sondern in die Hände von Kinder- und Jugendpsychiatern. „Mit diesen Medikamenten kann ich Kinder zwar ruhigstellen – die Tabletten machen aber nur Sinn, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt“, sagt Merl. „Wenn Kinder aus überlasteten Familiensystemen kommen und Eltern selbst traumatisiert sind, braucht es eine Psychotherapie für alle Beteiligten. Doch Plätze für Kinder sind schwer zu bekommen. In Oberösterreich muss man zwei bis sechs Monate warten“, kritisiert der Experte. Sinnvoll wären maximale Wartezeiten von zwei Wochen. „Meist sollte das gesamte Familiensystem beleuchtet werden. Folgt eine Therapie, kann das Monate dauern, bis eine Besserung eintritt.“

Psychopharmaka bei Kindern einzusetzen sei auch deshalb so schwierig, weil nur wenige Präparate geeignet seien. „Zudem braucht diese medikamentöse Behandlung immer eine fachärztliche Begleitung“, sagt Merl.

 

Ritalin

Ritalin heißen jene Tabletten, die Kindern bei der Diagnose „ADHS“ (Aufmerksamkeits Defizit Hyperaktivitäts Störung) oftmals verschrieben werden. „Die Kontroversen rund um dieses Medikament sind nach wie vor groß. Über Langzeitschäden ist bis dato nichts bekannt“, sagt Primar Merl. Zudem werde es keinem Kind verschrieben, wenn die Eltern dies ablehnen.

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Psychopharmaka für Kinder? · von wawa (213) · 13.12.2011 13:26 Uhr

Wie wärs mal mit altmodischer Kindererziehung? Damit meine ich keine Schläge sondern sich Zeit nehmen für die Kleinen und deren Erziehung, und sie nicht zu viel vor Fernseher und Computer sitzen zu lassen!
Dann werden unsere Kinder auch mental stärker werden und brauchen nicht immer gleich ein Tabletterl zum Wohlfühlen.

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Wie wär's mal, wenn Du auf ein... · von sumpfdotterblume (848) · 13.12.2011 14:17 Uhr

...ADHS-Kind (eindeutige Diagnose) drei Tage aufpasst?! Ein Kind, das früh aufsteht (Das tun die nämlich) und das spät in der Nacht erst schläft (Das tun die nämlich auch). Und dazwischen mit eingeschaltetem Turbo durchs Leben zischen!

Wie ich schon geschrieben habe: All jene, die KEINE Erfahrung mit ADHS-Kindern haben, wissen's immer besser.

Ich kann dir genug Geschichten erzählen, die klingen unheimlich lustig, sind's aber nicht.

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@sumpfdotterblume · von wawa (213) · 13.12.2011 14:32 Uhr

Im Artikel geht es aber nicht explizit um ADHS-Kinder. Natürlich muss man Psychopharmaka verschreiben wenn sie in medizinischer Hinsicht notwendig sind.
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass in den letzten fünf Jahren die Anzahl von ADHS-Kindern um 32% gestiegen ist, nur weil um 32% mehr Tabletten geschluckt werden. Offensichtlich werden da auch unnötig Tabletten verteilt.
Ich hab übrigens auch 3 kleine Kinder, zwar nicht mit ADHS aber doch anstrengend - da muss man durch.

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Artikel 13. Dezember 2011 - 00:04 Uhr
Barbara Rohrhofer
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Primar Michael Merl bei der Arbeit mit einem Kind.  Bild: Kinderklinik

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