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Unsere exotischen Haustiere

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Pythons (hier ein Tigerpython) sind eher aggressiv.  Bild: Weihbold

Neben Hunden, Hamstern und Katzen gibt es noch andere Haustiere. Nämlich Amphibien und Reptilien. Zwei Vertreter dieser weniger kuscheligen Gattungen, eine Boa Constrictor und eine Äskulapnatter, haben diese Woche in Österreich mit ihren „Fluchtversuchen“ gehörig Staub aufgewirbelt.

Im Mega Zoo in Leonding, einer Tierhandlung, die sich auf exotische Arten spezialisiert hat, ist man mächtig stolz. Vor wenigen Tagen kamen zum dritten Mal junge Süßwasserrochen zur Welt. Insgesamt leben nun vier „Baby-Rochen“ in der Tierhandlung.

Gefährlich sind für die jungen Rochen vor allem die ersten Tage. „Sobald sie futterfest sind, also Nahrung fressen, ist alles Ordnung“, sagt Filialleiterin Erika Ernst. Im Falle der jungen Rochen heißt Nahrung Regenwürmer und Gammarus.

Der Süßwasserrochen ist das einzige Tier im Mega Zoo, von dem man prinzipiell behaupten kann, es sei gefährlich. „Rochen haben einen Giftstachel“, sagt Norbert Marschallinger. Der gebürtige Pregartner ist Geschäftsführer von Mega Zoo Österreich. „Man müsste allerdings auf ihn draufsteigen oder eine allergische Reaktion aufweisen, um gestochen zu werden, beziehungsweise daran zu sterben.“

Gifttierhaltung ist in Österreich – no na – Ländersache. In Oberösterreich ist sie beispielsweise erlaubt. Jedoch müssen die Halter eine Prüfung ablegen, Auflagen einhalten und sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Exotische Tiere – oder Wildtiere, wie es im Gesetzestext heißt – sind nur auf Bewilligung der Gemeinde zulässig. Sprich: Alles, was nicht Haus- oder Heimtier ist, muss registriert werden. Leider, weiß Karl Wampl, Landesveterinärdirektor Oberösterreichs, gibt es auch eine Dunkelziffer von nicht gemeldeten, giftigen Haustieren. „Das ist so wie mit den zehn Geboten, es gibt sie, aber nicht jeder hält sich dran.“ Fälle im Zusammenhang mit exotischen Tieren, bei denen ein Mensch zu Schaden gekommen wäre, kennt Wampl nicht.

Die Panik, die in der vergangenen Woche um die ausgebüxte Boa verbreitet wurde, ist für Erika Ernst unverständlich. „Eine Boa ist weder aggressiv noch giftig“, sagt sie. „Sie frisst auch keine Kinder.“ Vielmehr, glaubt sie, ist es die Angst vor dem Fremden, dem Exotischen, die die Menschen in Panik verfallen lässt – also eine Phobie. Verständlich, denn wer möchte schon, auf der Straße oder sonst wo, unvorbereitet auf eine drei Meter lange Schlange stoßen?

Ganz ungefährlich sei die Boa allerdings doch nicht, warnt Robert Riener, Reptilienkurator des Hauses des Meeres in Wien. „Mit einer drei Meter langen Würgeschlange ist nicht zu spaßen: Kleinkinder passen durchaus ins Beuteschema. Auch für Erwachsene kann eine Boa oder ein Python lebensgefährlich sein. Drei Meter lange Würgeschlangen bestehen aus rund 20 bis 30 Kilogramm purer Muskelmasse. Aus deren Griff kann man sich ohne Hilfe nicht so leicht befreien.“

Von einem generellen Verbot von exotischen – auch giftigen – Tieren will Marschallinger nichts wissen. „Es geht um den Kontrollmechanismus. Wenn sichergestellt ist, dass die Tiere artgerecht und für den Menschen sicher gehalten werden, dann geht auch keine Gefahr aus.“ Giftige Tiere werden im Mega Zoo in Leonding nicht verkauft. „Ich fände es unverantwortlich“, sagt Marschallinger.

Warum überhaupt exotische Tiere gehalten werden, weiß Dieter Esterer, Aquaristikmanager bei Mega Zoo: „Es ist primär das biologische Interesse. Die meisten Tierhalter gehen sehr ins Detail, informieren sich genauestens über das Tier, bis sie alles darüber wissen. Vor allem Kinder sind sehr neugierig. Ein paar Wochen nachdem sie so ein Tier gekauft haben, kennen sie schon sämtliche Fachausdrücke. Die können einen ganz schön fordern, darum müssen wir uns ständig weiterbilden.“

Ein großes Problem bei der Haltung ist allerdings die Ausdauer. Viele bedenken nicht, dass die Tiere wachsen. Wasserschildkröten beispielsweise sind bei der Anschaffung noch klein, brauchen aber später ein 1000-Liter-Becken. „Wenn sie den Besitzern dann zu groß sind, bringen sie sie in Aufnahmezentren oder setzen sie einfach aus. Letzteres führt zu einer Faunaverfälschung.“

Vorkommnisse wie jenes in Graz (Boa) oder in Bad Ischl (Äskulapnatter) führen schnell zu einer pauschalen Vorverurteilung. Zudem war jene Boa, die am Donnerstag in der Wohnung des Halters wieder eingefangen werden konnte, weder registriert, noch wurde sie artgerecht gehalten. Und dass wieder einmal ein „schwarzes Schaf“ dafür sorgt, dass pauschal alle Halter exotischer Tiere über einen Kamm geschoren werden, regt so manchen Züchter auf. „Viele herkömmliche Tiere werden auch nicht artgerecht gehalten“, sagt Erika Ernst.

Der Tierschutzverein „Vier Pfoten“ bezeichnete den Fall der entkommenen Würgeschlange in Graz als eines von vielen Beispielen, die zeigten, „dass Exoten in Privathaushalten nichts verloren haben“. Geschäftsführerin Johanna Stadler fordert sogar ein Verbot und begründet dies damit, dass bei Exoten ein großer technischer Aufwand erforderlich sei und ein Großteil der Käufer dieser Wildtiere zu wenig Fachwissen über ihre neuen Mitbewohner hätten. „Die Gefahr, die von Exoten ausgeht, ist oft nicht kalkulierbar – es handelt sich um Wildtiere, die genauso wie Löwen niemals komplett zähmbar sind“, sagt Stadler.

Habitate in Gefahr

„Freilich ist ein Terrarium oder Ähnliches nicht der natürliche Lebensraum dieser Tiere. Aber dass viele Arten nicht mehr existieren würden, gäbe es die privaten Halter nicht, daran denkt niemand. Viele Habitate wurden von den Menschen durch Rodungen, Ölkatastrophen, Goldsuche etc. zerstört. Tierarten, die ihr Biotop verloren haben, konnten nur dank der Nachzüchtungen erhalten werden. Der natürliche Lebensraum wird immer kleiner, das ist Fakt, und er wird rapide weniger“, sagt Esterer.

Einmal richtig aufgewärmt, vergisst Esterer sogar seine Zigarette, die er sich vor zwanzig Minuten gedreht hat und in seiner Hand hält. Er argumentiert weiter: „Außerdem werden jene, die exotische Tiere halten, für die Problematik der Habitatvernichtung sensibilisiert – so erfahren immer mehr Leute davon, und das ist wichtig. Und, ganz ehrlich, ich bin zwar selbst Hundebesitzer und -liebhaber, aber von jedem Hund mit sieben Kilogramm geht mehr Gefahr aus als von einer Boa. Und keines dieser Tiere – die giftigen ausgenommen – sind gefährlicher als die heimische Kreuzotter.“

Verkauf und Handel mit giftigen Tieren ist für Esterer im Übrigen ein Unding, denn „die können wirklich gefährlich sein, wenn sie unsachgemäß gehalten werden und entkommen“.

Den vier jungen Rochen im Aquabecken ist die Aufregung naturgemäß egal. Ihnen ist später vor allem eines wichtig, dass sie richtig gehalten werden und dass die Nahrung passt. Richtig halten heißt in ihrem Fall, ein Becken mit vier Quadratmeter, bei einer Tiefe von einem Meter. Mindestens! Wenn es also etwas mehr sein darf, dann fühlen sich die Rochen bestimmt noch wohler.

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