OÖN: Sie waren nie in der Schule – das klingt für jedes Kind nach Paradies. Ist es das?
Stern: Ich vergleiche mich nicht mit anderen, aber für mich war es eine glückliche Kindheit, die bis heute anhält. Das sage ich ganz bewusst, weil es für mich die Unterteilung der Begriffe wie Kindheit und Erwachsensein, privat und Beruf nicht gibt. Deshalb kann ich sagen: Ich war und bin ein glückliches Kind.
OÖN: Sie sind Gitarrenbaumeister, Gitarrist, Journalist, Informatiker ... – also, irgendwann müssen Sie doch ins Berufsleben eingestiegen sein?
Stern: Mit 17 bin ich erstmals öffentlich auf einer Bühne als Gitarrist aufgetreten. Das war wohl mein Einstieg ins Berufsleben.
OÖN: Haben Sie sich je für einen Job beworben?
Stern: Nein, auch wenn das jetzt überheblich klingt. Meine Berufe – die allesamt Traumberufe sind – wurden mir immer angeboten.
OÖN: Hat nie jemand nach Zeugnissen gefragt?
Stern: Nein, es war stets meine Kompetenz gefragt.
OÖN: Wie haben Sie lesen gelernt?
Stern: Mit drei Jahren habe ich ein Buch aufgeschlagen und meinen Eltern von Eiern und Eierbechern erzählt, die ich darin gesehen habe. Damit meinte ich die Buchstaben C und O. Und so ging es weiter, die Buchstaben wurden zu meinem Lieblingsspiel und ich war bald fähig, Worte zu entziffern.
OÖN: Und dann?
Stern: Dann wurde ich vier, fünf, sechs und sieben und konnte noch immer nicht flüssig lesen. Meine Eltern hatten aber das Vertrauen, dass ich es zu meiner Zeit lernen würde. Sie machten sich keine Sorgen. Zu Recht. Mit acht Jahren habe ich eines Tages ein Buch aufgeschlagen und flüssig gelesen.
OÖN: Also gut, Sie haben lesen gelernt. Aber wie war es, ohne Gleichaltrige aufzuwachsen?
Stern: Gegenfrage: Warum sollte der Kontakt zu Gleichaltrigen wichtig sein? Ich war mit Kindern zusammen, aber auch mit alten Menschen, mit Menschen aller Hautfarben – es war eine gegenseitige Bereicherung. Ich nahm ein großes Bad in der sozialen Wirklichkeit. Die Schule entspricht meiner Ansicht nach nicht der sozialen Realität.
OÖN: Würden Sie es gut finden, wenn man die Schule für alle Kinder abschaffen würde?
Stern: Es wäre gut, wenn man die Schulpflicht abschaffen würde. Denn es stört mich, wenn man in einer demokratischen Gesellschaft nicht frei entscheiden kann, ob man in die Schule geht oder nicht. Junge Eltern sollten die Möglichkeit haben, sich Gedanken zu machen, wie ihr Kind lernen soll.
OÖN: Schicken Sie Ihre Kinder zur Schule?
Stern: Ich bin Vater eines Kindes, das in vier Monaten zur Welt kommen wird. Und ich werde meinem Kind dieselben Möglichkeiten schenken, wie ich sie hatte. Es muss nicht zur Schule.
Ein Kontrapunkt gegen das ungeschrieben Dogma, an das heute so viele glauben:
"Je früher die Kasernierung unserer Kinder einsetzt, desto besser für sie."
Man spricht natürlich nicht so offen, sondern sagt
"frühkindliche Bildung" in Krabbelstuben und Kindergärten.
Aber was sind das anderes als Kasernen für Kinder?
Andre Stern zeigt, daß sogar die Schule nicht unbedingt sein muß, geschweige denn Krabbelstube und Kindergarten!
Ich bin gegen die Verstaatlichung der Kinder!
Mehr dazu hier:
http://wolfmayr.org/familie/viewtopic.php?f=1&t=13
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