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Was zählt am Ende? Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Eine Palliativpflegerin schreibt, was ihr Menschen am Sterbebett erzählt haben.

Was zählt am Ende? Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Was der Mensch auf seinem letzten Weg braucht? Zeit, einen Menschen, der ihn wirklich liebt, und ehrliche Gespräche. Bild: Colourbox

Was bereuen wir, wenn unser Leben zu Ende geht? Welche Wünsche blieben unerfüllt, welche Sehnsüchte wurden nie gestillt? Die Palliativpflegerin Bronnie Ware, die mehrere Jahre lang Sterbende betreut hat, hat ein Buch über jene Dinge geschrieben, die Menschen in ihren letzten Stunden bewegen. „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ ist weltweit ein Bestseller.

 

1 Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben. Grace tat fünfzig Jahre lang, was ihr Mann und ihre fünf Kinder von ihr verlangten, begehrte nie auf. Dass sie dabei selbst auf der Strecke geblieben war, bemerkte sie erst, als sie zu jenem Zeitpunkt todkrank wird, als sie dachte, endlich ihre lang ersehnte Freiheit leben zu können. „Lassen Sie niemals zu, dass irgend jemand Sie von dem abhält, was Sie wollen“, sagt Grace kurz vor ihrem Tod zu ihrer Sterbebegleiterin Bronnie Ware.

2 Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet. „Was für ein Trottel ich gewesen bin. Ich hab’ nur gearbeitet!“ Diesen Satz hörte die Palliativpflegerin oft von älteren Männern. Die Autorin erzählt von John, einem erfolgreichen Geschäftsmann, der nicht und nicht in Pension gehen wollte. Erst als seine Ehefrau todkrank wurde, erkannte er, dass sie all die Reisen, die sie sich immer gewünscht hatten, niemals gemacht hatten. „Fast alle haben zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt – weil sie Angst hatten um ihre Karriere und davor, nicht genug Geld zu verdienen.“

3 Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

„Kurz vor dem Tod realisieren viele, dass sie selbst nahestehenden Menschen ihre Gefühle nicht gezeigt haben“, schreibt Ware. „Ich hätte mir gewünscht, dass meine Familie mich wirklich gekannt hätte“, erzählte ihr ein 94-Jähriger in seinen letzten Tagen. „Viele Menschen unterdrücken ihre Gefühle um des Friedens willen, das führt dazu, dass sie sich in einer mittelmäßigen Existenz einrichten und nie zu dem werden, was sie hätten sein können.“ Viele Krankheiten, die ihre Patienten über die Jahre entwickelten, rührten daher.

4 Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten. „Einsamkeit kann einen umbringen. Manchmal bin ich ganz ausgehungert nach einer Berührung“, zitiert die Autorin eine ihrer Patientinnen, die sich am Ende ihres Lebens verlassen fühlt – vom eigenen Kind und von den Freunden. „Ich wünschte, ich hätte den Kontakt nicht abreißen lassen. Man denkt immer, dass Freunde immer da sein werden. Aber das Leben geht weiter und plötzlich stehen Sie da und haben keinen Menschen auf der Welt, der sie versteht oder irgend etwas über ihre Geschichte weiß.“

5 Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt. „Viele Patienten erkennen erst zum Schluss, dass sie die Möglichkeiten hatten, zu wählen. Sie stecken in alten Mustern und Gewohnheiten und dem Komfort der Gewohnheit“, sagt Ware. Manchen Menschen musste sie erst sagen, dass sie das Recht hatten, glücklich zu sein, zu lachen und sich auf schöne Dinge zu konzentrieren.

 

Die Autorin und das Buch

Zur Person: Die Australierin Bronnie Ware hat aufgrund ihrer Erfahrungen als Palliativpflegerin ihr Leben geändert und arbeitet heute als Sängerin und Autorin. Ihr Motto: „Ich mache das, was ich will – denn wenn ich das nicht tue, weiß ich, was ich auf meinem Sterbebett bereuen werde.“

Zum Buch: Bronnie Ware: „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“, arkana-Verlag, 15,99 Euro.

 

Literatur-Tipps zum Thema Trost und Trauer

Michael Köhlmeier: „Idylle mit ertrinkendem Hund“, Deuticke, 108 S., 13,30 Euro
Die Geschichte spielt drei Jahre nachdem der Autor seine Tochter Paula verlor, die bei einer Wanderung in der Nähe des Hauses ihrer Eltern abgestürzt war. Das Buch leistet, wozu nur Literatur imstande ist, nämlich Schmerz in Anmut verwandeln, in Idylle mit ertrinkendem Hund.

David Grossman: „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“, Hanser, 727 S., 25,60 Euro
Eine Mutter flieht aus ihrem Haus, nur um ja keine Nachricht vom Tod ihres Sohnes entgegennehmen zu müssen. Während Grossman das Buch schrieb, starb sein Sohn Uri beim Militärdienst in Israel.

Joan Didion: „Das Jahr des magischen Denkens“, List, 255 S., 9,20 Euro
Didion sucht ihren persönlichen Weg nach dem Tod ihres Ehemannes – während ihre Tochter im Koma liegt. Ein tröstender Text über die Unsterblichkeit einer Liebe.

Laure Adler: „Bis heute abend“, DVA, 186 S., 9,90 Euro
Ebenso schmerzliches wie tröstliches Buch der mehrfach ausgezeichneten Duras-Biographin. Adler schreibt sich die Geschichte vom Tod ihres neun Monate alten Sohnes vom Herzen.

Peter Handke: „Wunschloses Unglück“, Suhrkamp, 89 S., 6,70 Euro
„Es ist inzwischen fast sieben Wochen her, seit meine Mutter tot ist, und ich möchte mich an die Arbeit machen, bevor das Bedürfnis, über sie zu schreiben, sich in die stumpfsinnige Sprachlosigkeit zurückverwandelt, mit der ich auf die Nachricht von dem Selbstmord reagierte“, schreibt Handke über den Tod seiner Mutter. Die Tatsachen wurden so übermächtig, dass sie ihm keinen Platz ließen, sich etwas auszudenken. Jedes Mehr wäre zu viel gewesen.     (pg)

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Artikel Barbara Rohrhofer 04. Juli 2013 - 00:04 Uhr
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