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Wann wirst du endlich selbstständig?

Sieben Tipps, wie Kinder zu selbstbewussten, selbstständigen Schülern werden – Mithilfe der Eltern dringend erforderlich!

Wann wirst du endlich selbstständig?

Hausübungen sind in vielen Familien ein Konfliktthema. Bild: Colourbox

Wer wünscht sich das nicht? Kinder, die das Schulleben erfolgreich und fast alleine meistern? Doch kaum geht die Schule los, müssen Eltern oftmals feststellen, dass der Nachwuchs sehr viel mehr Unterstützung und Hilfestellung braucht, als den Erwachsenen recht ist. Auch wenn die Mädchen und Buben schon in der Pubertät sind, bedeutet das für viele Mütter und Väter: Mitlernen.

„Wann wirst du endlich selbstständig?“ heißt es daher oft vorwurfsvoll. Eltern, die ihren Kindern diese Frage stellen, müssen sich meist selbst an der Nase nehmen. „Wer Kinder zur Selbstständigkeit erziehen möchte, sollte sehr bald damit beginnen. Bereits mit zweieinhalb Jahren kann ich ein Kind beispielsweise dazu motivieren, sich das Gewand selbst auszusuchen. Natürlich muss ich es bei allen Schritten in die Selbstständigkeit unterstützen und immer wieder loben“, sagt Martin Pachinger, Klinischer Gesundheitspsychologe und fachlicher Leiter des Kinderhilfswerks Oberösterreich. Er und andere Erziehungsexperten geben Tipps, wie Kinder selbstständiger werden.

 

1 Was können Mütter und Väter machen, damit ihre Kinder nicht bei jedem Handgriff auf elterliche Hilfe angewiesen sind?

Man muss Kindern schon sehr früh etwas zutrauen. Kinder fangen mit dem Löffel allein zu essen an. Es dauert lange, macht Schmutz. Aber wenn das Kind es alleine schafft, macht das stark und selbstbewusst. Dieses Beispiel lässt sich auf die ganze Kindheit umlegen. Eltern müssen ihre Kinder fördern, ihnen Fähigkeiten beibringen, sie unterstützen und immerzu positiv bestärken, Dinge alleine zu wagen. Das ist ein oftmals mühsamer Weg, aber er lohnt sich.

2 Wann kann ein Kind die Hausaufgaben alleine erledigen. Geht das schon in der Volksschule?

Ja. Eltern müssen diese Zeit aber klar strukturieren. Gut ist es auch zu wissen, dass in der ersten Klasse Volksschule eine halbe bis eine Stunde für Hausübungen verwendet werden sollen. Am besten ist es, sich am Anfang an den Tisch zu setzen oder zumindest im Raum zu sein. Das signalisiert dem Kind Geborgenheit. Außerdem kann es bei Unsicherheiten jederzeit fragen. „Und es ist sehr wichtig, mit dem Kind über den Schultag zu sprechen und Interesse an dem zu zeigen, was da passiert“, sagt der Experte vom Kinderhilfswerk. Wer immer im Gespräch ist, erfährt auch viel über Sorgen und Ängste der Kinder. Nach einer aktuellen Umfrage helfen 46 Prozent der österreichischen Eltern ihren Kindern regelmäßig bei den Hausaufgaben.

3 Soll ich meinem Kind selbst bestimmen lassen, wann es die Hausübung erledigt?

Eltern sollten die Rahmenbedingungen klar bestimmen. „Ich rate ab, das Kind nach der Schule fernsehen zu lassen. Das dient nicht der Erholung und Entspannung, sondern verhindert, dass das in der Schule Gelernte ins Langzeitgedächtnis gelangt“, sagt Martin Pachinger. Nach der Schule sollte das Kind essen, sich erholen oder spielen, dann Hausübung machen – danach ist Freizeit.

4 Wie und wann lernen Kinder Ordnung zu halten?

Mit fünf, sechs Jahren wissen die meisten Kinder ganz gut, wie Aufräumen funktioniert. Mit Volksschülern sollte man das ungeliebte „Zusammenräumen“ klar absprechen: Wie oft wird aufgeräumt, wann und wie exakt? Eltern sollten – auch bei großer Unordnung – nicht einfach aufräumen, um die Sache möglichst schnell zu erledigen. Das Kind muss Zusammenräumen als seine eigene Sache begreifen. Eltern müssen sich – auch wenn das sehr schwierig ist – zurücknehmen und das Kind immer wieder auffordern.

5 Ab wann können Kinder alleine einkaufen gehen?

„Das können sie bald. Wenn es die Verkehrslage erlaubt, geht das mit sechs, sieben Jahren. Das ist ein tolles Selbstbewusstseins-Training, für das man ruhig belohnen darf – auch einmal mit einer Süßigkeit“, sagt Pachinger.

6 Bald kommt wieder die Zeit der Schularbeiten und Tests. Gibt es einen Zeitpunkt oder ein Alter, in dem Kinder ganz alleine für Prüfungen lernen?

Eltern sollten bald damit beginnen, dem Kind Selbstverantwortung zu übergeben. „Niemand kann selbstständig werden, wenn immer jemand da ist, der alles für einen richtet“, sagt Pachinger. Mütter und Väter sollten vor Schularbeiten Hilfestellungen anbieten und eventuell gemeinsam mit dem Kind einen Lernplan erstellen. Die Verantwortung fürs Lernen soll beim Kind bleiben. „Wenn es nichts lernt, wird es Niederlagen erleben – auch die gehören dazu.“ Elterlicher Standardsatz fürs Selbstständigwerden: „Ich bin immer für dich da, übertrage dir aber Verantwortung für gewisse Dinge.“

7 Wie sollen schulische Erfolge belohnt werden?

Lob und Anerkennung für kindliche Leistung sind unerlässlich. „Kleine Aufmerksamkeiten motivieren zusätzlich“, sagt Pachinger, warnt aber vor „materieller Überschüttung für jede gute Note oder Leistung. Leider geht die Tendenz dazu, Kinder und Jugendliche mit großen Geschenken zu belohnen.“ Emotional würden viele Kinder leider immer mehr ausgehungert. Viele Eltern reden viel zu wenig mit ihren Kindern, interessieren sich nicht für ihre Lebenswelt. Als Belohnung für gute Noten gibt’s oftmals monströse Shopping-Touren. Besser wäre es, in der Freizeit kindgerechte Dinge zu unternehmen: Radfahren, Karten spielen, Bücher vorlesen.

Pflicht: In Österreich gibt es keine Schul-, sondern eine Unterrichtspflicht. Das heißt, dass Kinder nicht in die Schule gehen müssen, sondern auch zu Hause unterrichtet werden können. Die Unterrichtspflicht beginnt mit dem auf die Vollendung des sechsten Lebensjahres folgenden September und dauert neun Schuljahre. Die Unterrichtspflicht wurde bereits von Maria Theresia im Jahr 1774 für Österreich und die Kronländer eingeführt.

1868 wurde in Österreich die erste Mittelschule für Mädchen eröffnet, eine Handelsakademie. Ab 1869 wurden Bürgerschulen Mädchen zugänglich. Ab diesem Zeitpunkt entstanden immer mehr Mittelschulen für Mädchen oder Frauen. Ab 1872 konnten auch sie maturieren, waren allerdings nicht zu einem Hochschulstudium berechtigt. Erst ab 1901 durften Maturantinnen auch bestimmte Universitäten besuchen.



„Schule ist super, aber der Kindergarten war besser“
Im Vorjahr war David Thaler Taferlklassler. Im OÖN-Interview sprach er darüber, was er sich von der Schule erwartet. Und, hat’s gestimmt?

„Schule ist super, aber der Kindergarten war besser“

David Thaler freut sich schon wieder auf die Schule.    Foto: Volker Weihbold


„Wie stellst du dir deinen ersten Schultag vor?“, fragten die OÖNachrichten im Vorjahr den Taferlklassler David Thaler. „Ich gehe frühstücken, gebe der Mama ein Bussi, und dann gehe ich in die Schule, wo ich lesen und schreiben lerne“, antwortete er. Über seinen künftigen „Arbeitsplatz“, der Volksschule in Auwiesen, meinte er: „Die Schule wird sicher voll super.“ Ein Jahr danach trafen die OÖN den Buben wieder und haben nachgefragt, was sich bewahrheitet hat und was nicht.

OÖNachrichten: Die Sommerferien sind vorbei – freust du dich schon auf die Schule?
David Thaler: Ja schon. Jetzt gehöre ich nicht mehr zu den Kleinen. Die Ferien waren aber auch voll super. Die Mama hat sich die letzten zwei Wochen Urlaub genommen. Und wir haben jeden Tag was Tolles unternommen.

Kannst du dich noch an deinen ersten Schultag erinnern?
Ja – aber da waren wir eh nur kurz in der Schule. „Hallo“ sagen zur Frau Lehrerin. Ich denke heuer wird’s länger dauern ...
Im Vorjahr hast du gemeint, die Frau Lehrerin wird wie die Mama sein, nur mit helleren Haaren. Und, hat’s gestimmt?
Ja. Sie ist eine Liebe. Aber sie hat dunkle Haare. Am Anfang wollte ich gar nicht hingehen, in die Schule. Nach einer Woche hat es mich nicht mehr gefreut.

Warum?
Weil der Kindergarten besser war.

Was war dort genau besser?
Man hat nicht so lange still sitzen müssen. Still sitzen ist langweilig. Bäh.

Du warst ja in einem ganz besonderen Kindergarten, oder?
Ja. Im Waldkindergarten. Da gibt es kein Haus. Nur ein Zelt. Im Winter haben wir im Tipi ein Lagerfeuer gemacht. Am Morgen haben wir uns immer in einen Kreis gesetzt und Mundharmonika gespielt. Das war in der Schule nicht mehr so.

Dann hat es dir aber doch in der Schule gefallen ...
Nach ein paar Wochen. Weil die Frau Lehrerin lieb ist. Und dann habe ich auch einen Freund dort gefunden. Aber mein bester Freund, den kenne ich aus dem Kindergarten. Den Erik. Die Mama hat mich letztes Jahr, wie ich nicht in die Schule gehen wollte, manchmal in die Arbeit mitgenommen. Das war schön.

Darf man das denn?
Ich glaub’ eigentlich nicht.

Was hast du denn im ersten Schuljahr alles gelernt?
Ich kann schon bis zu einer Milliarde zählen (kichert). Und ich kann schon das ganze Alphabet. Meinen Namen schreiben. In Blockschrift. Nicht in Schreibschrift – das haben wir noch nicht gelernt. Der Mama habe ich schon einen Brief geschrieben. Rechnen kann ich bis 30.

Bastelt ihr auch in der Schule?
Ja – der Mama habe ich zum Muttertag ein Herz aus Holz gemacht. Das hat sie im Auto hängen.

Im vergangenen Jahr hast du gesagt, dass du in der Schule singen und Gitarre spielen lernen willst, weil du später einmal ein Sänger werden möchtest. Wie schaut’s mit diesen Plänen aus?
Also singen tun wir nicht so viel in der Schule, und Gitarre spielen kann ich auch nicht. Vielleicht lerne ich das ja heuer. Ich würde aber lieber singen ...

Du willst also immer noch Sänger werden?
Nein. Lieber Schauspieler. Da braucht man keine Noten können.

Freust du dich schon wieder auf die Hausaufgaben?
Na ja. Da muss man immer Zettel ausfüllen, Rechnungen fertig machen oder Sätze schreiben. Also von mir aus, würd’ ich das nicht brauchen. Es gibt ja auch andere Dinge zu tun.

Was denn?
Spielen – mit meinem großen Bruder im Hort.

Bist du ein ehrgeiziger Schüler?
Ich hatte lauter Einser im Zeugnis – nur einen Zweier, in Deutsch.

Da ist die Mama aber sehr stolz auf dich ...
Schon. Die freut sich, dass sie jetzt zwei große Schulbuben hat.
 

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Artikel Barbara Rohrhofer 08. September 2012 - 00:04 Uhr
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