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Studie räumt mit Mythen auf: Warum wirklich weniger Babys geboren werden

WIEN. Österreichischer Grund für die niedrige Geburtenrate: Rückgang der Mehrkindfamilien.

Baby

(Symbolfoto) Bild: colourbox.com

Rund um das Thema sinkende Fruchtbarkeit und Geburtenraten kursieren viele Vorurteile und Mythen – etwa, dass die Kinderlosigkeit heute so hoch wie nie zuvor sei oder niedrige Geburtenraten eine Folge der Berufstätigkeit der Frauen seien. Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland und der Schweiz räumen in ihrer aktuellen Studie „Zukunft mit Kindern“ mit all diesen Mythen auf.

Mythos 1: Tatsächlich gibt es in den deutschsprachigen Ländern eine vergleichsweise niedrige Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau. In Österreich sei der Grund dafür ganz eindeutig. Ehepaare wünschen sich ein oder zwei Kinder – mehr Kinder seien meist nicht geplant, sagt Studien-Mitautorin Alexia Fürnkranz-Prskawetz vom Institut für Demografie.

Mythos 2: Falsch sei auch das pauschale Argument, die niedrige Fertilität (Fruchtbarkeit) sei durch die erhöhte Erwerbstätigkeit von Frauen begründet. In Skandinavien und Frankreich gebe es die höchste Erwerbstätigkeit von Frauen, aber auch die höchsten Geburtenraten.

Mythos 3: Die Kinderlosigkeit ist heutzutage nicht höher als jemals zuvor. Zwar sei jede fünfte Frau, die um 1965 geboren wurde, kinderlos geblieben – zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten aber sogar 25 Prozent der Frauen keine Kinder bekommen.

Mythos 4: Nicht richtig sei auch die weit verbreitete Annahme, dass Frauen durch die gestiegene Lebenserwartung länger Kinder bekommen könnten. „Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, sinkt weiterhin mit zunehmendem Alter. Das durchschnittliche Alter für die Menopause liegt seit Jahren konstant bei 51 Jahren“, sagt Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Bonn. Wahr ist allerdings, dass in den 1970er- und 1980er-Jahren das durchschnittliche Alter einer Frau beim ersten Kind bei rund 25 Jahren lag. Derzeit ist das Durchschnittsalter 30. Zudem sei 1981 nur bei jeder 16. Geburt die Mutter über 35 Jahre alt gewesen, derzeit ist dies bereits bei jeder vierten Geburt der Fall.

Mythos 5: Es gebe keinen wissenschaftlichen Hinweis dafür, dass sich die Spermienqualität, etwa durch Umweltbedingungen, wie man oft höre, verschlechtert habe, sagt Holzgreve.

Mythos 6: Die Studie zeigt auch, dass das Ausmaß der Kinderlosigkeit hochgebildeter Frauen in der Vergangenheit aufgrund fehlender Daten als zu hoch eingeschätzt wurde (in Deutschland 28 Prozent der um 1965 geborenen Akademikerinnen).

Mythos 7: Die Pauschalaussage, Immigrantinnen hätten viel höhere Fertilität als einheimische Frauen, stimme nicht, es gebe eine große Variation der Geburtenrate. In Österreich liegt die zusammengefasste Geburtenziffer für alle Immigrantinnengruppen bei 1,9 mit einem schwachen Rückgang über die Zeit.

„Kinderwunsch ist durchaus da“

Man wolle mit der Studie und den Empfehlungen der Experten „nicht die Fertilität erhöhen“, betonte Alexia Fürnkranz-Prskawetz. Es gehe vielmehr darum, zu verstehen, warum die Fertilität im deutschsprachigen Raum auf so niedrigem Niveau sei. „Denn der Kinderwunsch ist durchaus gegeben und liegt im Schnitt bei rund zwei Kindern“, sagt die Wissenschafterin.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass veränderte Rahmenbedingungen durchaus dazu führen könnten, dass wieder mehr Kinder geboren würden.

 



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Empfehlungen der Wissenschaftler

Rechtlicher Anspruch auf Familienzeit: Der derzeit stark auf die ersten Lebensjahre des Kindes fokussierte Karenzanspruch soll durch flexible Zeitmodelle abgelöst werden. (Auch bei Schul- und Wohnungswechsel oder längeren Krankheitsphasen sollte genügend Zeit für Fürsorge bleiben.)

Temporäre Teilzeit: Möglich sein sollte ein zeitweiliger Berufsausstieg als auch Teilzeitmodelle, und zwar für beide Elternteile. Für die Forscher wäre das ein Weg zu größerer sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit.

Infos im Online-Portal www.zukunft-mit-kindern.eu

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Artikel OÖN 15. Januar 2013 - 00:05 Uhr
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