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Linzer Koch-Champion: Vier Gewinner, aber doch nur ein Sieger

LINZ. „Zehn, neun, zehn, zehn.“ So hohe Punktewertungen wie Samstag gab es in der Geschichte des Koch-Championates selten: Vier Hobbyköchinnen und -köche gaben bei der letzten Regional-Vorentscheidung „Großraum Linz“ ihr Bestes, um ins Finale des Koch-Wettbewerbs der Oberösterreichischen Nachrichten einziehen zu können.

Der Linzer Karl Ludwig – er war schon im vergangenen Jahr Koch-Champion-Kandidat – heimste die höchste Punktezahl ein. Gekocht wurde in der Seminarküche der Landwirtschaftskammer in Linz. Die Hände zittern beim Servieren anfangs noch bei Karl Ludwig. Dabei hat der 44-jährige Linzer keinen Grund, nervös zu sein: Die Jury ist besonders von seiner Vorspeise begeistert. „Ich bin zum ersten Mal Juror und verblüfft, wie hoch das Niveau der Hobbyköche ist. Hier kann man sich auch für die eigene Speisekarte inspirieren lassen“, sagt Haubenkoch Christian Göttfried („Göttfried im Schrot“, in Alkoven.)

In der Küche geht es indessen hektisch zu: Es wird gequirlt und gerührt, geschnitten und gewürzt. Aber zwischendurch gönnt man sich auch ein Gläschen Weißwein. „Ich schätze die Atmosphäre hier. Das ist auch der Grund, warum ich zum zweiten Mal an den Koch-Champion-Start gehe“, sagt Ludwig. Er hat sich genau auf den Wettbewerb vorbereitet, überlässt nichts dem Zufall und hat gar einen penibel genauen Plan wie er seine Gerichte präsentieren will. „Zu Hause beim Probekochen habe ich die Teller fotografiert, damit ich sie wieder genauso anrichten kann.“

Ein Gang nach dem anderen verlässt kurz nach 12 Uhr die Küche und wird von den strengen Augen und Gaumen der Jury bewertet. Auch der noch regierende Koch-Champion 2010, Helmut Dürrschmid, ist wieder unter den Juroren: „Ich bin bei der Punktevergabe sehr spendabel. Immerhin weiß ich, was es heißt, hier zu kochen.“

Nur 35 Punkte Unterschied sind es schließlich vom Erst- zum Viertplatzierten. So knapp war es bisher noch nie bei einer Entscheidung des beliebten Wettkochens der OÖNachrichten. Jeder Juror konnte für jeden der drei Gänge der Menüs maximal 30 Punkte vergeben: Bis zu jeweils 10 Punkte für Aussehen, Geschmack / Genusswert und Gesamteindruck. Und abschließend wieder maximal 10 Punkte für Menüzusammenstellung (Kreativität Regionalität und Saisonalität). Bei 13 Juroren wären demnach 13 Mal 100 Punkte, also 1300, erreichbar gewesen. Karl Ludwig freute sich über großartige 1163 Punkte. 1141 Punkte bekam das Menü auf Platz zwei, gefolgt von Menüs mit 1139 und 1136 Punkten. „Alle Menüs hätten den Sieg verdient, leider kann es aber nur einen Gewinner geben“, bedauert „Oberjuror“ Peter Hirsch, Feinspitz der OÖNachrichten. Mit der Meinung steht er nicht alleine da: „Eine Vorspeise war besser als die andere – auch von der Originalität der Rezepte her“, sagt Haubenkoch Gerhard „Holzpoldl“ Fehrer. Und auch bei der Hauptspeise zeichnet sich schnell ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: „Das Niveau bei der Regionalentscheidung ,Großraum Linz’ ist extrem hoch. Erst das Dessert gab bei meiner Punktevergabe den Ausschlag, bis zur Hauptspeise waren alle Kandidaten bei mir im Rennen“, sagt Gastronom Anton Gallistl („Pöstlingbergschlössl“).

Großer Respekt vor Konkurrenz

Wie hat Ludwig heuer die Konkurrenz empfunden? „Ich fühle mich hier als Primus inter Pares – also als Erster unter Gleichen – alleine schon wie ich die Rezepte der anderen gelesen habe, hatte ich Respekt vor den Mitbewerbern. Trotzdem hat man sich gegenseitig mit Zutaten ausgeholfen und es war für uns alle ein sehr vergnüglicher Vormittag.“

Freitag kocht Ludwig beim Finale gegen fünf Konkurrenten.

Bestes Dessert

Bei der ZDF-Küchenschlacht hat die Wilheringerin Ilse Digby bereits die Juroren Johann Lafer und Alfons Schuhbeck begeistert: Sie gewann den deutschen TV-Wettbewerb. Die Linzer Koch-Champion-Jury war besonders von Digbys Erdbeerdessert begeistert.

„Das Menü war traumhaft schön angerichtet – die Nachspeise war sommerlich leicht und sehr gut“, sagte Gastronom Anton Gallistl (Pöstlingbergschlössl, Linz) in seiner Laudatio.

In der Freizeit reist die vielbeschäftigte Pensionistin gerne, tüftelt an Rezepten, schaut Kochsendungen im Fernsehen und liebt nach eigenen Angaben „Extrem-Couching.“

Rund 50 Kochbücher und zehn Ordner mit Rezepten hat Digby, die fünf Jahre lang in den USA nahe New Orleans gelebt hat, zu Hause in der Bibliothek stehen. „Ich lasse mich davon aber nur inspirieren.“

Besonders die thailändische Küche hat es der feschen diplomierten Betriebswirtin angetan – „zum Backen bin ich erst relativ spät gekommen – Süßes war früher nicht so meines, aber die Geschmäcker ändern sich“.
Gut so, sagt die Jury.

Beste Hauptspeise

Auch in die Mensa geht der angehende Jurist und Wirtschaftsrechtler Franz Steinböck aus Linz im Notfall: „Nicht der Kulinarik wegen, sondern wenn der Bauch leer ist.“ Denn Gaumen hat der 25-Jährige einen feinen und das seit frühester Kindheit: „Zum elften Geburtstag habe ich von meinem Onkel das Plachutta-Kochbuch bekommen. Das ist eine Bibel für mich und gehört in jeden anständigen Haushalt.“ Wann der Student zum letzten Mal eine Packerlsuppe aufgemacht hat? „Ich denke, noch nie.“

In der Freizeit züchtet der Leondinger eigenen Salat sowie Kräuter, presst Most und räuchert Fische. Auch von Wein kann der angehende Diplomand stundenlang sprechen: „Er ist eine gute Ergänzung zum Essen.“ Und wenn nach so viel Genuss noch Zeit bleibt, dann setzt sich der Single in ein Gokart und düst mit Freunden seine Runden.

Ob er nach dem Studium in die Gastronomie einsteigen möchte? „Nein, ich will mich einmal selbstständig machen und Anwalt werden.“

Beste Vorspeise

Beim Koch-Championat im Jahr 2010 konnte sich der Linzer Jurist Karl Ludwig knapp nicht durchsetzten, beim zweiten Anlauf gelang ihm der Regional-Sieg und damit der Einzug ins Champion-Finale.

Vor allem der erste Gang begeisterte. „Diese Vorspeise verdient eine Haube“, sagte Laudator und Haubenkoch Christian Göttfried bei der Siegerehrung.

War es der Ehrgeiz oder die Freude am Kochen, die Ludwig zum zweiten Mal beim Koch-Championat an den Start gehen ließ? „Die Stimmung war so gut im Vorjahr, dass ich wieder einen Menüvorschlag eingeschickt habe und dieser von der Jury ausgewählt wurde“, sagt der Hobbykoch, der zu Hause auch einen großen Weinkeller hat. Lieblingsgewürz des verheirateten Vaters einer Tochter ist Pfeffer in allen Varianten sowie Flor de Sal. Was isst das sechsjährige Töchterchen Lydia besonders gerne? „Geschnetzeltes und Schnitzerl.“

Beste Regionalität

Liebe geht durch den Magen, das weiß auch die Linzer Landesbedienstete Marion Kreksamer. Frisch verheiratet ist die 43-Jährige, „bald feiern wir den ersten Hochzeitstag.“ Und in dem Jahr hat ihr Ehemann wegen ihrer guten Kochkünste „ein bisserl zugenommen. Ja, ich kann mich in ein feines Essen und bei einem feinen Essen verlieben.“

Die Jury war vor allem von Kreksamers feinen regionalen Zutaten begeistert. Haubenkoch Gerhard „Holzpoldl“ Fehrer hielt die Laudatio: „Frau Kreksamer, Sie haben einen Fan – und zwar mich!“ Zum Kochen ist Kreksamer schon im Alter von sechs Jahren gekommen; „Da hab’ ich mit meiner Mama den ersten Kuchen gebacken.“ Seither ist die Linzerin eine begeisterte Hobby-Köchin: „Wann ich die letzte Packerlsuppe geöffnet habe? Das ist so lange her, dass ich es gar nicht mehr weiß.“

In der Freizeit liest die Hobbyköchin gerne: „Nicht nur Kochbücher, sondern auch Krimis und historische Romane. Nur Liebesromane mag’ ich nicht, weil die Romantik habe ich ohnedies zu Hause.“

„Jedes Menü hätte den Sieg verdient“

Die Juroren: Sascha Wurdinger (Haubenkoch, „Herberstein“, Linz), Christian Göttfried (Haubenkoch, „Göttfried im Schrot“, Alkoven), Martina Haslehner (Seminarbäuerin und Köchin, Michaelnbach), Stefan Freilinger (ehemals Haubenkoch, jetzt Marketingchef „Eggenberger“ Bier), Gerhard Fehrer (Haubenkoch, „Holzpoldl“, Lichtenberg), Petra Windischbauer (Kulti-Wirtin, Köchin, Gasthof „Mayrhuber“, Waizenkirchen), Willibald Reichl (Berglandmilch/Schärdinger), Anton Gallistl (Gastronom, „Pöstlingbergschlössl“, Linz), Helmuth Dürrschmid (Koch-Champion 2010), Romana Schneider (Landwirtschaftskammer Oberösterreich), Christine Otte („Scherleiten“-Küchenchefin in Kirchdorf/Krems, „Aufsteiger des Jahres“ im „Falstaff Gourmet Guide 2010“), Elisabeth Irndorfer (Kochlehrerin, HLW Steyr) und Peter Hirsch (OÖNachrichten-Feinspitz, „Koch-Champion“-Organisator).

Finale am Freitag: Sechs Menüs stehen zur Wahl

Nach der letzten Regional-Vorentscheidung (Großraum Linz) am Samstag steht nun fest, welche Amateurköchinnen und Amateurköche am Freitag dieser Woche beim Finale um den Titel „Oberösterreichs Koch-Champion“ antreten werden:

Mühlviertel: Hier gab es wegen beinahe Punktegleichstand (nur zwei Punkte Unterschied) zwei Gewinner: Johanna Angerer, Perg und Gottfried Noringbauer, Ottensheim
Großraum Linz: Karl Ludwig, Linz
Traunviertel: Michael Wägner, Windischgarsten
Hausruckviertel: Birgit Schmitzberger, Vöcklabruck
Innviertel: Daniela Stockhammer, Eberschwang

Die OÖNachrichten berichten über das Finale, die Siegerehrung und das anschließende Genussfest in der Samstag-Ausgabe.

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 06. Juni 2011 - 00:04 Uhr
Christina Tropper
Bild vergrößern Vier Gewinner, aber doch nur ein Sieger

Karl Ludwig wird am 10. Juni für den Großraum Linz beim Finale des Koch-Championates an den Start gehen.  Bild: www.hermann-wakolbinger.at

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Kochchampion: Alle Finalisten stehen fest

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