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Ratgeber  > Essen & Trinken  > Oberösterreichs Kochchampion

Erstmals ein Doppelsieg beim Koch-Champion

Die Jury staunte. Erst beim Essen, weil die Qualität so vorzüglich war und dann bei der Punkteabrechnung: 1337 Punkte für Gottfried Noringbauer, 1335 Punkte für Gudrun Angerer. Die Jury war schnell einig: Zwei Pünktchen Unterschied sind zu vernachlässigen, diesmal muss es zwei Sieger geben. Das war aber nicht die einzige Premiere beim Wettbewerb „Oberösterreichs Koch-Champion“.

Noch nie waren die Teams so unterschiedlich wie am Samstag bei der Regional-Entscheidung „Mühlviertel“ in der Seminarküche der Oberösterreichischen Landwirtschaftskammer in Linz.

Am ersten Kochplatz Team-Noringbauer/Horn: 152 Jahre Lebens- und an die 100 Jahre Koch-Erfahrung vereint in zwei honorigen Herren, die seit 40 Jahren eine tiefe Männerfreundschaft verbindet. Dieses Team war gleich im doppelten Sinn eine Premiere. Erstens die erste reine „Mannschaft“, die es wagte, beim Koch-Champion mitzukochen und gleichzeitig auch noch das älteste Koch-Duo, das sich bisher bewarb.

Am zweiten Startplatz warten die Youngsters. Viktoria Aufreiter und ihre Helferin Lisa-Maria Köck bringen es gemeinsam auf gerade mal 40 Lenze und ein paar Jahre hinter dem Herd.

Am dritten Herd stehen die Ehrgeizigen. Schon zum zweiten Mal tritt Gudrun Angerer beim Koch-Champion an. War sie beim ersten Championat als Studentin noch nervös, strahlt sie heute als Frau Magistra Ruhe hinter den Töpfen aus.

Last but not least die Semi-Profis vom Team-Strasser. Christa Strasser, die als Seminarbäuerin immer wieder Kochkurse abhält, und ihr Lebensgefährte Karl Maier, der die Forellen für die Vorspeise selbst züchtete.

Kandidaten mit Kabarettqualitäten

Schon um neun Uhr am Vormittag zeichnet sich ab, dass dies ein knappes Rennen um die Mühlviertler-Kochkrone werden würde. Alle Teams sind akribisch vorbereitet und bis in die Haarspitzen motiviert, um heute kulinarische Höchstleistungen zu erbringen.

Die Humor-Wertung geht schon früh an das Senioren-Team Noringbauer. Keine Gelegenheit zu faxen oder zu scherzen lassen er und sein Helfer Wilfried Horn aus. Um 10.40 Uhr die erste Verletzung. Horn schneidet sich beim Apfelschälen in den Finger. Kein Grund, das Lachen zu verlieren. „Deswegen wird er a net hin, der alte Hund“, kommentiert Noringbauer die blutende Verletzung. „Ich bin ja sowieso ein Masochist, dass ich noch mit dir koche“, kontert Horn. Beide kudern wie Schulbuben darüber.

Die ersten Vorspeisen werden kurz nach zwölf der Jury serviert. Auch Noringbauer kostet bei der Konkurrenz. „Mah, ist des gut, jetzt schauen wir alt aus“, sagt der 80-Jährige zu seinem 72-jährigen Helfer. Angerers Rehfilet hat es ihm offensichtlich angetan. Aber nicht nur Noringbauer ist davon begeistert, auch bei den Juroren regnet es die Höchstnote zehn für das Reh.

Erstmals in der Jury der Juniorchef der Schlossbrauerei Eggenberg, Hubert Stöhr. „Ich war heute um halb fünf in der Früh schon am Hochsitz und hab’ einen Maibock geschossen. Und jetzt, zu Mittag, beim Wettbewerb bekomme ich ein so köstliches Rehfilet von Frau Angerer serviert, ich hab dieses Gericht mit zehn bewertet.“

Kurze Unsicherheiten mit dem Herd bei Angerer. Leise fluchend schraubt sie an den Drehknöpfen herum, doch die widerwillige Technik scheint sich ihren Befehlen zu widersetzen. Ein kurzer Handgriff vom Profi der Landwirtschaftskammer und auch dieses Problem löst sich in duftende Rauschschwaden auf, der Herd gehorcht seiner jungen Herrin wieder.

Ohne größere Komplikationen bringen alle vier Kandidaten ihr Menü mit der Nachspeise zu einem perfekten Abschluss.

Die Jury tagt. Etwas länger als sonst brauchen die Gastro-Profis dieses Mal, bis alle Bewertungsbögen ausgefüllt sind. Zu marginal sind die Unterschiede zwischen den Kandidaten in vielen Fällen. Der Computer wird mit den Zahlen gefüttert. 1137 Punkte für Noringbauer und 1135 Punkte für Angerer. Für die Juroren ist klar, beide haben den Sieg verdient. So wird es beim diesjährigen Finale am 10. Juni nun sechs Kandidaten geben, die um den Titel „Oberösterreichs Koch-Champion“ wetteifern werden.

Überschwängliche Lobesreden

Die Laudatio auf die beiden Siegermenüs hielten die Haubenköche Erich Lukas (Linz, „Verdi“, „Einkehr“) und Helmut Rachinger (Neufelden, „Mühltalhof“). „Wenn sie auch beim Finale ihr Menü so hinbekommen, Frau Angerer, sind sie für mich eine Favoritin, es ist für mich besonders schön, wenn die Jugend mit so viel Freude und Können kocht.“ Rachinger führte den Erfolg von Noringbauer/Horn „auf viele Jahre Erfahrung, Freude und Geschmacksbildung“ zurück: Oldies but goldies und damit ein Vorbild, in der Pension die Zeit sinnvoll mit dem Hobby Kochen zu nützen. Noringbauer greift nach den Ansprachen zum Handy. „Hallo, du sprichst mit einem Sieger“, teilt er seiner Frau stolz mit.

Gottfried Noringbauer

Es war eines der außergewöhnlichsten Kochteams, die das Championat bisher gesehen hat. Erstens bildeten Gottfried Noringbauer und sein Helfer Wilfried Horn das erste reine Männerteam. Gleichzeitig waren sie auch das älteste Team, das bisher die Qualifikation für eine Regionalausscheidung geschafft hat.

152 Lenze an Lebenserfahrung brachten die beiden rüstigen Herren aus Ottensheim mit nach Linz. Seit mehr als 40 Jahren verbindet den pensionierten Dentisten und den Montanisten im Ruhestand eine Männerfreundschaft, die sie seit Jahren auch immer wieder gemeinsam hinter den Herd führt: 1995 gründeten sie einen Männer-Kochclub, in dem regelmäßig ihre Frauen kulinarisch verwöhnt werden. Es gibt keine Gerichte, die Noringbauer nicht mag oder prinzipiell ablehnt. „Es kann alles gut werden, wenn‘s gut gemacht ist“, ist der 80-Jährige überzeugt. Er und sein Helfer haben ihre Sache am Samstag in Linz ganz besonders gut gemacht. Vor allem beim Lamm, dem Hauptgang, schmolz die Jury vor Entzücken dahin.

Gudrun Angerer

Beim ersten Koch-Champion-Bewerb im vergangenen Jahr verpasste Gudrun Angerer relativ knapp den Einzug ins Landesfinale. Kochte die 24-Jährige 2010 noch als Studentin mit, kam die Pergerin am Samstag als Frau Magistra zurück und bewies, dass sie sich auch in der Küche noch steigern konnte.

„Der Ehrgeiz hat mich wieder hierhergetrieben“, sagt Angerer. Wie schon beim ersten Championat half ihr wieder der beste Freund Andreas Bauer in der Küche. „Ein außergewöhnlich braver Helfer“, sagt Angerer. „Sehn S‘ eh, dass er die Drecksarbeit macht“, lacht sie, während Bauer mit stoischer Geduld und einer Pinzette die Gräten aus dem Forellenfilet zupft.

Beim ersten Antreten war Angerer nervös gewesen. Dieses Mal ist sie ruhiger, obwohl sie das Menü wegen ihres Umzugs nach Salzburg kaum üben konnte. „Es ist halt so, wie es ist“, ist ihr Leitspruch. „Das Motto eines Champions“, urteilte die Jury.

Christa Strasser

Das zweite große Glück haben Christa Strasser aus Naarn und Karl Maier aus Scharnstein miteinander gefunden. Seit einigen Jahren sind die beiden verwitwet und nun ein Paar. Sie hält als Seminarbäuerin Kochkurse (ist aber keine gelernte Köchin, sonst hätte sie beim Wettbewerb nicht mitmachen dürfen), er betreibt eine feine Fischzucht. Natürlich durfte hauseigener Fisch im Champions-Menü nicht fehlen. Maier: „Die Forellen hab ich gezüchtet, gefüttert, geschlachtet und geräuchert.“

Kocht das Paar auch zuhause oft gemeinsam? „Nein, er ist zum Händchenhalten mit, eine moralische Unterstützung sozusagen, kochen tu immer ich“, sagt die 51-Jährige. Und tatsächlich, während seine Liebste in der Küche werkt, ist Maier die meiste Zeit mit dem Fotoapparat unterwegs, um die Teilnahme am Wettbewerb zu dokumentieren.

Schon in jungen Jahren stand Strasser in der Küche. Was war ihr erstes Gericht? „Ein gefülltes Henderl, ich war sieben oder acht Jahre alt, meine älteren Brüder haben mir aber geholfen. Geschmeckt hat’s vorzüglich.“

Viktoria Aufreiter

Mit 20 Jahren war Viktoria Aufreiter sozusagen das Küken unter den Kandidaten am Samstag in der OÖ. Landwirtschaftskammer. Vom ersten Koch-Champion habe sie leider nichts mitbekommen, sonst hätte sie sich schon im vergangenen Jahr beworben, sagt die Rainbacherin.

Kochen hat sie bei ihrer Mama gelernt. Schon als kleines Mäderl ist sie immer mit Mutti in der Küche gestanden. Schnitzerl war das erste Gericht, das sie schon in sehr jungen Jahren in Perfektion beherrschte. Gibt es trotz der frühen Kocherfahrungen Zutaten, die niemals auf ihrem Teller landen würden? „Schwammerl mag ich net. Ich geh‘ sie suchen. Ich verkoche sie meinetwegen auch noch, aber essen tu ich sie bestimmt nicht“, sagt die Rezeptionistin.

Streng geht die 20-Jährige nach Vor- und Hauptspeise mit sich selbst ins Gericht. Mit dem Teig der Ravioli zeigte sie sich unzufrieden und auch beim Biorinderrücken habe nicht alles richtig funktioniert. Wir können beruhigen, sowohl Vor- als auch Hauptspeise erhielten fast ausschließlich sehr gute Noten von der Jury.

Die Jury: „So gut gespeist haben wir selten“

Haubenköche, Köchinnen und Feinschmecker in der Jury, von links: Georg Friedl (Haubenkoch, „mühlvierteln“ und Restaurant „Salzamt“ Linz), Peter Hirsch (OÖNachrichten-Feinspitz), Hedwig Lindorfer (Bezirks- und Seminarbäuerin, Niederwaldkirchen), Stefan Freilinger (ehemals Haubenkoch, Marketingchef der Brauerei „Schloss Eggenberg“), Maria-Theresia Wirtl (Amt der Landesregierung, „Genussland Oberösterreich“), Erich Lukas (Haubenkoch, „Verdi“ und „Einkehr“, Linz), Helmut Rachinger (Haubenkoch, „Mühltalhof“, Neufelden), Hubert Stöhr (Brauerei „Schloss Eggenberg“), Ulf Schöttl (Marketingchef „Schärdinger / Berglandmilch“), Elisabeth Irndorfer (Kochlehrerin, HLW Steyr), Ingrid Pernkopf (Kochbuch-Bestsellerautorin, Wirtin, Köchin, Landhotel „Grünberg am See“, Gmunden), Helmut Dürrschmid (Koch-Champion 2010), Romana Schneider (Landwirtschaftskammer OÖ.)

So geht’s weiter: Nächste Woche im Traunviertel

Nach dem Inn-, Hausruck- und Mühlviertel folgen an den nächsten Samstagen die Entscheidungen im Traunviertel und im Großraum Linz.
Die Sieger der fünf Regionen kochen ihre Menüs am 10. Juni noch einmal beim Finale in Linz. Dann geht es um den Titel „Oberösterreichs Koch-Champion“.
Am Abend des 10. Juni findet in Linz auch das Genuss-Fest mit Siegerehrung und viel Prominenz statt.

Der Lohn für die Mühe

Alle Teilnehmer erhalten Restaurantgutscheine, Kochbücher, kulinarische Geschenke sowie Jahres-Abos des „Genuss-Magazins“ und „wein.pur“ sowie des Magazins „Falstaff“.
Die fünf Finalisten werden außerdem mit je 500 Euro belohnt. Und der „Champion“ wird sich zusätzlich über einen Gutschein für eine Gourmetreise im Wert von 1000 Euro freuen.

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 23. Mai 2011 - 00:04 Uhr
Philipp Hirsch
Bild vergrößern Erstmals ein Doppelsieg beim Koch-Champion

Bries, Zunge, Spargel  Bild: Weihbold

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Kochchampion: Doppelsieg bei der Mühlviertel-Vorrunde

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