
Die Zahl der Juroren irritierte die vier „Koch-Champion-Kandidatinnen und ihre Helferinnen ein wenig: 13! Und das auch noch einen Tag nach Freitag, dem 13. Mai! Wird das Glück bringen? Zumindest hat die 13 nicht bewirkt, dass in der Küche ein Gericht nicht gelungen ist. Alle Menüs haben den Juroren gefallen, eines aber nur konnte das Beste sein.
Familienkochen in Linz
Bisher waren Familien-Teams bei den Vorentscheidungen eher eine Seltenheit. Vielleicht überwog die Angst, der Haussegen könnte nach einem misslungenen Menü schiefhängen und in diesem Fall ist man doch tendenziell lieber mit einer Freundin zerstritten als mit Töchtern, Söhnen Geschwistern oder Ehepartnern. Für die vier Kandidaten aus dem Hausruckviertel spielten solche Überlegungen aber keine Rolle. Alle brachten sie Familienmitglieder als Koch-Helfer mit nach Linz.
Schon am Vormittag dringen verführerische Duftschwaden und aufgewecktes Gelächter aus der Seminarküche. Vor allem bei Schmitzbergers geht es lustig zur Sache. Die Zwillingsschwestern sind gut vorbereitet, auch deshalb sehen sie das Ganze eher locker. Sie haben im Hotel der Landwirtschaftskammer Linz übernachtet, um am großen Tag frisch und ausgeruht den Kochlöffel schwingen zu können.
Möglichst unauffällig schleichen ein paar der Juroren um die Kochplätze herum. Sie linsen in Töpfe und Pfannen und wollen einen Blick auf den Kochplan erhaschen. Ein wohlwollendes Nicken hier, ein erstaunter Blick da.
Was erwartet sich Neo-Juror und Herberstein-Küchenchef Sascha Wurdinger vom Koch-Championat? „Ich glaube, das Niveau wird hoch sein. Amateure lassen Profiköche immer wieder alt aussehen. Die Laien kochen mit Leidenschaft und Liebe, das fällt manchem Profi mit einem 16- Stunden-Arbeitstag nicht leicht.“
Liebe zum Detail findet sich bei allen Kandidaten wieder. Kunstvoll schichtet Martina Hofmair ihre Vorspeisen-Kreation auf. Eine Lasagne aus Zucchini und Tomaten. Sie fürchtet, dass die Türme im Rohr zerfallen könnten. Sie überstehen das Überbacken jedoch ohne sichtbare Schäden.
Eine kleine Krise bei Asböcks: Die Vorspeise ist bereit, die Jury noch nicht. „Hoffentlich wird des jetzt net alles kalt“, sorgt sich Birgit Asböck um ihren gratinierten Spargel. Doch zu früh gesorgt, der Spargel erreicht die Juroren warm, die Aufregung in der Küche bleibt ihnen verborgen.
Noch immer wirken derweil die Zwillinge beinahe demonstrativ entspannt. „Wissen S‘, ich schreib‘ oft Mundart-Gedichte für Geburtstage und andere Feiern. So lustige Sachen halt“, plaudert Birgit Schmitzberger beim Fleischschneiden. Nur beim Gedanken an die Nachspeise werden die beiden 43-Jährigen ein wenig nervös. Bei beiden Proben sei das Honigparfait mit Erdbeer-Rhabarbermus nicht ganz so geworden, wie sie sich das vorgestellt hatten, sagen die Schwestern.
Inzwischen machen Hopfgartners eine kleine Mittagspause. Ihre Nachspeise war die erste, die serviert wurde, nun haben sie Zeit. Gegessen wird der eigene Hauptgang: Bärlauchravioli. Sind sie mit dem Gericht zufrieden? „Mir schmeckt's“, sagt Theresa Hopfgartner mit dem Teller in der Hand.
Das Parfait bekommt Konkurrenz
Hofmairs Kürbiskernparfait ist als nächstes an der Reihe. Neugierig schaut Schmitzberger auf den Teller der Konkurrenz. „Na geh, ich wollt mein Parfait genauso hinlegen, hoffentlich macht das nichts.“ Schnell wird ein neues Konzept für die optische Präsentation der Nachspeise gesucht und schnell gefunden. Beim Anrichten wird es dann auch bei den Zwillingen zum ersten Mal kurz hektisch. „Geh’ lass mich machen, sowie du das anrichtest, schaut des ja nach nix aus“, sagt Birgit und drängt sich lachend an ihrer Schwester vorbei.
OÖNachrichten-Fotograf Volker Weihbold nimmt einen der fertig scheinenden Dessertteller, um ihn abzulichten. „Bringst ma sofort wieder, war nicht fertig“, wird er von Ingrid Schmitzberger zurechtgewiesen.
Kurz nach halb zwei sind alle Menüs von den Juroren verkostet und die Bewertungsbögen sind ausgefüllt. Die Punkte werden addiert.
Die Zwillinge setzen sich mit einem knappen Vorsprung gegen die Mutter-Tochter-Kochteams durch. Mit einem Freudenschrei kommentieren die Beiden das Urteil der Jury. Verdi-Chef Erich Lukas hält die Laudatio auf die Sieger. Vor allem die Hauptspeise hat ihn überzeugt. Wir gratulieren den Hausruck-Champions und wünschen für das Finale am 10. Juni viel Erfolg.
Birgit Schmitzberger
Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Ingrid gewann Birgit Schmitzberger die KochChampion-Vorentscheidung. Sie tritt im Finale für das Hausruckviertel an. Die klare Trennung zwischen Koch und Helferin verschwimmt bei den Vöcklabrucker Schwestern. Sie lachen viel und auch für einen Tratsch mit den Konkurrenten bleibt immer Zeit.
Bei ihrem Champion-Menü ist nichts in Stein gemeißelt. Erst drei Tage vor dem Bewerb reichten sie für die Hauptspeise ihr Kresse-Pesto nach. Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich am Samstag zeigte. Die Jury war von der grünen Paste zur Hauptspeise restlos begeistert.
Die 43-jährige Ordinationshilfe und Imbissstandverkäuferin musste von ihrem Mann überredet werden, am KochChampionat teilzunehmen. „Er ist weit mehr von meiner Kocherei überzeugt als ich.“
Sorgen machte ihr die Nachspeise, bei Menü-Proben gelang das Erdbeer-Rhabarbermus zum Honigparfait nicht, wie gewünscht. Nicht so am Samstag: Die süße Verlockung der Vöcklabruckerinnen erhielt von der Jury Höchstnoten.
Birgit Asböck
Birgit und Birgit Asböck kochten als eines von drei Mutter und Tochter-Teams in der Linzer Landwirtschaftskammer die Jury ein.
Proben konnte die Marchtrenkerin, die bis zur Pension Psychotherapeutin war, ihr Menü jedoch kaum. „Meine Tochter wohnt und arbeitet in Deutschland, wir haben nur am Vorabend des Wettkochens das Menü besprochen“, sagt die 66-Jährige. Die Tochter hatte nur einen Änderungswunsch: „Ich hab‘ die Mama überzeugt, die Portionen ein wenig kleiner zu machen, damit die Speisen auf den Tellern noch besser wirken.“
Gekocht hat Frau Asböck senior ihr ganzes Leben, aber erst in der Pension, sagt sie, habe sie daran Spaß gefunden. Sie ist eine durchaus strenge Chefin in der Küche. „Vergisst du mir eh net auf die Brösel“, wird die 42-jährige Tochter zwischendurch ermahnt.
Sorgenvoll blickt Asböck auf ihre Topfenknödel für die Nachspeise. Nicht rund genug sind sie für die anspruchsvolle Köchin. Wir können sie beruhigen: Geschmeckt haben sie der Jury ausgezeichnet.
Martina Hofmair
Bei Hofmairs vertraute man auf ein Familienteam: Martina Hofmair brachte ihre Mutter Waltraud mit nach Linz. Die 26-jährige Bankangestellte aus Thalheim/Wels hat sich schon als Mädchen viel in der mütterlichen Küche abgeschaut. Sie überraschte die Jury mit einem kreativen Menü.
„Huchen in der Walnusskruste, ob das funktioniert?“, fragt sich „Verdi“-Chef und Juror Erich Lukas. Es kann. „Das ist tatsächlich eine feine Idee“, sagt der Haubenkoch, nachdem er den Huchen mit Nussmantel probiert hat.
Nur einmal hatten Mutter und Tochter das Menü zuvor zu Hause geprobt. Die Familie diente als Testesser. „Sie gab mir ein paar Tipps und hat manches kritisiert. Aber Kritik ist super, sie hilft mir, mich zu verbessern“, sagt Hofmair, die normalerweise ihren Lebensgefährten zu Hause mit ihren Kochkünsten verwöhnt.
Das Lieblingsessen der Hobbyköchin? „Lasagne. Die von der Mama ist am besten.“
Gibt es auch etwas, das die junge Kandidatin gar nicht mag? „Innereien schmecken mir nicht.“
Theresa Hopfgartner
Regionalität und Saisonalität stehen in der Hopfgartner‘schen Küche im Vordergrund. Vieles baut die 55-jährige Hausfrau aus Mondsee im Garten selbst an. Was das private Gemüsebeet nicht hergibt, wird bei Bauern in der Umgebung gekauft. „Ich habe für nahezu alles einen Händler meines Vertrauens. Fisch, Fleisch und Eier kaufe ich dort, wo ich weiß, woher sie kommen“, sagt Hopfgartner.
Sowohl der Gesundheits- als auch der Umweltaspekt treibt sie dabei an. „Ich sehe gar nicht ein, dass Sachen, die es bei uns auch gibt, tausende Kilometer mit dem Lastwagen herangekarrt werden müssen.“
40 Jahre Kocherfahrung brachte sie zum Kochchampionat mit. Auch an ihr erstes Gericht kann sie sich noch erinnern: „Das war ein Guglhupf, ich glaub’, der ist sogar was geworden, damals muss ich zirka 15 Jahre gewesen sein.“
Als Assistentin brachte sie ihre Tochter Andrea mit nach Linz. „Ist die Mama eine strenge Chefin?“, fragte einer der Juroren die 17-Jährige. Sie lacht und nickt. „Ab und zu beschwert sie sich, aber das gehört dazu“, sagt die Mutter.
So geht’s Weiter: Nächste Woche: Mühlviertel
Nach dem Innviertel und dem Hausruckviertel folgen an den nächsten Samstagen die Entscheidungen im Mühl- und Traunviertel sowie im Großraum Linz.
Die Sieger der fünf Regionen kochen ihre Menüs am 10. Juni noch einmal beim Finale in Linz. Dann geht es um den Titel „Oberösterreichs Koch-Champion“.
Am Abend des 10. Juni findet in Linz auch das Genuss-Fest mit Siegerehrung und viel Prominenz statt.
Der Lohn für die Mühe
Alle Teilnehmer erhalten Restaurantgutscheine, Kochbücher, kulinarische Geschenke sowie Jahres-Abos des „Genuss-Magazins“ und „wein.pur“ sowie des Magazins „Falstaff“.
Die fünf Finalisten werden außerdem mit je 500 Euro belohnt. Und der „Champion“ wird sich zusätzlich über einen Gutschein für eine Gourmetreise im Wert von 1000 Euro freuen.
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