
Unter dem Motto: Frühling und Sommer steht der heurige Wettbewerb. Um 9 Uhr kamen die KochChampions in spe sichtlich nervös in der Seminarküche der Bezirksbauernkammer in Ried an. „Mah, ist dös ein Induktions-Herd? Ich hab noch nie auf Induktion gekocht“, sagt Petra Höretzeder sorgenvoll. Nach einigen Minuten des Probierens hat die talentierte Hobbyköchin das magnetische Kochfeld jedoch perfekt im Griff.
Vorbereitung ist alles, wenn man Oberösterreichs next Koch-Champion werden will. Akribische Listen mit Zutaten, Gar- und Bratzeiten und einer genauer Arbeitsaufteilung zwischen Koch und Helferlein begleiten alle Kandidaten.
Unter den Augen des Champions
Die Teilnehmer stehen unter genauer Beobachtung. Der Koch-Champion 2010, Helmut Dürrschmid, ist einer der Juroren und sieht seinen möglichen Nachfolgerinnen genau auf die Finger, in die Töpfe und Pfannen. Wird er ein sehr kritischer Richter sein? „Nein, ein sehr humaner, ich weiß ja noch, wie nervös ich war, als mir voriges Jahr Spitzenköche über die Schultern geschaut haben. Ich hoffe, die Köchinnen nehmen es locker, weil nur dann macht es Spaß.“
Um zehn Uhr laufen die Vorbereitungen an den drei Kochplätzen auf Hochtouren. Aber wie wahre Profis bleiben die Damen ruhig. War ihnen am Anfang die Nervosität noch ins Gesicht geschrieben, sind die Köchinnen nun am Herd in ihrem Element. Es bleibt Zeit für Smalltalk mit den Mitkandidatinnen.
Brigitte Greineder und Daniela Stockhammer diskutieren über ihre Lieblingskochsendungen. Einigkeit beim Ergebnis: Die „Küchenschlacht“ ist super, Lafer toll, Lichter lustig, Zacherl seltsam. Lanz ist zwar fesch, aber zu spät im Fernsehen. Das Who’s who der Fernsehköche muss sich warm anziehen, wenn die Innviertlerinnen angefangen, über sie zu diskutieren. Und fachlich müssen sie sich nicht hinter den großen Vorbildern verstecken. Die erste Vorspeise verlässt die Küche um Punkt zwölf. Lammleber mit Spargel. Eine mutige Kombination, die die Jury mit wohlwollendem Kopfnicken goutiert. Selbst Jurorin Romana Schneider (Landwirtschaftskammer), eine sonst erklärte Feindin der Innereien, zeigt sich von der Leber ob der perfekten Zubereitung begeistert. Wie ist es für „Koch-Champion 2010“, Helmut Dürrschmid, diesen Wettbewerb von der anderen Seite des Zauns aus zu erleben? „Als Juror ist es freilich entspannter.“ Sein Sieg hatte Folgen: „Der Rummel war schon recht groß. Mein Karpfengericht vom Wettbewerb hatte ich inzwischen schon so oft in der Pfanne, dass ich es nicht mehr sehen kann. Alle Freunde und Bekannte wollten das Siegermenü einmal probieren. Mein Fischhändler kennt mich schon von weitem.“
Kurz vor 13 Uhr verlassen die Hauptspeisen kunstvoll angerichtet die Küchen. Greineder hat das extrascharfe Messer verlegt. „Verdammt, wo ist des Trumm“, schimpft sie. Schnell ist in nachbarschaftlicher Kochhilfe ein Ersatz gefunden und die Schweinsfilets („Nusslan“) können auf dem Teller drapiert werden. Der Jury schmeckt’s. Daniela Stockhammers Lachsforellenfilet auf gschmackigem Zitronen-Erdäpfel-Stampf entzückte die Jury aber doch ein wenig mehr.
Ein widerspenstiges Topfenomelett macht Brigitte Greineder Sorgen, es will die Pfanne partout nicht verlassen. „Denken S’ Ihnen nix. Das erste Omelett darf nie was werden, das wäre ein schlechtes Zeichen“, baut Petra Höretzeder ihre Konkurrentin auf. Und tatsächlich, Omelett zwei bis fünf gleiten wie von selbst aus der Pfanne.
Die Teller sind leer. Die Jury ist satt. Knapp fällt die regionale Entscheidung im Innviertel aus: Daniela Stockhammer setzte sich durch. Sie darf ihr Menü am 10. Juni beim Finale erneut zubereiten. Juror Gerhard Janscha, Zwei-Hauben-Koch (Restaurant „Bacchant“, Dorf an der Pram) hält die Laudatio: „Sehr fein, ich schmeckte den Frühling und den Sommer. Leicht und erfrischend, toll gewürzt. Das würde ich durchaus auch in meinem Haus servieren lassen. Wollen Sie bei mir anfangen, Frau Srtockhammer?“
Zur Person Daniela Stockhammer
Mit Schafkäseterrine, Lachsforellenfilet und Grießflammeri kochte sich Daniela Stockhammer (rechts), Buchhalterin aus Eberschwang, in die Herzen der Jury. Sie wurde Innviertel-Koch-Champion 2011 und bereitet ihr Menü beim Finale am 10. Juni noch einmal zu. Da tritt sie gegen die anderen Sieger der Regionen an (siehe „So geht’s weiter“).
Ihre Selbsteinschätzung in der Küche ist bescheiden: „Ich kann eigentlich gar nicht kochen, aber ich tue es wahnsinnig gern.“ Sie mag keinen Schnick-Schnack, sondern gutbürgerliche Innviertler Hausmannskost.
Geübt hat sie viel. Testobjekt für das Menü war die Familie. „Mein Mann hat schon angekündigt, dass er in den nächsten Wochen auf keinen Fall noch einmal Schafkäse essen will.“ Zuhause half ihre dreijährige Tochter, beim Championat am Samstag ihre Freundin Bettine Rinner.
Auch beim ersten Bewerb Oberösterreichs Koch-Champion hatte sie ein Menü eingeschickt. „Da hab ich damals ein Kochbuch bekommen. Kochbücher kann man immer brauchen, also hab ich wieder eingesendet, aber nicht damit gerechnet, dass ich mich qualifizieren könnte.“
Wenn sie nicht gerade selbst hinter dem Herd steht, sieht sie anderen gerne beim Kochen zu. Kochsendungen sind eine ihrer Leidenschaften. „Küchenschlacht oder die Kochsendung mit dem Lanz gefallen mir. Es taugt mir, wenn Amateure kochen und von Profis beurteilt werden.“ Wie reagiert ihr Mann, wenn zuhause oft Küchensendungen über den Bildschirm flimmern? „Der jammert recht viel, aber der Fernseher bleibt an, und er muss dann zum Computer gehen.“
Zur Person Brigitte Greineder
Drei Mal hat Brigitte Greineder aus Mühlheim ihr Menü für den oberösterreichischen KochChampion vor dem Wettbewerb geübt. „Wegen der Lust am Kochen“, sagt sie, sei sie hier. Was genau begeistert die Innviertlerin so sehr am Kochlöffelschwingen? „Das Ergebnis, also das Essen, ist der schönste Lohn“, sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes.
Ihr Mann Günther unterstützte sie als „Helferlein“ in Ried bei der ersten Koch-Champion Vorentscheidung. Kocht sie zu Hause, hat sie einen eher ungewöhnlichen Kochassistenten: „Meine Katze hilft in der Küche. Wenn ich zusammenräume, nimmt sie ein auch ein Tuch ins Maul und ahmt meine Wischbewegungen nach“, sagt Greineder. „Hoffentlich kann ich das Katzerl gut vertreten“, scherzt ihr Mann.
Schon früh entdeckte Greineder ihre Kochleidenschaft: „Mit zehn Jahren wollte ich der Mama eine Torte für den Muttertag backen, die wurde aber patzig. Da habe ich sie, aus Angst, wegen der Lebensmittelverschwendung geschimpft zu werden, einfach unter meinem Bett versteckt.“
Zur Person Petra Höretzeder
Gerne hätte Petra Höretzeder (links) aus St. Martin im Innkreis schon beim ersten oberösterreichischen Koch-Champion-Wettbewerb im Vorjahr teilgenommen, doch ihre Schwangerschaft machte ihr damals einen Strich durch die Rechnung. „Jetzt bin ich viel mit dem Kleinen zu Hause, da hatte ich Zeit, zu üben,“ sagt die 32-Jährige. „Mein Mann sagt schon immer zum Buben, obwohl er es noch nicht verstehen kann: ,Fang dir des bloß net an in der Kuchl, siehst ja, wie viel Arbeit das ist.‘“
Schon im Kindergarten war Höretzeder eine begeisterte Köchin. In einem Alter, in dem Kuchen normalerweise in der Sandkiste gebacken werden, versuchte sie sich bereits an echten Backwaren. Mit Erfolg? „Naja, es ging so halbwegs, essen hat man das meist schon können.“
Beim Wettbewerb half Freundin Manuela Redhammer. „Petra ist eine humane Chefin“, sagt sie und fügt zwinkernd hinzu: „Aber nur, solange ich ihre Vorgaben ganz genau einhalte.“ Ihr Lieblingsessen verrät ein wenig Höretzeders Herkunft: „Bratl mit Mehlknödeln und Speckkrautsalat“ genießt die gebürtige Mühlviertlerin am liebsten.
12 Juroren ließen es sich schmecken
Jeder Juror konnte für jedes Menü bis zu 100 Punkte vergeben. Die Juroren in Ried (von rechts):
OÖ Nachrichten-Feinspitz Peter Hirsch, Romana Schneider (Kochbuchautorin, OÖ Landwirtschftskammer), Helmut Dürrschmid (Linz, „Koch-Champion 2010“), Maria-Theresia Wirtl (Amt der Landesregierung, „Genussland Oberösterreich“), Elisabeth Irndorfer (Kochlehrerin, HLW Steyr), Willibald Reichl (Berglandmilch/Schärdinger), Gerhard Janscha (Zwei-Hauben-Koch) und Petra Eder (Restaurant „Bacchant“, Dorf an der Pram), Gerhard Bauböck (Haubenkoch, Restaurant „Bauböck“ in Gurten), Christine Seidl (Kammerrätin und Seminarbäuerin in Wildenau), Manfred Schauer (Obmann „Eferdinger Landlerdäpfel“), Anton Gallistl (Gastronom, „Pöstlingberg Schlössl“, Linz).
So geht’s Weiter: Nächste Woche Hausruckviertel
Nach dem Innviertel folgen an den nächsten Samstagen die Entscheidungen Hausruck-, Traun- und Mühlviertel sowie Großraum Linz. Die Sieger der Regionen kochen ihre Menüs am 10. Juni noch einmal, dann geht es um den Titel „Oberösterreichs Koch-Champion“. Am Abend des 10. Juni findet in Linz auch das Genuss-Fest mit Siegerehrung statt.
Alle Teilnehmer erhalten Restaurantgutscheine, Kochbücher, kulinarische Geschenke sowie Jahres-Abos des „Genuss-Magazin“ und des Magazins „Falstaff“. Die Finalisten werden außerdem mit je 500 Euro, der „Champion“ mit einen Reisegutschein (Wert: 1000 Euro) belohnt.
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