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Webwissenschaften - „Internet ist nur die Imitation von Papier“

LINZ. Mit knackigen Aussagen leitete Internet-Pionier Ted Nelson das Semester für die Studenten des neuen Master-Studiengangs Webwissenschaften in Linz ein. Studentenreporter Thomas Gegenhuber war dabei.

Zum Studienstart des neuen interdisziplinären Masterstudiums Webwissenschaften gelang es der Johannes Kepler Universität (JKU) und der Linzer Kunstuni, den Web-Pionier und Vordenker Ted Nelson nach Linz zu bringen.

„Was ist der Unterschied zwischen einem Technologen und einem Filmemacher?“, fragte Ted Nelson zu Beginn seiner Vorlesung. Seine Antwort: Der eine kümmert sich nur um die Technologie an sich – der andere ist die Technik, aber er fragt sich: Wie wird der Zuseher den Film sehen? „Manche meinen, ich bin ein Technologe, aber ich selbst sehe mich als Medienkünstler“, sagte er.

Das Internet, wie wir es heute kennen, sei nichts anderes als eine Imitation von Papier. Dabei wäre mit dem Computer so viel mehr möglich. „Die Technologen haben da einen Fehler gemacht“, sagte er.

Aus diesem Grund entwickelte Ted Nelson den Hypertext. Ein Beispiel: Man hat ein Dokument mit mehreren Zitaten. Sobald man auf das Zitat klickt, erscheint neben dem aktuellen Dokument das Originaldokument, von dem das Zitat stammt. So ist es möglich, die komplexen Zusammenhänge von Dokumentation darzustellen, ohne die Übersicht zu verlieren. „Hypertext ermöglicht das unmittelbare Erfassen des Kontexts eines Dokuments“, so Nelson.

Web-Herausforderungen

„Im arabischen Frühling wurde das Web 2.0 genützt, um sich für die Proteste zu vernetzen. Das haben wir begrüßt. Aber als die gleichen Tools zur Kommunikation für die jüngsten Krawalle in London verwendet wurden, fanden das viele nicht so lustig – im Gegenteil: Es wurde für in Ordnung befunden, dass die Polizei Zugang zu den Online-Profilen haben wollte“, zeigte Nelson einen Widerspruch auf. Die Frage der Privatsphäre müsse intensiv aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden.

Die Zukunftsfragen des Internets könnten durch Technologen allein nicht gelöst werden. Es brauche auch juristische, soziale und künstlerische Perspektiven, um den komplexen Herausforderungen zu begegnen. Daher sieht Nelson auch die Einführung des Masterstudiums Webwissenschaften als eine gute Idee. „Ich wünsche der JKU viel Erfolg.“

Managen im Web

Das Masterstudium Webwissenschaften ist interdisziplinär und wird von der JKU mit der Kunstuniversität Linz angeboten. Es bietet eine Vertiefung in den für das Web relevanten Bereichen aus Technik, Wirtschaft, Recht, Gesellschaft, Kunst und Kultur.

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Artikel 18. Oktober 2011 - 00:04 Uhr
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Web-Pionier Ted Nelson war zu Gast an der Johannes Kepler Universität.  Bild: privat

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