„Gerade jetzt sind Universitäten gefragt, Lösungswege zu diskutieren und zu entwickeln. Die JKU will sich dieser Verantwortung nicht entziehen“, sagt Rektor Richard Hagelauer. Dieser Meinung ist auch der Vize-Rektor für Lehre Herbert Kalb: „Wo, wenn nicht hier, soll über die Krise diskutiert werden.“
„Viele unserer Wirtschafts-Professoren drücken sich und reden nicht gerne über die Krise. Weil es ihnen offenbar so unangenehm ist, haben wir das Heft selbst in die Hand genommen“, sagen die Initiatoren der Vortragsreihe Thomas Gegenhuber und Carina Schmieds-eder.
„Die Krise ist wie ein Tsunami, nur dass sie ein dynamisches Epizentrum hat“, sagte Stephan Schulmeister in seinem Vortrag. Er zeigte damit auf, wie wenig die Suche nach den individuellen Schuldigen bringt: „Bei katastrophalen Entwicklungen blickt die Bevölkerung immer zu sehr auf das Ereignis und zu wenig auf den Prozess. Wir erleben den Übergang von einer manischen in eine depressive Phase in Finanz- und Realwirtschaft. In diesen Kategorien denken alle Finanzmarktakteure, aber nicht die Ökonomen.“
Schulmeister bezeichnete die „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten!“-Mentalität der vergangenen Jahrzehnte als ökonomisch falsch und irreführend. Biedere Banken würden über Tochterbanken ihre Kunden zu Seminaren locken, wo sie zu Amateur-Spekulanten ausgebildet werden. Schulmeister warnte davor, sich daran zu beteiligen: „Dass diese Kunden als Gruppe nur verlieren können, ist ihnen natürlich nicht klar.“
Kritisch äußerte sich Schulmeister auch zur Rolle der eigenen Disziplin: Sie sei als einzige so von anderen Wissenschaften und der Realität so abgekoppelt, dass man sie als autistisch bezeichnen müsse. „Stabile Preise sind die Glückswelle der Gleichgewichtsökonomen und der Horror der Spekulanten.“
Wir erleben derzeit den Anfang vom Ende des Finanzkapitalismus, so Schulmeister. Allerdings sei der Neoliberalismus noch lange nicht tot: „Die Lerngeschwindigkeit der Eliten ist langsam. Die Lerngeschwindigkeit der Ökonomen ist besonders langsam.“
Kein Schaffner in Sicht