OÖN: Herr R., Sie sind seit rund zehn Jahren als Detektiv auch in Kaufhäusern unterwegs. Wie sind Sie Detektiv geworden?
Peter R.: Ich habe ganz einfach auf eine Zeitungsannonce reagiert. Dann wurde ich von meinem ehemaligen Arbeitgeber für eine Woche nach Wien zu einer Schulung eingeladen.
OÖN: Und was lernt ein zukünftiger (Kaufhaus-)Detektiv bei dieser Schulung?
Peter R.: Man lernt die Kaufhäuser kennen, Deliktstypen, Paragraphen ... Man geht mit erfahrenen Kollegen mit und es wird auch geschaut, ob man für diesen Beruf geeignet ist, ob man gewisse Dinge erkennt, die körperliche Fitness da ist und Interesse.
OÖN: Und für Sie ist es gut gelaufen?
Peter R.: Ich habe gleich am zweiten Tag meinen ersten Ladendieb entdeckt. Ich war gerade alleine, weil mein erfahrener Kollege nicht da war. Das war meine Feuertaufe.
OÖN: Und jetzt, in der Vorweihnachtszeit, haben Sie auch sicher viel zu tun?
Peter R.: Aus meiner Erfahrung ist es im ländlichen Bereich dann aber doch so, dass die Diebstahlzahlen zurückgehen ...
OÖN: Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Peter R.: Die Leute bekommen Weihnachtsgeld, es ist genug Geld vorhanden. Und gestohlene Geschenke zu verschenken, ist auch sicher nicht das Beste, es kann aber natürlich auch vorkommen.
OÖN: Und das Gedränge beim Einkaufen: Können Diebe da nicht leicht unerkannt bleiben?
Peter R.: Unerkannt schon, aber nicht ungesehen. Überall sind Kunden, hier kann auch die Hemmschwelle steigen, und die Frage auftauchen: „Traue ich mich, oder nicht?“ Man muss das aber auch nach Branchen sehen: Im Lebensmittel- und Kosmetikbereich wird es schon etwas mehr.
OÖN: Mit welchen technischen Hilfsmitteln arbeiten Sie?
Peter R.: Mit elektronischer Warensicherung und vor allem Kameraüberwachung. Es gibt Kameras, die für das Kundenauge nicht sichtbar sind. In Salzburg habe ich etwa einmal eine Kamera mit Hilfe von getönter Folie in einem Duschgel versteckt, die absolut nicht sichtbar war.
OÖN: Und hat das den erwarteten Erfolg gebracht?
Peter R.: (lacht) Gleich mehrere. Und unter anderem zu einer der spektakulärsten Anhaltungen in meiner Karriere geführt ...
OÖN: Inwiefern? War das ein Einsatz à la Hollywood?
Peter R.: Es war in einem Lebensmittelmarkt in Salzburg. Ein Kriminaltourist hat Rasierklingen im Wert von mehr als hundert Euro aus dem Regal eingepackt. Bei der Anhaltung flüchtete er: Er ist über den Geschäftsparkplatz und über eine stark befahrene Transitstraße gerannt. Und ich natürlich nach. Es war eine hollywoodreife Verfolgungsjagd. Mit dem Geschäftsführer wollte ich ihn dann umzingeln, aber ich habe ihn aus den Augen verloren.
OÖN: Wie ging es dann weiter?
Peter R.: Er ist in die nahe Salzach gesprungen und wollte rüber schwimmen. Ich bin nachgesprungen – ich bin auch ausgebildeter Rettungsschwimmer. Am anderen Ufer konnte ich ihn dann mit der Polizei dingfest machen.
OÖN: Herr R., sind Sie bei Ihrer Arbeit schon mal angegriffen oder verletzt worden?
Peter R.: Einmal habe ich einen Verdächtigen zu seinem Auto verfolgt und wollte den Herrn dazu bewegen, aus seinem Auto auszusteigen. Er hat sich geweigert, das Fahrzeug gestartet, ist retour gefahren und hat mich mit der offen Beifahrertür zu Boden gestoßen. Ich hatte Prellungen, habe eine Anzeige gemacht – er war der Einzige, der mir entwischt ist.
OÖN: Gab es noch weitere solche Vorfälle?
Peter R.: Zweimal hat es eine Rauferei gegeben, einmal ist dabei sogar ein Messer gezückt worden.
OÖN: Schwache Nerven darf man in Ihrem Beruf nicht haben ...
Peter R.: Angst sollte man nicht haben. Sobald man Angst zeigt, hat man schon verloren.
OÖN: Was ist die Motivation für Ihren Job?
Peter R.: Man muss es aus Leidenschaft tun, nicht um Leute an den Pranger zu stellen. Ich sehe auch immer ein Ergebnis, habe ein Erfolgserlebnis.
OÖN: Wie erkennen Sie, ob Sie einen potenziellen Ladendieb vor sich haben?
Peter R.: Man spürt es einfach, ich habe es im Gefühl. Wenn aber etwa einer oft rauf zur Decke schaut, wird er Kameras suchen ...
OÖN: Was geht in Ihnen vor, wenn Sie so einen Verdächtigen entdecken?
Peter R.: Der Adrenalinspiegel steigt, man ist zu 150 Prozent konzentriert. Man verfolgt die Person so lange wie möglich – über die Kameras, um nicht aufzufallen, oder durch das Geschäftslokal.
OÖN: Wann verlassen Sie dabei definitiv Ihren Bereich im Geschäft?
Peter R.: Wenn die Person etwas eingesteckt hat. Dann ist Feuer angesagt, man konzentriert sich nur mehr auf die Person, was anderes sehe und höre ich dann nicht mehr. Dann warte ich draußen, denn bei der Kasse wäre die letzte Möglichkeit, die Ware auch zu bezahlen.
OÖN: Herr R., wie viele Ladendiebe haben Sie bereits erwischt?
Peter R.: In den ersten fünf bis sechs Jahren waren es etwa 600 bis 700 – dann habe ich zu zählen aufgehört.
OÖN: Gibt es Waren, die besonders häufig gestohlen werden?
Peter R.: Alles, was klein, teuer, offen, sprich für Kunden gut zugänglich ist, ist gefährdet. Das Preis-Leistungsverhältnis wird hier oft verkannt.
OÖN: Warum wird man zum Ladendieb?
Peter R.: Zuerst aus Gelegenheit, die dann, bevor man erwischt wird, zur Häufigkeit wird. Auch Stammkunden stehlen oft. Sie haben oft das Vertrauen vom Personal und kennen das Geschäft.
OÖN: Testen Ladendiebe eigentlich auch Detektive?
Peter R.: Sie testen dich schon, indem sie etwas einstecken, wieder wohin legen und schauen, ob sie dann doch aufgehalten werden. Wir sind da ein bisschen schlauer: Verfolgen ihn, auch in anderen Geschäften, geben ein bisschen Sicherheit, und wenn er zuschlägt, dann erwischen wir ihn.
Gegen Diebe, für Diaz
Peter R., der aus dem Pongau kommt und in Wels für die Detektei „Markus Gruber Investigations“ aus Krems arbeitet, ist seit rund zehn Jahren als Detektiv auch immer wieder in Kaufhäusern aktiv. Dabei überwacht er Kunden, führt aber auch Personalkontrollen und -schulungen durch. Der 33-Jährige hat eine einjährige, berufsbegleitende Schulung des „Österreichischen Detektiv-Verbands“ absolviert, wo er theoretische und praktische Prüfungen in Gebieten wie „Observation“ und „Kriminalistik“ absolviert hat. Als Detektiv war er im privaten Personenschutz, etwa für Cameron Diaz („sehr attraktive Frau“) und Tom Cruise („sehr höflich“) im Einsatz. Als Kaufhausdetektiv ist er mit den gängigen Delikten vertraut: von Entwendung bei geringem Wert bis hin zu (schwerem) Diebstahl. Den Delikt „Ladendiebstahl“ gibt es an sich nicht.
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