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Welser Schulversuch hielt 20 Jahre: Ab Herbst 2018 ist damit Schluss

WELS. Elternverein des Integrativen Schulzentrums sammelte 5000 Unterschriften für den Erhalt.

Mit Projekten wie "Zirkus macht Schule" (im Bild) hat sich das ISZ einen Namen gemacht. Das pädagogische Angebot umfasst auch vier Inklusionsklassen. Bild: (ISZ)

Die Einstellung eines Schulversuchs lässt in Wels die Wogen hochgehen. Die Inklusionsklassen am ISZ (Integrativen Sonderschulzentrum) Dr. Schärf Schule, wo beeinträchtigte mit nicht beeinträchtigen Kindern unterrichtet werden, sollen aufgelöst werden. Eine entsprechende E-Mail des Landesschulrats erreichte am Freitag Direktorin Karoline Reischl.

Hintergrund der geplanten Schließung ist das Eindämmen unzähliger Schulversuche. Gerüchte darüber erreichten bereits im Dezember die Stadtpolitik. Der Gemeinderat antwortete mit einer Resolution, die einstimmig verabschiedet wurde. Auch einflussreiche Fürsprecher meldeten sich zu Wort: „Die jetzt angekündigte Einstellung eines über 20 Jahre höchst erfolgreichen Schulversuchs ist bildungspolitischer Wahnsinn“, reagierte eww-Vorstand Florian Niedersüß.

Der Elternverein sammelte in kurzer Zeit 5000 Unterschriften. Mittels Petition soll im Unterrichtsministerium und beim Landesschulrat gegen die Entscheidung angekämpft werden. „Alles, was 20 Jahre lang aufgebaut wurde, soll mit einem Mal zerschlagen werden“, empört sich Elternvereinsobmann Christian Steinhuber. Das Ende des Schulversuchs betrifft eine Klasse pro Jahrgang – in Summe etwa 80 Kinder und Eltern. Sorge um ihre Zukunft haben auch bis zu zwölf Lehrer. Wo sie künftig unterrichten sollen, ist noch ungeklärt.

Seit dem Schuljahr 2002/2003 werden am ISZ Ganztagsklassen für Kinder mit Beeinträchtigung angeboten. Neben dem Unterricht werden eine Hippo- und Hunde-therapie, Sprachunterricht und verschiedene Schulprojekte angeboten. Die Kinder gestalteten ein Weihnachtsmusical, erarbeiteten Film-, Musik- und Fotoprojekte.

"Österreichische Lösung"

Als Alternative zur jetzigen Unterrichtsform bietet der Landesschulrat an, die Volksschulklassen räumlich an der Sonderschule zu belassen. In dislozierter Form, wie es heißt. „Eine typisch österreichische Lösung“, schüttelt Bildungsreferent Johann Reindl-Schwaighofer (SP) den Kopf. Seine Partei trat erstmals im Dezember für die Übernahme des Schulversuchs in den Regelunterricht ein: „Diese Forderung wurde damals im gemeinsamen Resolutionsantrag wegreklamiert.“ Nun tritt auch Bürgermeister Andreas Rabl (FP) für die Überleitung des Schulversuchs in den Regelunterricht ein. Dieses Anliegen werde er auf politischer Ebene demnächst in Wien deponieren, verspricht Rabl.

VP-Obmann Peter Csar rät zu einem Dialog mit Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer: „Gespräche bringen mehr als Drohungen. Enzenhofer schlug eine Möglichkeit vor, mit der das Schulangebot bestehen bleibt.“

 

Drei Fragen an Christian Steinhuber

Der Elternvereinsobmann des ISZ Wels und Klinikum-Mitarbeiter sammelte mehr als 5000 Unterschriften für den Erhalt der Inklusionsklassen.

Im kommenden Schuljahr sollen die Inklusionsklassen eingespart werden. Was heißt das in der Praxis?

Steinhuber: Es wird im Herbst keine neue Inklusionsklasse geben. Die restlichen Klassen ab der zweiten Schulstufe laufen dann aus.

Der Landesschulrat bot eine Alternative an, die das bestehende Schulangebot sichern soll.

Der Schulversuch im Integrativen Schulzentrum wurde jahrelang erfolgreich geführt. Das Angebot hat man mit Hilfe von Sponsoren und in Abstimmung mit dem Elternverein kontinuierlich erweitert. Es soll stattdessen dislozierte Volksschulklassen geben. Ich glaube nicht, dass diese Alternative den erfolgreichen Schulversuch ersetzen kann.

Was wollen Sie unternehmen, wenn Ihre Forderung nach Beibehaltung des Schulversuchs unerfüllt bleibt?

Unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Wir üben politischen Einfluss aus und nutzen die sozialen Medien. Wenn wir kein Gehör finden, werden wir in den Bus steigen und nach Wien fahren.

 

160 Schüler besuchen das ISZ

Das ISZ (Dr.-Schärf-Schule) zählt aktuell rund 160 Schüler. 1997/1998 wurden erstmals Volksschulklassen mit Alternativpädagogik eingeführt. Damals hielten Unterrichtskonzepte wie Waldorf oder Montessori Einzug in die ehemalige Sonderschule. In den Inklusionsklassen nehmen beeinträchtigte und nicht beeinträchtige Kinder gemeinsam am Unterricht teil. Pro Klasse stehen zwei Lehrer und eine Stützkraft zur Verfügung. Eine Ganztagesbetreuung wird seit 2002 angeboten.

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Artikel Von Erik Famler 06. Februar 2018 - 04:12 Uhr
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