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Ausgebrannt im Job: 50-Jähriger wagt Neuanfang als Lehrling

SCHARTEN/WELS. Thomas Steinerberger wurde nach seinem Burn-Out vielfach abgelehnt – über das AMS bekam er neue Chance. Mit den OÖN sprach er über seinen Neustart als Lehrling.

Thomas Steinerberger absolviert beim Maschinenring in Wels eine Lehre als Garten- und Grünflächengestalter. Bild:

Nach 28 Jahren im Einkauf und Außendienst konnte Thomas Steinerberger nicht mehr die gewohnte Leistung bringen. Der Schartner bekam die Diagnose Burn-out, war ein Jahr lang krankgeschrieben. In seinen alten Job wollte der Vater einer 17-jährigen Tochter nicht mehr zurück. Über die Stiftung des Arbeitsmarktservice und über den Maschinenring bekam er die Chance auf einen Neustart. Der 50-Jährige hat gerade sein erstes Lehrjahr als Garten- und Grünflächengestalter mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen.

Wie schwierig gestaltete sich nach Ihrer krankheitsbedingten Pause von einem Jahr die Jobsuche?

Thomas Steinerberger: Es ist unglaublich schwer, überhaupt irgendetwas zu bekommen. Ich wäre auch 20 Stunden zu einem Lebensmitteldiskonter gegangen, nur um wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben. Das größte Problem für mich war das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. In der Privatwirtschaft hast du keine Chance, wenn du nicht die volle Leistung bringen kannst.

Wann haben Sie sich selbst eingestanden, dass Ihnen die Belastung in Ihrem Joballtag zu groß wird?

Wie bei vielen Burn-out-Betroffenen kamen auch bei mir mehrere Faktoren zusammen, berufliche wie private. Man will es nicht wahrhaben. Es ist ein schleichender Prozess. Medikamente habe ich erst auf der Reha genommen, ich habe meine psychische Erkrankung lange nicht akzeptieren wollen. Jetzt bin ich heilfroh, dass ich keine Medikamente mehr nehmen muss. Ich schau jetzt mehr auf mich.

Wie entstand die Idee, als Lehrling noch einmal in einem ganz anderen Bereich durchzustarten?

Ich habe einen Informationsabend, bei dem es um den Berufswiedereinstieg gegangen ist, besucht. Der Chef des AMS vermittelte mir eine Stiftung, um eine neue passende Berufssparte zu finden. Und da ich früher schon einmal Gartenarchitekt werden wollte, habe ich mich für die Lehre zum Gartengestalter entschieden. Psychisch geht es mir jetzt viel besser, ich bin viel in der Natur, und die körperliche Anstrengung tut mir gut.

Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf Ihre Entscheidung, noch einmal als Lehrling zu beginnen, reagiert?

Einige haben meine Entscheidung nicht verstanden. Sie haben gefragt, warum ich mir das in meinem Alter noch antue. Denn bei einem Job im Außendienst mache man sich ja nicht dreckig, und er sei auch nicht anstrengend. Aber ich habe den alten Job wegen der psychischen Belastung hinter mir gelassen. Heute sage ich oft zu den jungen Kollegen, jeder – egal ob Doktor oder Putzfrau – bringt seine Leistung und liefert seinen Beitrag, damit die Gesellschaft funktioniert. Jeder ist gleich viel wert, egal was er macht.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem neuen Job?

In erster Linie gefallen mir die vielfältigen Einsatzbereiche in der Natur. Ich helfe bei Gartengestaltungsarbeiten, beim Schwimmteichbau, der Rollrasenverlegung und dem Anlegen von Beeten. Natürlich gibt es nicht nur Sonnenschein, doch die unterschiedlichen Witterungsbedingungen machen mir nichts aus. Nach Regen kommt Sonne, und die genieße ich dann umso mehr. Natürlich ist die Arbeit manchmal körperlich auch sehr anstrengend.

Wie kommen Sie finanziell über die Runden?

Ich bin in der Stiftung, bekomme also mehr Geld als die Lehrlingsentschädigung. Ich habe ein Haus in Scharten, in dem ich zwei Wohnungen vermiete. Ohne dieses Zusatzeinkommen würde es nicht gehen. Meine Lehrzeit ist auf 18 Monate verkürzt. Wenn alles gut geht, werde ich im Juni nächsten Jahres meine Ausbildung abgeschlossen haben.

Was sind Ihre Ziele in Ihrem neuen Job?

Ich möchte jedenfalls in diesem Berufsfeld bleiben. Gut vorstellen kann ich mir, Gartengestaltungsprojekte von Beginn an zu begleiten. Vom Gespräch mit dem Kunden über das Planzeichnen bis hin zur Umsetzung vor Ort, wo ich selbst mitarbeiten möchte.

 

 

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Artikel Von Michaela Krenn-Aichinger 13. September 2017 - 04:32 Uhr
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