
Am 31. Jänner 1929 war es, als der Winter mit unbarmherziger Härte in Steyr Einzug hielt – und mit ihm der Kältetod. Erst am 6. März ließ er die krisengeschüttelte Stadt wieder aus seiner Umklammerung frei. In den sechs Wochen bis dahin spielten sich erschütternde Szenen ab.
In den ersten Tagen der Kälteperiode sank die Temperatur gleich auf minus 25 Grad Celsius. Kältepol war Anfang Februar die gar nicht weit entfernt gelegene Stadt Budweis mit minus 37 Grad. Für die von Arbeitslosigkeit und Armut geprägte Stadt Steyr hatte der extreme Wintereinbruch fatale und lang anhaltende Folgen. „Mit dem Zufrieren der Enns und den folgenden Eisstößen gab es zunächst ein beeindruckendes Naturschauspiel, doch spätestens nach Abfrieren der meisten Wasser- und Gasleitungen begriffen die Menschen, dass eine Katastrophe ihren Anfang nahm“, erinnert sich ein Zeitzeuge. War es Anfangs hauptsächlich der Wassermangel, machte den Manschen bald auch der Kohlemangel schwer zu schaffen. Ab 13. Februar wurden sämtliche Schulen geschlossen, wenig später folgten die Steyrwerke und zahlreiche andere Betriebe.
Die Steyrer Zeitung berichtet in diesen Tagen von den ersten Kälte-Toten in Oberösterreich und schreibt weiter: „Im Toten Gebirge kommen die Rehe, Hirsche und Gemsen in die Ortschaften, um etwas Efeu an den Hausmauern zu erhaschen.“ An ein besonderes Ereignis erinnert sich die heute 84-jährige Anna Janko aus Erzählungen ihrer Mutter: „Weil mein Vater ausgesteuert war und wir von der Hand in den Mund lebten, legte mich meine Mutter sechs Wochen lang täglich in das warme Backrohr, um mich am Leben zu erhalten.“
Als Hilfsmaßnahmen starteten der Magistrat und private Initiativen eine Teeaktion beim Gebäude der Vereinsdruckerei und eine Ausspeisung am Michaelerplatz. An Tagen der extremsten Kälte fiel auch in Steyr die Temperatur bis auf minus 38 Grad und es mussten oft mehr als 1000 Portionen Suppe ausgegeben werden. Erst am 6. März trat Tauwetter ein und erlöste die Menschen von ihren Qualen. Die wirtschaftliche Not der Stadt hingegen konnte noch lange nicht bewältigt werden.
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zwar sind auch in Steyr und Umgebung in den letzten Tagen ein paar Wasserleitungen eingefroren, doch wenn man diesen Artikel liest, erinnert man sich plötzlich daran wie gut es uns eigentlich geht.
Wir jammern schon auf einem sehr hohem Niveau.
Danke für diesen Artikel und ans Erinnern daran, dass die "gute alte Zeit" nicht immer eine GUTE Zeit war.
Sehr guter Artikel von Locicnik.
Endlich wieder jemand, der sich um die Geschichte der Stadt kümmert. Und das in ausgezeichneter Weise. Schade, daß er nicht Kulturamtschef geblieben ist. Er sollte es wieder werden. Zineder kann ihm nicht im Geringsten das Wasser reichen. Eine Ablöse Zineders ist längst überfällig. Wie lange will die Stadtführung noch beim Verfall des Heimatmuseums, beim Besucherrückgang des Arbeitsweltmuseums .....zusehen? Nicht einmal die Steyrtalbahn bekommt Hilfe bei Indstansetzungsarbeiten.
Was hat Zineder eigentlich in Sachen Kultur bisher publiziert?
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